Eiken
Neue Gedenkstätte auf dem Friedhof: Ein Stern für jedes Sternenkind

Die Gemeinde hat auf dem Friedhof eine Gedenkstätte für früh verlorene Kinder errichtet.

Thomas Wehrli
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Kaplan Stefan Wolo Itu und Gemeinderätin Renate Bitter bei der Gedenkstätte. twe

Kaplan Stefan Wolo Itu und Gemeinderätin Renate Bitter bei der Gedenkstätte. twe

Thomas Wehrli

Das Grab. Es ist Ort der Trauer. Der Leere. Der Hoffnung. Es ist Stätte der Verbundenheit. Der Fragen. Der Angst, ja: auch der Wut. Vor allem ist es jener Ort, an dem die Hinterbliebenen mit den Verstorbenen in den Dialog treten können, wo das Gestern auf das Heute trifft und, im besten Fall, die Kraft für das Morgen gibt.

Einen solchen Ort des Verweilens, einen solchen Platz des Beisammenseins gibt es für Eltern, die ihr Kind verlieren, lange bevor dieses auf der Welt sein dürfte, bislang im Fricktal kaum. Das ändert sich nun: In einer Woche weiht Eiken die neu geschaffene Gedenkstätte für früh verlorene Kinder auf dem Friedhof ein. Sie ist im Besonderen für Kinder gedacht, die als Frühgeburten vor dem sechsten Schwangerschaftsmonat verstorben sind.

«Das Bedürfnis nach einer solchen Stätte ist vorhanden», weiss Gemeinderätin Renate Bitter-Wermelinger, die auch die Friedhofskommission präsidiert. Sie ist froh, dass das Tabu, das dieses Thema lange war, aufgebrochen ist – oder zumindest am Aufbrechen ist – und dass man die Gefühle der Eltern, die nicht Eltern werden durften, heute ernst nimmt.

Während man früher das totgeborene Kind der Mutter möglichst schnell wegnahm, gibt man ihr und ihrer Familie heute die Zeit, die sie braucht, sich vom Kind zu verabschieden, loszulassen und um es zu trauern. Gedenkstätten, wie diese in Eiken, sind ein Momentum dieses gesellschaftlichen (Bewusstsein-)Wandels.

Mit der Gedenkstätte wolle man «Raum für Trauer» schaffen, formuliert es Renate Bitter. «Es ist schön, dass wir diesen Ort realisieren konnten», sagt sie. Die rund 10 000 Franken, welche die Gedenkstätte kostet, seien gut investiertes Geld. Ihre Hoffnung ist es, dass die Gedenkstätte mithilft, ein neues Bewusstsein zu schaffen, dass sie zum Ort der Begegnung wird, des Gesprächs auch. «Ich hoffe, der Ort trägt dazu bei, dass Eltern leichter über ihre Trauer sprechen können», sagt Bitter.

Über die Gestaltung habe man lange nachgedacht, erzählt die Gemeinderätin. Verschiedene Motive für den hellen Marmorstein wurden diskutiert, ein Engel etwa, eine Taube, ein Schmetterling. Am Schluss entschied sich die Kommission für das Sternensujet. Weil Kinder, die nicht leben dürfen, als Sternenkinder bezeichnet werden und weil es Ausdruck der Hoffnung sein soll, dass es den Kindern in den Sternen gut geht. «Wir wollten eine Gedenkstätte, die nicht zu auffällig ist, die zu Kindern passt und nicht zu düster wirkt», erzählt Bitter. Das ist gelungen, das findet auch Kaplan Stefan Wolo Itu, der Seelsorger von Eiken.

Eltern aus dem Dorf und den umliegenden Ortschaften – die Gedenkstätte steht auch Eltern aus anderen Dörfern offen – können hier ihre Sternenkinder beisetzen lassen und ihm, wünschen Sie dies, einen eigenen, beschrifteten Stern schenken, der dann an der Mauer hinter der Gedenkstätte befestigt wird. Die Mauer wird so zum Himmel, an dem jedes Kind seinen eigenen Stern hat.

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