Noch im Oktober hatte alles so gut ausgesehen. Nach monatelangen Diskussionen um den Oberstufen-Standort Wegenstetten (siehe Box) schienen sich die Gemeinden im Tal geeinigt zu haben: «Der Gemeinderat hat entschieden, dass Möhlin gemeinsam mit den Gemeinden des Möhlintals den Schulstandort Wegenstetten entwickelt», sagte damals Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin. Zu klären seien nur noch die Details. «Wir sind sicher, dass bald eine tragbare Lösung für die Organisation gefunden ist», sagte der Wegenstetter Ammann Willy Schmid.

Nun aber sitzen die Vertreter der Gemeinden am Mittwoch vor der Presse und erklären, warum es doch nicht so kommt. Sie tun das an zwei separaten Pressekonferenzen – einer in Wegenstetten mit den Talgemeinden, einer in Möhlin. Es ist ein Zeichen dafür, wie belastet das Verhältnis in der Thematik derzeit ist. «Wir sind vor den Kopf gestossen und enttäuscht», sagt Kathrin Hasler, Ammann von Hellikon.

8,5 Millionen für Bau

Der Grund für die emotionale Reaktion: Möhlin verzichtet nun doch auf die künftige Führung eines Sekundar- und Realschulstandorts in Wegenstetten. Stattdessen ist beim Schulhaus Steinli ein Ergänzungsbau geplant. Dort sollen ab Schuljahr 2021/22 alle Oberstufenschüler des Möhlintals Platz haben. Die Gemeinde geht von Baukosten um die 8,5 Millionen Franken aus. 2019 soll der Gemeindeversammlung ein entsprechender Kredit vorgelegt werden. Das Oberstufenschulhaus in Wegenstetten soll nur noch während einer Übergangsfrist genutzt werden.

Am vergangenen Freitag teilte der Möhliner Gemeinderat den Kollegen aus dem Tal die Entscheidung mit. Diese fielen aus allen Wolken – hatten sie sich doch auf einem guten Weg gewähnt, den Standort Wegenstetten erhalten zu können. Nach der Kündigung des Kreisschulvertrags hätten die Gemeinden gemeinsam eine Lösung angestrebt, sagt Willy Schmid. Mit einem Infrastrukturvertrag sollte das Wegenstetter Schulhaus gemietet und als Standort der Schule Möhlin genutzt werden. Nur: «Abklärungen beim Rechtsdienst des Kantons haben ergeben, dass dies nicht möglich ist. Nach geltendem Schulgesetz wird nur eine vertragliche Lösung über einen Kreisschulvertrag oder -verband erlaubt», sagt Böni. Dies wiederum sei für Möhlin keine Option.

Drei Argumente für Lösung

Hingegen sprächen mehrere Gründe für die neue Lösung. Zum einen ist da die Primarschule. «Hier besteht ein akutes Raumproblem», sagt Böni. Mit dem Neubau könnte dieses gelöst werden: Wenn alle Oberstufenschüler ins «Steinli» gehen, kann das Bezirksschulhaus als Primarschulhaus genutzt werden. Zum anderen sprächen auch pädagogische Gründe – Stichworte durchlässige Stufenstruktur oder optimales Fächerangebot – für einen zentralen Oberstufenstandort.

Und nicht zuletzt nennt Böni wirtschaftliche Gründe. Der bisherige Kreisschulvertrag schrieb vor, dass Möhlin so viele Schüler nach Wegenstetten schickt, dass dort sechs Abteilungen geführt werden können. Die Zahl dieser Schüler ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – auf aktuell 66. Damit kommen mehr als die Hälfte der Schüler aus Möhlin, das im aktuellen Schuljahr ausserdem über 450 000 Franken Schulgeld dafür zahlt. Gleichzeitig hätte die Anzahl Schüler, die aus dem Tal nach Möhlin kommen, deutlich abgenommen, so Böni. Eine Entwicklung, der man nicht länger tatenlos zusehen möchte. «Wir müssen jetzt für uns schauen», sagt Böni.

Talgemeinden geben nicht auf

Willy Schmid schüttelt darob den Kopf. Er und seine Kollegen aus dem Tal fragen sich, wie es in Möhlin zur plötzlichen Kehrtwende kommen konnte. «Die Fakten waren ja vorher schon bekannt.» Nichtsdestotrotz wollen die Talgemeinden kämpfen. «Wir sind in einer schwierigen Situation. Aber wir wollen den Oberstufenstandort nicht aufgeben», sagt Hasler.

Die Verantwortlichen werden mit Schulpflegen, Lehrpersonen und Kanton die Alternativen prüfen. Wie diese aussehen könnten, darüber wollten sie am Mittwoch noch keine Angaben machen. «Wir erwarten allerdings, dass Möhlin uns genügend Zeit einräumt, eine Lösung zu finden», sagt Hasler. Dies auch, was die Übergangsfrist angeht. Die Idee unterstützen die Gemeinden zwar, aber: «Wir werden uns nicht auf Zusatzbedingungen einlassen.»