Die neue Amtsperiode ist morgen Mittwoch genau 100 Tage alt. Für 34 der 162 Gemeinderäte ist es die erste vierjährige Legislatur in der Exekutive ihrer Gemeinde. Die Newbie-Quote liegt damit bei 21 Prozent. Noch etwas höher, bei 25 Prozent, liegt die Zahl der neuen Gemeindeammänner; 8 der 32 Gemeindevorsteher übernahmen das Zepter Anfang Jahr frisch. Die AZ zieht mit ihnen eine erste Bilanz. «Den Entscheid bereute ich noch keine Sekunde», sagt Bruno Tüscher, Gemeindeammann von Münchwilen. Er ist nach Barbara Fricker (Wölflinswil), Daniel Hollinger (Zuzgen), Arpad Major (Kaisten) und Gisela Taufer (Zeiningen) der fünfte Ammann, der Bilanz zieht.

Herr Tüscher, welche Bilanz ziehen Sie nach 100 Tagen?

Bruno Tüscher: Eine sehr positive. Der neu gewählte Gemeinderat hat sich gut gefunden. Die Zusammenarbeit funktioniert schon sehr gut.

Sie haben also noch nicht genug und bereuen Ihren Entscheid, kandidiert zu haben?

Den Entscheid bereute ich noch keine Sekunde. Die Kontakte mit der Bevölkerung wie auch die Zusammenarbeit mit dem Personal sind bereichernd und interessant. Ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Jahre im Amt.

Der Gemeinderat muss als Kollegium zusammenwachsen, um optimal zu agieren. Wie weit ist dieser Prozess?

Wir hatten im Februar eine Klausur mit dem Thema Teambildung. Wir haben dort ein Leitbild erarbeitet, nach welchem wir die nächste Legislaturperiode leben möchten. In der Zwischenzeit sind wir zu einem guten Team zusammengewachsen.

Wie führen Sie?

Der Führungsstil ändert sich situativ. Was mir aber wichtig ist, ist eine klare Linie zu haben und alle gleich zu behandeln. Ein Laissez-faire-Stil ist jedoch mit Sicherheit nicht dabei.

Was hat Sie in den ersten 100 Tagen im Amt am meisten überrascht?

Die Fülle an Terminen, bei welchen ich fremd gesteuert bin.

Was war der grosse Aufsteller in den ersten drei Monaten?

Eindeutig der Neujahrsapéro. Ich hatte nicht mit vielen Bürgern gerechnet, doch es waren richtig viele da.

Was haben Sie so nicht erwartet?

Viele Termine habe ich erwartet, dass man jedoch bei so vielen fremd gesteuert ist, überraschte mich doch schon mehrfach.

Wie wurden Sie im Dorf als neuerGemeindeammann aufgenommen?

Bis jetzt habe ich noch keine negativen Stimmen vernommen. Ich fühle mich akzeptiert.

Viele langjährige Gemeindeammänner sagen, der Respekt vor Amtspersonen lasse zu wünschen übrig. Haben Sie diese Erfahrung auch bereits gemacht?

Bis jetzt habe ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich denke, dass wenn man die Bürger mit Respekt behandelt, man auch den notwendigen Respekt erwarten kann. Getreu dem Satz: «Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück.»

Gab es schon negative Erlebnisse?

Nein.

Sie werden auch mit schwierigen und aufbrausenden Mitbürgern umzugehen haben. Was ist Ihr (Geheim-)Rezept?

Indem ich mir Zeit und das Gegenüber ernst nehme, kann ich eine solide Basis aufbauen. Auf dieser können Lösungen und Kompromisse erarbeitet werden.

Mit dem Innenblick der ersten 100 Tage: Wie ist Ihre Gemeinde aufgestellt?

Dank der Verwaltungsanalyse aus dem 2017 sind wir mit der Erhöhung der Pensen ab dem 1. Mai personell sehr gut aufgestellt. In Bezug auf die Finanzen habe ich einige Fragezeichen, welche es in dieser Legislaturperiode anzugehen gilt.

Wo orten Sie den grössten Handlungsbedarf?

Die Gemeinde Münchwilen hat in den letzten Jahren ordentlich in die Infrastruktur investiert – Reservoir, Schulhaus, diverse Strassen. Dies brachte allerdings Kosten mit sich, welche sich auf eine Verschuldung niederschlagen. Diese Verschuldung muss im Auge behalten werden.

Was sagen Sie einem potenziellen Zuzüger, der Sie fragt: Was hebt Ihre Gemeinde von anderen ab, weshalb soll ich in Ihre Gemeinde ziehen?

Münchwilen bietet eine gute Verkehrsanbindung, liegt ruhig gelegen mitten im Fricktal. Wir bieten unseren Bürgern eine gute und intakte Infrastruktur an. Mit der Einführung von Tagesstrukturen in der nahen Zukunft, werden wir auch die Bedürfnisse von Familien abdecken, in denen beide Elternteile arbeitstätig sind. Wir leben getreu dem Motto «Klein und fein in Münchwilen daheim».