Rheinfelden
Neue Stadtführung macht die einstigen Scharfrichter zum Thema

Die Vielfalt der thematischen Stadtführungen durch Rheinfelden ist um ein Sujet reicher: «Zum Henker» heisst die neue Tour, die dem Treiben der einstigen Scharfrichter nachgeht.

Hans Christoph Wagner
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In dieser Montur führt Robert Conrad durch Rheinfeldens Gassen und erzählt vom Leben des Strafrichters Mengis.

In dieser Montur führt Robert Conrad durch Rheinfeldens Gassen und erzählt vom Leben des Strafrichters Mengis.

Hans Christof Wagner

Schwarzer langer Kapuzenmantel, das Gesicht verhüllt, das Schwert baumelt am Gürtel – in dieser Montur führt Robert Conrad künftig Menschen herum, die an der leicht makabren Tour durch Rheinfeldens Altstadt Gefallen finden. Erstmals wird das am 18. April der Fall sein.

Conrad, der auch als Pestarzt und als Nachtwächter unterwegs ist, hat die neue Führung im Sommer 2014 ausgearbeitet. Dabei steht die Rheinfelder Familie Mengis im Vordergrund, die nachweislich seit 1582 in der Stadt lebte und über viele Generationen die Scharfrichter stellte.

«Scharfrichter führten ein ganz spezielles Leben», sagte Conrad bei der Vorstellung der neuen Führung am Dienstagabend im Innenhof des Rathauses. «In der Kirche hatten sie stets ihren eigenen Platz. In die Beiz durften sie entweder gar nicht rein oder mussten sich alleine an einen Tisch setzen», so Conrad. Und der Nachwuchs hatte es auch nicht leicht. Töchter von Scharfrichtern konnten eigentlich nur Söhne anderer Scharfrichter heiraten. Niemand sonst, so Conrad, habe sich mit ihnen einlassen wollen. Und viel zu Hause waren die Väter wohl auch nicht. Denn zur Ausübung ihres Metiers mussten sie die gesamte Schweiz bereisen. In Rheinfelden war die Kriminalität dann doch nicht so hoch, um sie ausreichend zu beschäftigen.

Folter war an der Tagesordnung

Conrad erzählt in seiner Führung, die für Kinder unter 10 Jahren nicht geeignet ist, von den drakonischen Strafen und dem üblen Leumund der damaligen Justiz. Folter war an der Tagesordnung und diese war so brutal, dass nahezu jeder gestand, nur um sie abzukürzen. «Und die Leute wurden nur hingerichtet, wenn sie ein Geständnis abgelegt hatten», so Conrad. Dabei ging den Mengis immer mehr die Arbeit aus. Conrad hat recherchiert, dass im Fricktal die letzte Hinrichtung 1849 in Laufenburg stattfand und im Aargau 1863 Schluss mit der Todesstrafe war. In der Gesamtschweiz gab es 1940 noch einmal einen Fall – die Exekution von Hans Vollenweider, einem dreifachen Mörder. Ausgeführt, weiss Conrad, hat sie jedoch kein Mengis.

Der Stadtführer hat auch herausgefunden, dass das Mengis-Geschlecht 1958 ausstarb. Theodor Mengis junior starb kinderlos und verarmt im Kanton Zürich. Grossen Raum in der Führung nimmt indes Theodor Mengis senior ein, der bis 1918 lebte und in seiner fast 40-jährigen Berufszeit sämtliche zivilen Todesurteile in der Schweiz vollstreckte. Im Foyer des Ratssaals hängt sein Porträt, in Öl gemalt, an der Wand. Es zeigt ihn in Basler Uniform und auf sein Richtschwert gestützt. Dabei, das erfahren die Führungsteilnehmer auch, hat er dieses nie benutzt. Denn nach der Französischen Revolution fanden Enthauptungen ausnahmslos mit der Guillotine statt.

Zum Henker, 18. April, 19 Uhr, Treffpunkt im Innenhof des Rathauses, 10 Franken, Dauer der Führung: rund 1,5 Stunden.