Das hat es im Rehmann-Museum noch nie gegeben: schaukelnde leere Sardinendosen, eine sich um den Frühstückstisch drehende Champagnerflasche, ein Koffer mit einer flinken Maus, ein sprechender Gockel und noch viel mehr Kurioses, Überraschendes, Schräges von Gilbert Peyre aus Paris. Überraschend auch das Werk von Behrouz Varghaiyan aus Rekingen, der ausnahmsweise nicht als Skulpturist in Erscheinung tritt, sondern erstmals seine Malerei über asphaltierte Strassen in den Mittelpunkt stellt. Mit «Deux amis», zwei Freunde, ist die neue Museumsausstellung betitelt.

Am Samstagabend wurde sie unter grossem Interesse eröffnet, das Museumsteam konnte sich über ein volles Haus freuen. Die Künstler hätten trotz ihrer «fundamental unterschiedlichen Sprache» einen Dialog zwischen ihren Werken und dem Museum geschaffen, fand Udo Haas, Mitglied des Stiftungsrates, in seiner Begrüssung.

Kunst mal anders

Kunst mal anders

So berichtete Tele M1 letzte Woche über die beiden befreundeten Künstler und die Eröffnung ihrer Ausstellung.

In der Ausstellung lassen sich Poesie, Ironie, Schönheit und Humor entdecken, so Haas. Über eine Woche lang waren die Künstler mit dem Aufbau der Schau beschäftigt – für Behrouz Varghaiyan eine besondere Erfahrung, hatte er sich doch schon immer gewünscht, einmal mit Gilbert Peyre gemeinsame Sache zu machen. «Wir hatten eine Riesenfreude, die Ausstellung zusammen aufzubauen», erklärte Varghaiyan, der seinen Freund als «einen Elektro-Verrückten» bezeichnete, denn Peyre würde sich «so sehr auf das Detail konzentrieren».

Kein Verkauf mehr, nur noch Ausstellungen

Das hat zur Folge, dass dieser keine Werke mehr verkauft, weil sie äusserst komplex und empfindlich sind, sondern nur noch in Ausstellungen zeigt. Betätigt werden sie durch Knopfdruck, was jedoch nur dem Museumsteam erlaubt ist. Oder eben Peyre, wie am Samstag, als er unter Beifall eine Maus aus einem roten gepolsterten Koffer in eine auf den Boden gezeichnete Tanzarena entliess.

«Die Arbeit von Gilbert Peyre findet man nicht jeden Tag», erklärte Varghaiyan. Das gilt auch für seinen eigenen Beitrag in der Ausstellung. Varghaiyan zeigt grossformatige Bilder, die wie Ausschnitte von reparierten Strassen wirken. Ein Fussgängerstreifen baut sich von unten nach oben auf, auf ein Bild hat sich ein Eimer Gelb entleert, auf einem anderen ist ein vergitterter Schacht abgebildet. Varghaiyan hat die Erscheinung von Strassenschäden – Risse, Brüche, Rinnen – auf Leinwand übertragen und in eine Beziehung zu japanischer Kalligrafie gestellt.

Werke mit Humor

Die Ausstellungseröffnung gestaltete Museums-Geschäftsführerin Regula Laux, unterstützt von Jean-Marc Felix. Den musikalischen Rahmen bildeten Gino Suter, Violine, und Andrei Ichtchenko am Akkordeon. Laux berichtete, wie es zu der Ausstellung gekommen war, welche Probleme – Zoll, elektrische Anschlüsse – zu lösen waren. Erwin Rehmann sprach ihr für ihren Einsatz ein dickes Kompliment aus. «Sie hat alle Zügel in der Hand gehabt, hat alles organisiert und alle betreut», so Rehmann. Was ihm am Werk von Gilbert Peyre besonders gefällt: «Dass er die grössten Unverantwortlichkeiten unserer Welt mit Humor aufs Horn nimmt.» Und in der Malerei von Behrouz Varghaiyan sieht Rehmann «eine Reduktion auf Schwarz und Geld, was für Konzentration spricht».


Die Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils von 11 bis 16 Uhr, Sonntag von 13 bis 16 Uhr.