«Holz ist ein umweltfreundlicher heimischer Energieträger, der bei einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung anfällt.» Dieser Satz steht auf der Website der Energiepark Sisslerfeld AG, die auf dem Areal der DSM das Holzheizkraftwerk Sisslerfeld baut.

Seit knapp einem Jahr laufen die Arbeiten. Das Projekt sei auf Kurs und «kann wie geplant Ende 2018 seinen Betrieb aufnehmen», wie Philip Wernli, Leiter Kommunikation und Marketing bei der Engie Services AG, sagt. Engie ist zu 60 Prozent an der Energiepark Sisslerfeld AG beteiligt, 40 Prozent entfallen auf das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich EWZ.

Fricktaler kommen nicht zum Zug

Allerdings: Allzu heimisch ist das Holz, das im Holzheizkraftwerk Sisslerfeld verbrannt wird, wohl nicht. Ein Angebot von zehn Forstbetrieben aus dem Fricktal und dem Aaretal, die gemeinsam eine jährliche Lieferung von 52 000 Kubikmetern Holz-Hackschnitzeln offeriert hatten, wurde bei der Vergabe der Aufträge nicht berücksichtigt. 

Stattdessen würden nun 60 bis 80 Prozent des Holzes – das Holzheizkraftwerk braucht jährlich 300'000 bis 400'000 Kubikmeter Holz – aus Deutschland oder Frankreich herangekarrt, sagt der Laufenburger Förster Sebastian Meier, einer der Promotoren der lokalen Offerte. Der Rest des Auftrags sei an zwei «Holzhackunternehmen» gegangen, die keine eigenen Wälder, dafür aber die Infrastruktur zur Schnitzelproduktion und die Logistik besitzen.

Grosse Enttäuschung

«Die Forstbetriebe und Waldbesitzer im Fricktal sind über diesen Entscheid sehr enttäuscht», sagt Sebastian Meier. Nicht zuletzt, weil es für die Forstbetriebe immer schwieriger werde, schwarze Zahlen zu schreiben, wäre der Auftrag sehr willkommen gewesen. Es sei für die regionalen Betriebe aber vor allem unverständlich, dass die am Kraftwerk beteiligten Firmen, «die sehr hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz haben», auf das regionale Angebot verzichtet hätten. «Die durchschnittliche Lieferdistanz der beteiligten Forstbetriebe hätte 18 Kilometer betragen», so Meier. «Näher geht es nicht.»

Irritiert hat die regionalen Forstbetriebe dabei auch, dass das Holzheizkraftwerk als Schweizer Firma die Offerte zunächst in Euro verlangte. Erst nach einer Rücksprache mit den Verantwortlichen habe man in Franken offerieren dürfen und so durch den Wegfall des Währungsrisikos ein günstigeres Angebot abgeben können.

Holz statt Erdgas

Philip Wernli bestätigt auf Anfrage der AZ, dass der Auftrag zu je einem Viertel an Unternehmen aus der Schweiz und Deutschland und zur Hälfte an ein Unternehmen aus Frankreich vergeben wurde. Die Vorgabe für alle Lieferanten sei, dass das gelieferte Holz aus Wäldern in einem Umkreis von 100 Kilometern des Holzheizkraftwerks stammen muss, so Wernli. Mit der Auflage, in Euro zu offerieren, habe man nicht bewusst Lieferanten aus dem Ausland gesucht, sagt der Engie-Sprecher. «Im Gegenteil. Wir sind sehr erfreut darüber, dass auch Anbieter aus der Schweiz berücksichtigt werden konnten.»

«Wir sind der Meinung, dass das Projekt den von uns sehr hoch gesteckten Anforderungen in Bezug auf Ökologie und Nachhaltigkeit sehr gut entspricht», betont der Engie-Sprecher weiter. Denn mit dem Holzheizkraftwerk ersetze man ein Kraftwerk, das heute mit Erdgas, also mit nicht erneuerbarer Energie betrieben werde, die in weit entfernten Ländern gefördert werde. «Insgesamt wird das neue Kraftwerk jährlich 35 000 Tonnen CO2 weniger verursachen», so Wernli.

Preis und Logistik als Knackpunkte

Auf die Frage, weshalb die Forstbetriebe mit der nächstmöglichen Lieferdistanz bei der Vergabe leer ausgegangen sind, antwortet Wernli: «Die Angebote für die Brennstofflieferungen wurden anhand von verschieden Kriterien beurteilt.» Neben dem Preis und verschiedenen Fragen zur Logistik seien ökologische Kriterien stark gewichtet worden.

«Das Angebot der Fricktaler Forstbetriebe schnitt in Bezug auf den Preis und vor allem in Fragen zur gesamten Lieferkette weniger gut ab.» Die Qualität der gesamten Lieferkette, vom Wald über die Verarbeitung und Lagerung bis zur Lieferung, sei aber für den Betrieb des Holzheizkraftwerks sehr wichtig. «Wir müssen sicherstellen, dass unseren Kunden 365 Tage im Jahr die zugesagte Energie zur Verfügung steht.»

Sebastian Meier räumt ein, dass dieOfferte der Fricktaler Forstbetriebe an die Bedingung geknüpft war, dass pro Tag rund 600 Kubikmeter Holzschnitzel geliefert werden können. Dies sei in etwa die Menge, die eine Maschine pro Tag produzieren könne. «Diese Maschine müssen wir anmieten und deshalb optimal auslasten», betont Meier. Die Fricktaler Forstbetriebe hätten bei ihrer offerierten Menge also nur an gut 85 Tagen liefern wollen. «Das Holzheizkraftwerk wünschte aber eine regelmässige Anlieferung übers ganze Jahr», so Meier. «Das wären bei unserer Menge etwa 250 Kubikmeter Schnitzel pro Arbeitstag.»

Hoffen auf eine Hintertüre

Ganz aufgegeben haben die Fricktaler Forstbetriebe noch nicht. Sie sind in Kontakt mit einem der beiden Schweizer Holzhackunternehmen, das bei der Auftragsvergabe berücksichtigt wurde, und hoffen, ihr Holz so doch noch liefern zu können. Eine Möglichkeit, auf die auch Philip Wernli verweist. Da die Unternehmen das Holz regional beschaffen müssten, sei es «durchaus möglich, dass Holz von Fricktaler Wäldern für das Holzheizkraftwerk genutzt wird».