Die Fricker Saurier werden zu Exportschlagern: Nach Ben, der seit 2017 im Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel für Furore sorgt, hat nun auch das Naturhistorische Museum in Wien einen Fricker Dino.

Vor kurzem lieferten Ben Pabst und sein Team Knochen eines rund sechs Meter langen Skeletts eines Plateosauriers als Dauerleihgabe nach Österreich. Da das Skelett nur zu 80 Prozent komplett ist, ging ein zweites Skelett, sozusagen als Ersatzteillager, mit auf die Reise. Was bei beiden Skeletten fehlt, ist der Schädel; diesen bekommt das Museum als Abguss aus München.

In Wien zu sehen ist der Saurier allerdings erst in rund einem Jahr. Er muss zuerst noch präpariert werden. Denn die rund 210 Millionen Jahre alten Knochen wurden von Ben Papst, wie das üblich ist, oberflächlich freigelegt, dokumentiert, im Sediment geborgen und dann stückweise in Gipsmanschetten gepackt.

«Das heisst, wir haben eine grosse Menge an Gipspaketen, und die sind ein bisschen wie Überraschungseier, weil wir nicht wissen, was drinnen ist», sagte Mathias Harzhauser, Chefpaläontologe des Museums, beim Erhalt der wertvollen Lieferung aus Frick.

Er freut sich wie Museumsdirektor Christian Köberl riesig über den Bausatz aus dem Aargau. «Der einzige Haken daran ist: Wir müssen ihn selbst präparieren.» Eine Sisyphus-Arbeit, die Harzhauser und ein Team von fünf Paläontologen in den nächsten Monaten fordern wird.

«Neue Top-Attraktion»

Die Vorfreude auf den neuen Star der Ausstellung teilen die österreichischen Medien; Zeitungen, Radiostationen und der Staatssender ORF berichteten gross über das Eintreffen der Kisten aus Frick. Von einem «spektakulären Neuzugang» etwa schrieb «Der Standard», eine der führenden Tageszeitungen im Land, und ORF 2 sprach von einer «neuen Top-Attraktion».

Das hört und liest man in Frick natürlich gerne. «Wir haben riesige Freude, dass auch namhafte Museen im Ausland so grosses Interesse an den Fricker Saurier-Funden haben», sagt Andrea Oettl, Leiterin des Fricker Sauriermuseums.

Die Ausstellung in Museen mit jährlich mehreren hunderttausend Besuchern ermögliche es, die Funde «sehr vielen Saurier-Fans und interessierten Personen zugänglich zu machen». Das Museum in Wien zählt jährlich rund 700 000 Besucher, das Museum in Brüssel rund 300 000.

Das Interesse für die Fricker Saurierfunde sei «immens», freut sich Oettl, «und es ist in den letzten Jahren noch gestiegen». So schreibt die «Wiener Zeitung» in ihrem Bericht über den neuen Wiener Dino, Frick sei «die bedeutendste Fundstelle von frühen Dinosauriern aus der Trias-Zeit in Europa».

Die europaweite Publizität sei «sehr willkommen», sagt Oettl – auch mit Blick auf das neue Sauriermuseum, das in Frick angedacht ist. Eine siebenköpfige Arbeitsgruppe ist derzeit daran, Konzept, Standort und Finanzierung zu klären. Wunschstandort ist das Areal rund um die Tongrube, wo auch die Ausgrabungen stattfinden. So wäre eine Art Erlebnismuseum möglich.

Ben ist ein Publikumsmagnet

Bislang wurden in der Tongrube rund 80 Plateosaurier ausgegraben, darunter mit «XL» und Fabian ein überaus grosser respektive ein wirklich kleiner Plateosaurier. «Es werden noch Hunderte weitere Saurier – nicht nur Plateosaurier – in und um die Tongrube vermutet», sagt Gemeinderätin und Saurier-Ministerin Susanne Gmünder Bamert. «Frick ist mit Sicherheit eine der dichtesten in dieser Grösse bekannten Fundstellen weltweit.»

In einem Jahr, wenn das Museum in Wien den «ersten neuen Dinosaurier seit 30 Jahren», wie die landesweit verteilte Gratiszeitung «Österreich» titelte, präsentieren wird, wird auch eine Delegation aus Frick dabei sein – und sich an die unvergesslichen Momente zurückerinnern, als Ben in Brüssel enthüllt wurde.

Ben gehe es gut, weiss Gmünder. Er sei in Brüssel «eine Sensation» und «hat in Belgien Kult- und auch Prominentenstatus». Sie lacht. «Ob er Heimweh nach Frick hat, ist schwierig zu beurteilen», beantwortet die Saurier-Ministerin die Frage nach Bens Wert auf der Heimweh-Skala.

Aber auch Schweizer Museen reissen sich um Fricker Saurierknochen. Derzeit wird ein weiterer Plateosaurier aus Frick vom Zoologischen Museum in Zürich präpariert. «Dieser Saurier weist eine auffällige und spezielle Knochendeformation auf», erklärt Gmünder.

Er werde innert Jahresfrist «prominent als Blickfang im Eingangsbereich des zoologischen Museums zu sehen sein». Wie Oettl ist auch Gmünder überzeugt: «Es ist ausserordentlich wichtig, dass unsere Saurierfunde präpariert werden und dadurch für die Wissenschaft und die Bevölkerung zugänglich werden.»