Statistik
Neue Wohnungen werden immer beliebter, alte stehen länger leer

Neubauten liegen bei Wohnungssuchenden im Fricktal im Trend. Das zeigt die Anfang Woche veröffentlichte Leerwohnungsstatistik des Kantons Aargau.

Nadine Böni
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Neu und modern soll die Wohnung sein – das wünschen sich viele Fricktaler, wenn sie eine Bleibe suchen. (Symbolbild)

Neu und modern soll die Wohnung sein – das wünschen sich viele Fricktaler, wenn sie eine Bleibe suchen. (Symbolbild)

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Lediglich 97 Wohnungen, die neuer als zwei Jahre sind, standen demnach am Stichtag am 1. Juni leer. Das sind 12,6 Prozent der gesamthaft leerstehenden Wohnungen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 118 leerstehende neue Wohnungen (17,4 Prozent), 2013 gar 146 (24,9 Prozent).

Am extremsten ist die Situation in der Stadt Rheinfelden. Nur gerade zehn der 185 leerstehenden Wohnungen (5,4 Prozent) sind neu. Die Grossüberbauung Salmenpark mit ihren rund 150 Wohnungen, die im vergangenen Jahr schrittweise bezugsbereit wurden, ist damit absorbiert.

Die Kunden haben Auswahl

Noch deutlicher wird die Entwicklung im Fricktal, lässt man Herznach weg. Allein 19 der 97 leeren Neuwohnungen – also knapp ein Fünftel – wurden dieses Jahr dort verzeichnet. Das unter anderem in einer erst kurz vor der Erhebung fertiggestellten Grossüberbauung.

Im «Wohnpark Walchmatt» entstanden in vier Mehrfamilienhäusern insgesamt 36 Wohnungen. Sie wurden im Frühjahr bezugsbereit und waren bei der Zählung noch nicht alle bewohnt. Mittlerweile aber sind auf Immobilienportalen nur noch drei der Wohnungen ausgeschrieben.

Klar hängt die Anzahl leerstehender Neuwohnungen von der Bautätigkeit ab. Und ein einzelnes Projekt kann die Statistik stark beeinflussen – Herznach zeigt das exemplarisch. Der Trend aber ist trotzdem offensichtlich: Neue Wohnungen werden immer beliebter.

Das bestätigen auch mehrere im Fricktal tätige Immobilienmakler und -verwalter. «Gerade die jüngere Generation, die auf der Suche nach Mietobjekten ist, bevorzugt einen modernen Baustil», sagt etwa Rolf Hüsser von der «Remax»-Agentur Unteres Fricktal. Und auch Carlo Rinaudo, Mitinhaber von «Era Immobilien» stellt fest: «Wer die Wahl zwischen einer älteren Wohnung und einem auch preislich vergleichbaren Neubau hat, entscheidet sich für den Neubau.»

Die Eigentümer sind gefordert

Neben dem wichtigen – und kaum bis gar nicht veränderbaren – Argument Lage, sind es die Bauart und die Qualität, die für den Kunden stimmen müssen. «Die Kunden haben heute Auswahl und können sich so ihre Wünsche erfüllen», sagt Rinaudo.

Und zu diesen Wünschen gehören offenbar immer weniger die älteren Wohnungen. «Der Zuwachs betrifft vor allem Wohnungen, die älter als zwei Jahre sind», heisst es im Bericht des Kantons zur Statistik. 674 solcher Wohnungen standen am 1. Juni im Fricktal leer. Noch 2015 waren es mit 510 deutlich weniger.

Das stellt vor allem für die Eigentümer älterer und alter Liegenschaften eine Herausforderung dar. «Sie sind gefordert, für einen zeitgemässen Ausbau der Wohnungen zu sorgen», sagt Rolf Hüsser von «Remax». Weil auch der Preis eine wichtige Rolle spiele, gelte es ausserdem, die Mieten entsprechend anzusetzen. «Stimmt das Gesamtpaket von Preis und Leistung nicht, weicht der Kunde aus», sagt Hüsser. «Der Wohnung könnte dann angesichts der Situation ein längerer Leerstand drohen», ergänzt Carlo Rinaudo.