Wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern hat das baselstädtische Strafgericht am Donnerstag einen ehemaligen Sek-Lehrer schuldig gesprochen. Der 37-jährige Schweizer bekam drei Jahre Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt. Dazu kommt ein fünfjähriges Berufsverbot für den Kontakt mit Kindern unter 16 Jahren.

Nach Stationen in Allschwil, Oberwil und Liestal endete seine Karriere 2018 in Rheinfelden. Hier war er ab Februar 2017 als Sekretariatsmitarbeitender der Musikschule Rheinfelden/Kaiseraugst tätig. «Der Vorstand zeigt sich erschüttert. Die Schule prüft das Anstellungsprozedere», schreibt die Musikschule in einer Mitteilung. Die Überprüfung werde zeigen, welche Konsequenzen und Massnahmen nötig seien, um bei Anstellungen noch mehr Sorgfalt walten zu lassen.

Nach Angaben der Musikschule war der Mann zwischen Februar 2017 und Juni 2017 als Aushilfe im Sekretariat in einem befristeten Vertrag, im Oktober 2017 ehrenamtlich und von November 2017 an auf Abruf tätig. Im Rahmen seiner Tätigkeit habe er auch als Begleiter an zwei Herbstlagern der Musikschule teilgenommen. «Weder im Anstellungsprozess noch während seiner Beschäftigung war das Verfahren gegen ihn ein Thema», betont die Musikschule.

Pädo-Lehrer: Jetzt nimmt die Schule Stellung

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Ein Basler Lehrer hat sich im Internet als Mädchen ausgegeben, um an Nacktbilder von Buben zu kommen. Der 37-Jährige war auch an einer Musikschule im Aargau tätig. Tele M1 hat an der Schule nachgefragt, was die Lehrer zum Vorfall sagen.

Der Vorstand der Musikschule erhielt im Herbst 2018 – nach dem zweiten Herbstlager – Kenntnis darüber, dass gegen den Mann ein Strafverfahren laufe. Der Vorstand habe dem Mitarbeitenden daraufhin umgehend sämtliche Dossiers entzogen. «Gemäss heutigem Kenntnisstand kam es an der Musikschule Rheinfelden/Kaiseraugst zu keinem Fehlverhalten», hält der Vorstand im Schreiben fest. Eltern, deren Kinder in den erwähnten Herbstlagern anwesend waren, würden aber direkt angesprochen. Zudem wurde eine Ombudsstelle eingerichtet, sagt Patrick Spuhler, Vizepräsident der Musikschule, auf Nachfrage der AZ. Der Vorstand setz alles daran, das Vertrauen in die Musikschule und ihre Mitarbeitenden zu erhalten.

In 193 Fällen schuldig

Der Mann hatte sich in Internet-Chats als Mädchen ausgegeben und so Buben unter 16 Jahren dazu gebracht, sich ihm online nackt zu zeigen und an sich zu hantieren. Er hatte insgesamt über 50 000 Bilder und Videos gespeichert, als er 2014 aufflog. Manches reichte er über Porno-Tauschbörsen weiter. Rund 250 Opfer listete die Anklage auf.

Die fünfköpfige Kammer des Strafgerichts erkannte davon 193 Fälle als strafbare sexuelle Handlungen mit Kindern, teils vollendet, teils versucht, wobei kein Opfer unter 12 Jahren belegt ist. Bei etwa zehn Prozent sei der Mann erpresserisch vorgegangen, sagte der Gerichtspräsident. Alle angeklagten Nötigungen sind indes verjährt.

In 47 Fällen erachtete das Gericht hingegen die Tatvorwürfe als ungenügend dokumentiert; diese wurden eingestellt. Auch die angeklagte Herstellung verbotener Pornografie ist zumeist verjährt, nicht jedoch deren Besitz. Während der neuneinhalb Jahre Dauer dieser Delikte überschritten zudem manche Opfer das Schutzalter 16.

Erschwerend wertete das Gericht die sehr grosse Zahl der Opfer, die lange Delinquenz, die Täuschung und dass der Mann neun Opfer persönlich gekannt hatte. Als Motiv seien Befriedigung sexueller Bedürfnisse und Machtausübung zu sehen. Er habe «grosse kriminelle Energie» gezeigt. Für einen Lehrer seien diese Taten «schon sehr übel».

Auch Eigenverantwortung

Stark relativierend sei aber, dass kein einziges Delikt «hands on» begangen wurde, also alles online ablief. Keines der Opfer sei traumatisiert, sagte der Gerichtspräsident. Die Opfer hätten zunächst ja auch freiwillig mitgemacht, wobei Pubertierende «nicht völlig unwissend» über das Internet samt Gefahren zu sehen seien. Da gebe es «eine gewisse Eigenverantwortung». Die freiwillig begonnene Psychotherapie muss der Mann fortsetzen. Weil die Deliktbewältigung dort bisher nicht genüge, wirke sie nicht mildernd. Der Mann muss überdies Verfahrenskosten von 77 000 Franken und eine Urteilsgebühr von 10 000 Franken bezahlen.