Schupfart
Neuer Pachtvertrag für Flugplatz mit Lärmfonds im Anflug

Die Ortsbürger von Schupfart entscheiden am 27. November zum zweiten Mal über den Flugplatz-Pachtvertrag für die nächsten 25 Jahre.

Thomas Wehrli
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Startklar: Der neue Pachtvertrag sieht einen Pachtzins von 28500 Franken, eine Bewegungsgebühr sowie eine pauschale Zahlung in den Lärmfonds vor. (Archiv)

Startklar: Der neue Pachtvertrag sieht einen Pachtzins von 28500 Franken, eine Bewegungsgebühr sowie eine pauschale Zahlung in den Lärmfonds vor. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Der Weg zum neuen Pachtvertrag zwischen der Ortsbürgergemeinde Schupfart und dem Aero-Club gleicht einem Kunstflug mit mehreren Loopings. Einen ersten flogen Gemeinderat und Aero-Club bei den Betriebszeiten: Die Mittagspause sollte verkürzt, die Flugzeiten an den Sonntagen ausgedehnt werden. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt intervenierte im Juni – und es blieb im Vertragsentwurf bei den Flugzeiten, wie sie seit 1994 gelten.

Für einen zweiten Looping war Raphael Erni, Präsident der Finanzkommission (Fiko), Ende Juni besorgt, als die Ortsbürger an ihrer Gemeindeversammlung über ebendiesen neuen Pachtvertrag befanden. Auf seine Intervention hin wiesen die Ortsbürger den Vertrag an den Absender zurück. Die Forderung: Der Gemeinderat soll einen besseren, sprich: (finanziell) attraktiveren Vertrag aushandeln. Seither brütete die Arbeitsgruppe erneut über dem komplexen Vertragswerk. Dem Gremium gehört neu auch Raphael Erni an.

Gestört wurde die Arbeit von einem dritten, grossräumig geflogenen Looping: Eine «Interessensgemeinschaft» um Willi Luder aus Wittnau forderte in Inseraten die Schliessung des Flugplatzes und bot der Gemeinde dafür sogar 500 000 Franken an. Die Gemeinde lehnte dankend ab.

Neuer Vertragsentwurf liegt vor

Seit dem Wochenende liegt er nun vor, der neue zwölfseitige Pachtvertrag, über den die Ortsbürger am 27. November befinden. Die wichtigsten Parameter:

Der jährliche Pachtzins wird auf 28 500 Franken festgelegt. Das sind 12 500 mehr als im Vertrag vom Juni und etwa so viel, wie der Aero-Club aktuell zahlt.

Der Pachtvertrag gilt ab 2015 für 25 Jahre und verlängert sich jeweils stillschweigend um 5 Jahre, wenn er nicht zwei Jahre im Voraus gekündigt wird.

Die lärmabhängige Gebühr wird nicht, wie noch im Juni vorgesehen, «progressiv nach Lärmklasse und Gewicht» berechnet (die Fiko glaubte nicht recht an deren Wirkung), sondern als jährliche Pauschale von 4000 Franken erhoben und in einen Lärmfonds einbezahlt. Aus diesem Fonds kann der Aero-Club Gelder für Lärm mindernde Massnahmen einsetzen. Über die Entnahme entscheidet der Gemeinderat. Der Lärmfonds wird auf 20 000 Franken plafoniert; was darüber liegt, kann die Einwohnergemeinde abbuchen, erstmals Ende 2020.

Die Bewegungsgebühr für Motorflugzeuge ist dafür deutlich tiefer als im Vertrag, wie er im Juni vorlag. Für die ersten 15 000 Flüge beläuft sie sich neu auf 0,57 Franken pro Bewegung. Das ist knapp 1 Franken weniger als im Entwurf vom Juni und 2 Rappen mehr als die Gebühr aktuell beträgt. Die Flugbewegungen 15 001 bis 20 000 kosten 1 Franken; ab 20 000 sind es 2,14 und ab 25 000 3,30 Franken. Obergrenze sind 30 000 Flüge pro Jahr.

An den Flugzeiten wird nicht gerüttelt. Betriebsbeginn ist von Montag bis Samstag wie heute um 8 Uhr, am Sonntag um 10.30 Uhr. Betriebsende ist um 20 Uhr. Die Mittagspause dauert von Montag bis Freitag von 12 bis 13.30 Uhr, am Wochenende bis 14 Uhr. Untersagt ist ein Motorflugbetrieb an Karfreitag, Allerheiligen, Weihnachten sowie am Buss- und Bettag.

Die Startbahn darf auch künftig nicht befestigt werden, sondern muss «als reine, natürliche Graspiste genutzt werden».

Regelmässig für Ärger und Unmut bei der Bevölkerung sorgen die Akrobatikflüge. Sie bleiben, wie bisher, auf maximal zehn Werktage pro Jahr beschränkt und müssen «rechtzeitig öffentlich publiziert» werden. Neu sind sie nur noch bis 19 Uhr geduldet und neu dürfen sie höchstens an zwei Tagen am Stück geflogen werden, anschliessend muss ein Tag Pause eingelegt werden. Nicht unter die Definition Akrobatikflüge fallen «einzelne Kunstflugfiguren, zum Beispiel beim Wegflug oder bei der Rückkehr».

Summa summarum rechnet der Gemeinderat künftig bei 15 000 Flugbewegungen mit Einnahmen von 37 050 Franken pro Jahr. Hinzu kommt die jährliche Einlage von 4000 Franken in den Lärmfonds. Die Einnahmen (ohne Lärmgebühren) sind damit etwa gleich hoch wie heute, aber rund 2000 Franken tiefer als mit dem Vertrag vom Juni. Bei 30 000 Flügen betragen die Einnahmen – ohne Lärmfonds – nach dem neuen Kontrakt 69 250 Franken, mit dem heutigen Vertrag sind es 58 571 Franken.

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