Laufenburg
Neues Leben für das alte Grundbuchamt

Der Laufenburger Stadtrat will das Grundbuchamt-Gebäude für fünf Millionen Franken umbauen und erweitern. Dafür hat er das Projekt von 2009, das in der Schublade lag, überarbeiten lassen.

Thomas Wehrli
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Der eingeschossige Anbau an das alte Grundbuchamt soll sich dank Dachfaltung in die Altstadt integrieren. (Visualisierung)

Der eingeschossige Anbau an das alte Grundbuchamt soll sich dank Dachfaltung in die Altstadt integrieren. (Visualisierung)

zvg

Die fast unendliche Geschichte um die Sanierung des alten Grundbuchamtes im Hinteren Wasen in Laufenburg wird um ein Kapitel reicher: An der Gemeindeversammlung vom 28. November beantragt der Stadtrat dem Souverän ein Kostendach von fünf Millionen Franken. Damit soll das alte Gebäude saniert und ein eingeschossiger Anbau erstellt werden. Die heutigen Annexbauten, vorab der Schopf und die Garagen, sind in einem desolaten Zustand und werden abgerissen.

Das neue Projekt basiert auf dem Wettbewerbsprojekt von 2009, den die Architekten Stump & Schibli gewannen, – und das danach für geraume Zeit in der Schublade verschwand. Andere Bauprojekte waren drängender. Zudem gab es massive Kritik am Projekt und insbesondere am vorgesehenen Flachdach. Dieses passe nicht in die Altstadt.

Darauf haben Stadtrat, Fachkommission und Architekt reagiert: Der neue Anbau ist nur eingeschossig, erhält dafür eine Dachfaltung, die mit Ziegeln eingedeckt wird. Architekt Yves Stump spricht von einem «Verbinden von Alt und Neu zu einem stimmigen Ganzen», von einer «Reminiszenz an die wunderschöne Dachlandschaft».

Stadtrat gibt Gas

Nachdem im Hinteren Wasen lange Jahre lange nichts ging, drückt der Stadtrat nun aufs Tempo, «gibt Gas», wie es Stadtrat André Maier bei der gestrigen Präsentation des Projektes formulierte. Vor einem Jahr holte er sich beim Souverän den Projektierungskredit über 390 000 Franken, nun folgt bereits die Bauvorlage.

Der Druck aufs Gaspedal hat einen triftigen Grund: Für die Liegenschaft hat die Stadt bereits einen Mieter. Der Gemeindeverband Oberes Fricktal will seine Aktivitäten an einem Standort konzentrieren und er will dies im alten Grundbuchamt tun. Und eben: Der Verband möchte seine Aktivitäten, wenig verwunderlich, «so rasch wie möglich» am neuen Standort konzentrieren. Sprich: Bis 2016. Damit läuft für Laufenburg die Zeit. Stimmt der Souverän dem Projekt Ende November zu und läuft bei der Baueingabe alles rund, rechnet Architekt Yves Stump mit einem Bezug im Frühjahr oder Sommer 2016.

Für Maier ist die aktuelle Konstellation «ein Glücksfall», eine Chance, die es zu nutzen gilt. Man könnte auch sagen: ein vierblättriges Kleeblatt. Zum einen will der Gemeindeverband das gesamte Erdgeschoss sowie das Obergeschoss im alten Grundbuchamt «langfristig» mieten. Langfristig heisst: mindestens zehn Jahre. Mit den Mietzinsen können, zweitens, die Baukosten gedeckt werden. Wie hoch der Mietzins ist, den die Stadt vom Gemeindeverband für die 600 Quadratmeter bekommt, mochte Maier noch nicht sagen. Man sei noch in Verhandlung.

Drittens lässt sich der Umbau mit zwei weiteren Projekten kombinieren, der zweiten Etappe der Werkleitungssanierung und dem Bau einer Holzschnitzelheizung für die umliegenden Altstadt-Häuser. Letztere soll im Untergeschoss des L-förmigen Anbaus untergebracht werden. Ein entsprechender Kredit – rund eine Million Franken – wird dem Souverän an der Gemeindeversammlung separat vorgelegt.

Dachgeschoss noch offen

Die gleichzeitige Umsetzung der drei Projekte «schafft grosse Synergien», ist Maier überzeugt, «und die gilt es zu nutzen.» Viertens erhält die Stadt im Dachgeschoss des alten Grundbuchamtes einen «architektonisch wunderschönen Raum», mit neuem Lift behindertengerecht erschlossen, der vielseitig genutzt werden kann. Wie, das ist laut Maier noch nicht spruchreif. Man sei «in Gesprächen».

Ursprünglich war vorgesehen, auch das Zivilstandsamt und die Bibliothek ins alte Grundbuchamt zu zügeln. Das Dachgeschoss für eine der beiden Bereiche zu nutzen (wohl eher für das Zivilstandsamt), bezeichnete Maier «als Option». Man sei aber auch mit einer Drittpartei im Gespräch. Entsprechend wird das Dachgeschoss auch noch nicht ausgebaut; die anfallenden Kosten für einen Mieter-Ausbau sind in den fünf Millionen Franken nicht eingerechnet.

Summa summarum ist für Maier klar: «Bessere Voraussetzungen für den Umbau des alten Grundbuchamtes wird es nicht geben.» Warte man weiter zu, werde es nicht besser, sondern nur teurer. Denn der Zahn der Zeit nagt unerbittlich am Grundbuchamt und den Nebengebäuden, die zum Teil bereits abgestützt werden müssen.

Ob es die Laufenburger, die bei grossen Bauprojekten sehr genau hinzusehen pflegen, auch so sehen, wird sich Ende November zeigen.