Fricktal
Neue Dekanatsleitung ruft zur sinnvollen Zusammenarbeit auf

Martin Linzmeier und Alexander Pasalidi sind seit wenigen Wochen im Amt beim Fricktaler Dekanat. Die Zukunft der Pfarreien sehen sie im solidarischen Miteinander.

Marc Fischer
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Martin Linzmeier (l.) und Alexander Pasalidi vor der römisch-katholischen Kirche in Gipf-Oberfrick.

Martin Linzmeier (l.) und Alexander Pasalidi vor der römisch-katholischen Kirche in Gipf-Oberfrick.

Marc Fischer
Dekantsleitung Frick

Dekantsleitung Frick

Marc Fischer

Martin Linzmeier und Alexander Pasalidi stellen das Miteinander ins Zentrum. In mehrfacher Hinsicht, wie man im Gespräch mit den beiden Theologen feststellt, die seit wenigen Wochen das Dekanat Fricktal leiten. «Es ist ein Gewinn, sich mit einem Gegenüber austauschen, Verantwortung gemeinsam tragen und Aufgaben teilen zu können», sind sich die beiden einig.

Und so leiten sie nun das Dekanat Fricktal, das eines der grösseren im Bistum Basel ist, gemeinsam. Sie stehen damit auf einer Zwischenebene zwischen den römisch-katholischen Pfarreien und dem Bistum. In dieser «Organisationseinheit Dekanat» übernehmen die beiden Theologen die gleichen Aufgaben, wie Alexander Pasalidi ausführt.

Weniger priesterfixiert

Unterschiedlich sind dagegen ihre Funktionsbezeichnungen. Pasalidi ist Co-Dekan, Linzmeier Co-Dekanatsleiter. Woher rührt dieser Unterschied? Die beiden haben das gleiche Studium absolviert. Aber Alexander Pasalidi ist geweihter Priester, darf sämtliche Sakramente spenden und leitet als Pfarrer die Pfarreien Wegenstetten-Hellikon und Zuzgen. Martin Linzmeier hat die Priesterweihe nicht empfangen und amtet als Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick.

26 Pfarreien ...

... umfasst das Dekanat Fricktal. Nur gerade zwei dieser Pfarreien werden derzeit von Priestern geleitet. Den übrigen Pfarreien stehen – teilweise interimistisch – Gemeindeleiter oder Gemeindeleiterinnen vor oder es herrschen gar Vakanzen.

Dieser Unterschied wird nun auch bei der Bezeichnung auf Dekanatsebene weitergeführt. Pasalidi ist froh, dass die römisch-katholische Kirche zumindest in der Schweiz nicht mehr so priester- und männerfixiert ist, wie früher. «Gott sei Dank ist es bei uns selbstverständlich, dass auch Frauen und nicht-geweihte Männer in der Kirche arbeiten können. Und ich bin glücklich darüber, dass unsere Bischöfe hinter diesem Modell stehen.» Allerdings nehme die Schweiz damit in der Weltkirche eine Vorreiterrolle ein, ergänzt Martin Linzmeier.

«Wir sind Lichtjahre vor der Weltkirche. Bereits ennet des Rheins wäre unser Modell undenkbar.» In der Schweiz und gerade im Fricktal ist es aber die kirchliche Realität. «Von den 26 Pfarreien in unserem Dekanat werden noch zwei von einem geweihten Priester geleitet», weiss Alexander Pasalidi. Die anderen Pfarreien werden von Gemeindeleitern und -leiterinnen geführt – oder die Stellen sind vakant.

Eigenständigkeit durchbrechen

Damit ist ein weiteres Themenfeld angesprochen, das die Dekanatsleitung betrifft. Der Personalmangel in der römisch-katholischen Kirche. Direkten Einfluss auf die Besetzung von vakanten Stellen haben Martin Linzmeier und Alexander Pasalidi zwar nicht. «Wir können höchstens Anregungen geben. Aber eine unserer Aufgaben ist es, mitzuhelfen, dass es in unserem Dekanat einen Ausgleich gibt.» Deshalb haben sie die Pfarreien auch aufgefordert, sich untereinander solidarisch zu zeigen und Gottesdienste in Pfarreien mit Vakanzen zu gewährleisten.

Ohnehin gelte es, «die heilige Eigenständigkeit der Pfarreien, die eine sinnvolle Zusammenarbeit fast verunmöglicht, zu durchbrechen», ist Alexander Pasalidi überzeugt. Schliesslich ist der Aufbau der Pastoralräume im Gang. Fünf soll es nach dem jetzigen Stand der Dinge im Fricktal geben, 100 im gesamten Bistum. Sie sind Teil des Pastoralen Entwicklungsplans und sollen mithelfen, den Glauben wieder besser ins Spiel und zu den Leuten zu bringen.

Ziel sei es nicht, Personal abzubauen, betonen die beiden Theologen. Zwar gebe es in den Pastoralräumen weniger Leitungsfunktionen, dafür sei eine grössere Spezialisierung möglich. So sei es der Kirche dann möglich mehr Stellen dem kirchlichen Sozialdienst oder der Jugendseelsorge zu widmen. Kleine Kirchgemeinden hätten derzeit Mühe, alle Anforderungen zu stemmen, so Linzmeier und Pasalidi.

Pastoralräume bis Ende 2016

Ende 2015 sollen 70 der 100 Pastoralräume im Bistum errichtet sein. Die fünf Fricktaler Räume werden nicht dazugehören. «Aufgrund der kleinräumigen Organisation im Fricktal hinken wir noch etwas hinterher», erklärt Martin Linzmeier. Der Druck aus dem Bistum steige aber nun etwas an. Wenn immer möglich, sollten also auch die Fricktaler Pastoralräume Ende 2016 errichtet sein. Der Co-Dekan und der Dekanatsleiter sind von den Vorteilen der Reorganisation überzeugt. «Wir hoffen, dass es bis dahin zur Selbstverständlichkeit wird, über die Grenzen der eigenen Pfarrei hinaus zusammenzuarbeiten.»

Derzeit werden im Fricktal jedoch noch Gespräche geführt, ob die geografische Einteilung der Pfarreien in die Pastoralräume so bleibt, wie 2009 angedacht. Die Planung sieht derzeit folgende Pastoralräume vor: Möhlin zusammen mit dem Wegenstettertal; Rheinfelden gemeinsam mit Kaiseraugst; Eiken, Stein und das Fischingertal; Frick, Gipf-Oberfrick und das obere Fricktal jenseits des Kaisterbergs; Laufenburg, Kaisten und das Mettauertal. Es gebe noch die eine oder andere Unsicherheit, so Linzmeier. «Ich habe aber den Eindruck, dass die Einteilung von Bistum so beibehalten wird.»