Biolandbau

Nachhaltige Landwirtschaft ohne Pestizide

«Im biologischen Landbau versuchen wir jedoch, vor allem mit vorbeugenden Massnahmen wie der Verwendung von krankheitsresistenten Sorten, Bodenpflege und Anbautechnik die Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und damit generell das Anbaurisiko zu senken», sagt Lucius Tamm.

«Im biologischen Landbau versuchen wir jedoch, vor allem mit vorbeugenden Massnahmen wie der Verwendung von krankheitsresistenten Sorten, Bodenpflege und Anbautechnik die Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und damit generell das Anbaurisiko zu senken», sagt Lucius Tamm.

Lucius Tamm, im Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) in Frick verantwortlich für Pflanzenschutz und Biodiversität, sucht nach Möglichkeiten einer chemiefreien Landwirtschaft.

Herr Tamm, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau versucht, Alternativen zu Fungiziden zu finden. Wie wollen Sie die Pilzkrankheiten bekämpfen?

Lucius Tamm:Die Bekämpfung der Pilzerreger mit Pflanzenschutzmitteln ist eine Strategie von mehreren, um das Problem im Griff zu behalten. Im biologischen Landbau versuchen wir jedoch, vor allem mit vorbeugenden Massnahmen wie der Verwendung von krankheitsresistenten Sorten, Bodenpflege und Anbautechnik die Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und damit generell das Anbaurisiko zu senken. Für den direkten Pflanzenschutz suchen wir nach natürlichen Gegenspielern und Substanzen, die in der Natur vorkommen.

Und welche Erfolge können Sie mit diesen Methoden vorweisen?

Im biologischen Weizenanbau werden ansehnliche Erträge erreicht, obwohl keinerlei Pestizide eingesetzt werden. Die Biobauern gehen davon aus, dass naturfremde Substanzen wie synthetische Pestizide grundsätzlich nicht in die Umwelt ausgebracht werden sollten. Denn die Vergangenheit zeigt, dass auch vermeintlich sichere Pestizide trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Probleme in der Umwelt verursacht haben.

Können Sie dafür konkrete Beispiele nennen?

Zum Beispiel wurde der Wirkstoff Benzimidazol früher in grossen Mengen im Apfelanbau eingesetzt, obwohl dabei die Regenwürmer stark geschädigt wurden. Bei Strobilurin, einem sehr modernen Wirkstoff, hat man ebenfalls unerwartete Nebenwirkungen beobachtet: Im behandelten Weizen fand man erhöhte Mengen von giftigen Mykotoxinen. Verbesserte und sicherere Wirk- stoffe sind zwar ein Fortschritt gegenüber der Vergangenheit, aber langfristig sollte auf nachhaltige Landwirtschaftsmethoden gesetzt werden, die dank vorbeugenden Massnahmen ohne Pestizideinsatz auskommen.

Gibt es auch schon Nebenwirkungen, die Sie beim Molekül Mandipropamid festgestellt haben?

Bislang sind mir keine grösseren Probleme bekannt. Unerwartete Nebenwirkungen von neuen Produkten werden aber oft erst nach einigen Jahren Praxiseinsatz sichtbar.

In entwickelten Ländern wie der Schweiz mag man sich diese Experimente erlauben können. Kann der Biolandbau aber zum Beispiel Hungerkatastrophen verhindern, wie sie Syngenta anspricht?

Wenn wir die Welternährung langfristig sicherstellen wollen, dann müssen wir mit den nicht erneuerbaren Ressourcen viel sparsamer umgehen. Die Vorkommen von wichtigen Pflanzennährstoffen wie Kalium und Phosphor werden in absehbarer Zeit zur Neige gehen; und die Herstellung von Stickstoffdüngern verschlingt viel Energie. Damit mit reduzierten Ressourcen trotzdem gute Erträge erwirtschaftet werden, müssen besonders die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität gefördert werden. Der Biolandbau legt grössten Wert eben auf Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Ressourcenschonung und kann deshalb viel zur Nachhaltigkeit der Landwirtschaft beitragen. Dies gilt ganz besonders in den ärmeren Regionen der Welt, wo die Bodenfruchtbarkeit oft geschwächt ist und den Bauern kaum Mittel für den Kauf von teuren Hilfsmitteln zur Verfügung stehen.

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