Ähnlich wie beim Kraftwerk Ruppoldingen an der Aare soll das naturnahe Fischaufstiegs- und Laichgewässer mal in Rheinfelden aussehen. Es entsteht im Bereich des alten Kraftwerkkanals auf fast einem Kilometer entlang dem deutschen Rheinufer und kann künftig neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten. Nach der Fertigstellung voraussichtlich Ende Februar ist es vergleichbar mit einem «kleinen Mittelgebirgsfluss», versichert die Energiedienst AG (ED) als Bauherrin.

Wegen dieses Projekts musste das alte Maschinenhaus, 1898 in Betrieb genommen, abgerissen werden, um die so genannten «ökologischen Ausgleichsmassnahmen» entsprechend der Baugenehmigung für das neue Kraftwerk realisieren zu können. Massive Proteste aus der Bevölkerung dagegen fruchteten nicht. Das alte Kraftwerk steht nicht mehr, Zukunft ist angesagt. Im Sinne von «Umweltverträglichkeit», so ED, sind Investitionen garantiert. Allein die Kosten für das Fischaufstiegs- und Laichgewässer werden vom Unternehmen, inklusive Planung, mit rund 5 Millionen Euro angegeben.

Typischer Schwarzwaldfluss

«Kernelement der ökologischen Aufwertungsmassnahmen ist das naturnahe, lachsgängige Aufstiegs- und Laichgewässer, zu dem der bisherige Kanal umgebaut wurde», so Helmut Reif, Projektleiter Kraftwerkneubau bei der ED.

«In seiner Gestaltung ähnelt das Projekt einem typischen Schwarzwaldfluss. Als strukturreiches Habitat mit Stromschnellen, tiefen Rinnen und Kiesinseln bietet es auf einer Länge von rund 900 Metern vielen Tieren idealen Lebensraum. Daneben bleibt das Gwild, die natürliche Kalksteinformation unterhalb des Stauwehrs, zu mehr als 50 Prozent erhalten. Es wird künftig bei geschlossenem Stauwehr sogar über eine Dotierturbine bewässert», so der Experte. Aus Sicht der Kraftwerkbetreiber scheint also alles erledigt, was die einst erteilte Baugenehmigung für das Grossprojekt zur Nutzung der regenerativen Energie aus Wasserkraft an diesem Hochrheinabschnitt anbelangt.

Der Kampf zwischen ED sowie Natur- und Umweltschützern zog sich allerdings jahrelang hin, doch letztlich entwickelte sich doch noch Konsens. Das alte Kraftwerk ist verschwunden; dadurch entstand genügend Raum, um Neues im Sinne von Ökologie zu schaffen.

200000 Kubikmeter Felsen und Steine

Nach der Weihnachts- und Neujahrspause beginnen nächste Woche wieder die Bauarbeiten. Spaziergänger am badischen Rheinufer können sich davon überzeugen, dass die Modellierungsarbeiten weit fortgeschritten sind, denn im künftigen «kleinen Flusslauf» stehen bereits Kies-, Gesteins- und Felsformationen, die einer positiven Entwicklung des Fischlebens, aber auch allgemein von Fauna und Flora an diesem Rheinsektor dienlich sein können. Total müssen rund 200000 Kubikmeter Felsen und Steine im Zuge der «Modellierung» verarbeitet werden. Das Material stammt aus dem Baustellenbereich fürs Kraftwerk, musste also nicht neu herangekarrt werden. Ein positives Signal also nach massiven Eingriffen in die Rheinlandschaft als Folge des Kraftwerkneubaus in den vergangenen acht Jahren. Seitens ED zeigen sich die Fachleute optimistisch, «etwas Optimales» zu realisieren.

Davon ist auch der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi überzeugt. In seiner Neujahrsansprache am Dreikönigsabend im Bahnhofsaal lobte er das Umweltengagement im Zuge des Kraftwerkbaus: «Schon im Februar will Energiedienst das neue Umgehungsgewässer in Betrieb nehmen.» Bis dahin sind allerdings noch umfangreiche Erdarbeiten notwendig. Zudem muss sichergestellt sein, dass der künftige Einlauf ins neue «Fliessgewässer» aus dem gestauten Oberwasserbereich des neuen Kraftwerks funktioniert. Gleiches gilt für die «Abströmungen» weiter unten. Ingenieure wie Arbeitstrupps bleiben gefordert. Auch in Reihen von Umwelt- und Fischereiexperten steigt allmählich die Spannung, ob und wie das teuere Projekt demnächst funktioniert.

Das neue Biotop gehört dann auch zum grenzüberschreitenden Rheinufer-Wanderweg, an dem auf badischer Seite noch ein Ausstellungspavillon realisiert wird. Unter anderem mit einer Turbinen-Generatoren-Installation von 1898 aus der Gründerzeit der grenzüberschreitenden Stromproduktion mit Schweizer Beteiligung.