Prozess
Nachts Baustellen ausgeräumt – doch ihr Traum endet im Gefängnis

Im Gefängnis fassen zwei Männer einen Plan, dank dem der eine seine erträumte Autogarage, der andere eine Reihe von Baugeräten erhalten soll. Doch später zerstreiten sie sich, landen im Gefängnis – und vor dem Bezirksgericht Laufenburg.

Jörg Meier
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Moritz, der Polier, wollte endlich wieder mal ein richtig schönes Gebäude bauen. (Symbolbild)

Moritz, der Polier, wollte endlich wieder mal ein richtig schönes Gebäude bauen. (Symbolbild)

Keystone

Max und Moritz* haben sich im Gefängnis kennen gelernt. Max, der Automechaniker, träumte von einer richtig schönen, eigenen Autogarage. Moritz, der Polier, wollte endlich wieder mal ein richtig schönes Gebäude bauen. So begann eine verhängnisvolle Partnerschaft, die, wenn es nach dem Staatsanwalt geht, Max und Moritz für längere Zeit zurück ins Gefängnis bringt.

Die Idee von Max war simpel und hatte etwas Bestechendes: Der völlig mittellose, aber kompetente Polier Moritz sollte für Max die neue Garage bauen. Max besorgte alle dafür notwendigen Maschinen und Werkzeuge.

Sobald der Bau fertig war, sollte Moritz als Gegenleistung sämtliche Geräte erhalten. Noch im Gefängnis begann Moritz begeistert, Pläne zu zeichnen; die genügten aber nicht für eine Baueingabe. Also musste doch noch ein Architekt zugezogen werden. Moritz konnte sich ganz aufs Bauen konzentrieren.

Es war «wie Weihnachten»

Für ihn sei es manchmal «wie Weihnachten» gewesen, erklärte er dem Gericht. Er habe Moritz jeweils gesagt, welche Maschinen und Werkzeuge er brauche – und manchmal sei das Gewünschte schon am nächsten Tag bereit gestanden. Egal, ob Pendelhubstichsäge, Rotationslaser oder Spitzhammer: Max besorgte alles und erst noch ziemlich schnell. Moritz erklärte vor Gericht, er habe nicht gewusst, woher Max all diese Gerätschaften habe.

Inzwischen ist ziemlich klar, wo sich Max bedient hat: Er hat nächtlicherweile Baustellen aufgesucht und dort gestohlen, was auf der Werkzeugliste für die nächsten Tage stand. Wohl über ein Dutzend Baustellen hat er ausgeräumt. Wobei: Ganz klar ist wenig in diesem Fall. Denn Max hat nur die Fälle gestanden, in denen er in flagranti erwischt worden ist.

Und der Staatsanwalt ist überzeugt, dass Moritz sehr wohl von den Diebstählen gewusst hat, ja sogar aktiv dabei gewesen sein könnte. Und was nicht geklaut werden konnte, hätten sich die beiden auf dem Schwarzmarkt von Hehlern beschafft.

Weil auch Geld für den Bau fehlte, fälschte Max Bilanzen und Steuererklärung und sprach bei zwei Banken vor. Die erste wies ihn ab, die zweite erkannte die Urkundenfälschung zu spät und gewährte ihm prompt einen Baukredit von 1,2 Millionen Franken. Von Betrug könne keine Rede sein, sagte Max’ Verteidiger, zumal die Bank es an der notwendigen Sorgfaltspflicht habe mangeln lassen.

Es wäre für die Bank doch ziemlich einfach gewesen, festzustellen, dass Max in keiner Weise kreditwürdig war. Und Moritz ergänzte, ja, er habe die gefälschte Bilanz zwar mitunterschrieben und sogar Angaben dazu geliefert, aber er habe nicht gewusst, wozu das gut sein sollte.

Dann zerstritten sich die Kumpel; ihre Baugesellschaft ging in Konkurs – und plötzlich waren alle Maschinen und Werkzeuge verschwunden. «Betrügerischer Konkurs», befand der Staatsanwalt. Die Sache flog auf, als Max eines Nachts von der Polizei erwischt wurde, als er versuchte, bei einem Bagger den Hydraulikzylinder auszubauen.

Schwierige Wahrheitssuche

Rund 4000 Seiten Akten hat der Fall bisher produziert. An der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Laufenburg wurde klar, warum auch dieser Aktenberg nicht zur völligen Klarheit führen kann: Es gibt viele Erinnerungslücken, ständig neue Erklärungen, widersprüchliche Aussagen, gegenseitige Beschuldigungen und wenig konkrete Beweise.

Nach achtstündiger Verhandlung forderte der Staatsanwalt acht Jahre Gefängnis für Max und viereinhalb für Moritz; der Verteidiger von Max sah eine Strafe von höchstens einem Jahr. Genau so lange sitzt Max bereits in Untersuchungshaft. Der Verteidiger von Moritz forderte vehement einen Freispruch; Moritz habe nichts gewusst und sich nichts zuschulden kommen lassen. Das Urteil steht noch aus.

* Namen geändert

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