Charlie, Tango, Eins, Fünf, Acht, Fünf, Kilo» – Rafael Müller, Gefreiter der Regionalpolizei Oberes Fricktal, steht in der vernebelten Winternacht in Uniform und schusssicherer Weste hinter dem weissen Kombi mit italienischen Kennzeichen und gibt die Fahrzeugdaten an den Abfragekanal «Lenzhard» weiter.

An der Beifahrertüre ist sein Kollege Dewis Fuss positioniert. Er leuchtet mit einer Lampe durch die Nebelschwaden und die Scheibe des Fahrerraums, beobachtet die Insassen mit stoischer Ruhe und legt die rechte Hand auf den Griff seiner Waffe. Abfrage negativ – «alles okay. Sie können weiterfahren.»

Die passionierten Polizisten setzen ihre Patrouille fort und steigen in den blau-weissen Streifenwagen ein. Der mit 180 Pferdestärken motorisierte «T5-Bus» ist mit einem breiten Arsenal an Ausrüstungsgegenständen gespickt, deren Wert etwa 30 000 Franken beträgt – Handschellen, Fussfesseln, Drogenschnelltests, Alkoholmessgeräte, Streumittel, ein Nachtsichtgerät, ein Defibrillator, ein Brecheisen und eine Maschinenpistole. «Wegen den Terroranschlägen in Paris patrouillieren wir vermehrt mit der Maschinenpistole unter dem Arm», erklärt Fuss.

Saison für Diebesbanden

«Unsere Waffen mussten wir schon öfters ziehen», sagt Fuss und fügt hinzu, dass er sie im Einsatz bisher ein einziges Mal abfeuern musste, um einem verendenden Vogel den Gnadenschuss zu versetzen. Wenn die Waffe im Einsatz abgefeuert wird, lautet ein Grundsatz der Polizei: maximale Sicherheit für Unbeteiligte.

Die Einsatzzentrale gibt durch, dass eine Passantin mehrere Fahrzeuge mit bulgarischen Kennzeichen zwischen Laufenburg und Sisseln gesehen hat. «Gerade wenn die Tage kürzer werden, treiben vermehrt Diebesbanden aus dem Ostblock hier ihr Unwesen», sagt Müller.

Jetzt heisst es: keine Zeit verlieren. Fuss steuert den VW-Bus direkt in besagten Ort. Nebenstrassen und Waldlichtungen werden befahren: «Nach einem Einbruch verstecken die Diebe ihre Beute gerne im Wald.» Kein Erfolg – die Bulgaren sind nicht aufzufinden. «Man braucht das nötige Glück, um sie zu erwischen», weiss der 26-jährige Fuss.

Die Polizisten Rafael Müller (l.) und Dewis Fuss sind mit dem «T5-Bus» auf nächtlicher Streife unterwegs und sorgen für Recht und Ordnung.

Die Polizisten Rafael Müller (l.) und Dewis Fuss sind mit dem «T5-Bus» auf nächtlicher Streife unterwegs und sorgen für Recht und Ordnung.

Das rote Licht

Weiter geht die Fahrt nach Densbüren. Hier hat sich Kollege Sascha Zutter mit einem mobilen Radargerät auf einem Parkplatz an der Hauptstrasse positioniert. «Den erwischt es jetzt», sagt Zutter mit geschultem Auge, kurz bevor es rot aufblitzt.

Das Fahrzeugfoto und die Geschwindigkeit werden dabei direkt auf den Laptop übertragen, der sich auf dem Fahrersitz seines zivilen Wagens befindet. An der leicht abschüssigen Strasse flackert das rote Licht innerhalb zwei Stunden weit über 200-mal auf. «Radarkontrollen sind dazu da, die Verkehrssicherheit an neuralgischen Stellen zu erhöhen. Dort, wo Kindergärten und Schulen sind», sagt Zutter.

Generell verläuft die Streife in dieser Nacht eher ruhig: «Liegt wohl am Wetter», vermutet Müller und erzählt von seinem schlimmsten Einsatz, dem Suizid eines Jugendlichen. «Solche Tragödien darf man nicht zu nah an sich heranlassen und wenn es einem doch zu schaffen macht, muss man darüber reden», sagt Müller.

Erziehungsauftrag wahrnehmen

Um kurz nach 21 Uhr steuern die jungen Polizeibeamten den Bahnhof in Frick an: «Das Bahnhofareal ist ein Hotspot. Deswegen ist es gut, wenn wir Präsenz zeigen», sagt Müller.

Dabei fassen sie drei abhängende Jugendliche ins Auge: «Was macht ihr hier? Taschen bitte leeren.» Aus der Jacke eines 15-Jährigen kommt eine Schachtel Zigaretten zum Vorschein. «Rauchen schadet dir nur. Ich würde damit schnell aufhören.» Nach der Belehrung zieht das Polizeiduo weiter. «Wir haben natürlich gerade gegenüber Jugendlichen einen Erziehungsauftrag», sagt Müller.

Um 22 Uhr nähert sich der VW-Bus zwei Jugendlichen, die mit Skateboard und Velo auf der Schulstrasse entlangfahren. Fuss setzt den Wagen links neben die jungen Nachtschwärmer, Müller kurbelt die Scheibe runter: «Halt! Was hab ihr falsch gemacht?» – «Ich habe kein Licht am Velo», entgegnet ihm der junge Velofahrer verlegen.

«Genau, man sieht euch kaum. Geht auf dem Fussgängerweg weiter.» Der Junge, der sich jetzt stützend am Velolenker hält, hat kleine Pupillen. «Hast du was geraucht?», fragt Müller und kontrolliert die Jackentaschen.

Die Stimmung ist angespannt. Müller zieht ein Kinobillett aus der Jacke des Kontrollierten hervor und öffnet es: «Aha! – ‹Die Tribute vom Panem› – war der letzte Teil gut?» Die Stimmung lockert sich. Bevor die Jugendlichen davonziehen, repariert Müller noch kurzerhand das Vorderlicht des Velofahrers.

In dieser Nacht sind die Jungpolizisten noch bis 2 Uhr im Einsatz und sorgen mit wachsamen Augen für Ordnung und Sicherheit im oberen Fricktal. Wach halten die beiden Ordnungshüter vor allem zwei Sachen: ihr Jagdinstinkt und der Kaffee.