Der alte Eisensteg vom ehemaligen Kraftwerk ist zwar verschwunden, doch die im Mai 2007 gegründete IG Pro Steg existiert weiterhin und hat sich keinesfalls ins Schneckenhaus zurückgezogen. Vielmehr widmet sie sich neuen Ideen, um die «Stromlandschaft Rhein» zu erklären und zu bereichern.

Neues, erst vor drei Wochen in kleinem Kreis kreiertes Ziel: Eine Aussichtsplattform bei der Rheinlust am Ende der Roberstenstrasse, wo einst der Brückenkopf des alten Kraftwerkstegs war. «Zweifellos eine Vision, doch sind Planungsgespräche mit dem Stadtbauamt im Gange», bestätigt Kurt Beretta von der IG.

An Strompioniere erinnern

Am Sonntag gab es einen Infostand beim Depot der Wasserfahrer anlässlich des grenzüberschreitenden Aktionstages «Rheinuferrundweg». Mit dabei der Historiker Wolfgang Bocks aus dem badischen Rheinfelden, der gemeinsam mit Beretta intensive Grundlagenforschung zur Geschichte der Stromversorgung in der Region betreibt.

Unisono versichern sie: «Der massgebliche Schweizer Beitrag zur modernen Elektrizitätsversorgung von welthistorischer Bedeutung schlummert aktuell noch vor sich hin und muss ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt werden.» Damit will man speziell an die Schweizer Strompioniere Agostino Nizzola und Charles Brown erinnern.

Deshalb also die angedachte Plattform bei der Rheinlust. Und darüber informierten die Experten in zahlreichen Gesprächen die Spaziergänger, die den Rheinuferweg entlang bummelten. «Hochfliegende Pläne», gestanden Beretta und Bocks aber mit dem Hinweis, «die Strom-Pioniere der heute in Europa gängigen Verbundnetztechnik wirkten von Rheinfelden aus.»

Sie erläutern Interessierten anhand von Schaubildern und Skizzen beispielsweise die einst realisierten Verbindungen zum Kraftwerk Beznau und zum Löntschwerk im Glarus, aber auch Ziele der Kraftwerkbetreiber, Basel mit Strom zu versorgen. Vor allem aber auch die Spannungen zu vereinheitlichen, damit sich die Kraftwerke bei möglichen Ausfällen einzelner gegenseitig helfen und Spitzenlasten besser abgefedert werden können.

Vor diesem historischen Hintergrund sieht die IG Pro Steg ihre Initiative als Beitrag zur Bereicherung des Rheinufer-Rundwegs, der gesamthaft ein Projekt zwischen Augst-Wyhlen und Stein-Säckingen darstellt und mit diversen staatlichen Förderungen aus Baden-Württemberg und der Schweiz rechnet, um die Infrastruktur wie Wegsanierungen, Aussichtspunkte oder neue Schiffanlegestellen zu realisieren.

An einer Podiumsdiskussion im Stadtmuseum Haus Salmegg sind sich politische Vertreter der Anrainergemeinden einig, den Rheinufer-Rundweg als «Leuchtturmprojekt» anzusehen, um den Fluss als «verbindendes Element» darzustellen, um die grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten bezüglich Geschichte, Kultur, Freizeit und Tourismus hervorzuheben.

Für Rheinfeldens Stadtammann Franco Mazzi ist es wichtig, «mehr Qualität in den Raum» zu bringen. Gemeindeammann Fredy Böni von Möhlin verweist auf «unser grösstes Naturschutzreservat am Rhein» in der Region. Christine Neff, Geschäftsleiterin vom Jura-Park Aargau, hält die Zusammenarbeit und damit den Erfahrungsaustausch von Gemeinden entlang des Rheins für «gewinnbringend und motivierend».

Der Oberbürgermeister von badisch Rheinfelden, Klaus Eberhardt, resümiert, dass mit dem Rheinufer-Projekt ökologische Massnahmen, Landschaftsschutz und touristische Aspekte gefördert werden: «Das stärkt Lebensqualität, regionale Identität und Partnerschaft.»