Fricktal
Nachfrage sinkt: Der Brotaufstrich Birnel ist im Sinkflug

Die Mostbirnen landen auf dem Brot, statt in der Brennerei: Seit Jahrzehnten wird in der Schweiz Birnel verkauft. Auch im Fricktal ist es in diesen Tagen wieder soweit. Die Gemeinden verkaufen Birnel der Winterhilfe – die Nachfrage geht aber zurück.

Nadine Böni
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Bio-Birnel wird auch in Kilo-Gläsern angeboten. zvg

Bio-Birnel wird auch in Kilo-Gläsern angeboten. zvg

Kaum hat der Wind die ersten bunten Blätter von den Bäumen geblasen, tauchen sie auf. Die Mitteilungen, in denen die Gemeinden den Verkauf von Birnel ankündigen. Auch im Fricktal ist es jetzt wieder so weit.

Seit 1952 verkauft die Winterhilfe den konzentrierten Birnensaft – zum einen zur Förderung der brennlosen Verwertung von Obstüberschüssen, zum anderen als Hilfe für Bedürftige. Mit dem Erlös unterstützt die Winterhilfe beispielsweise ältere Menschen, junge Familien oder Alleinerziehende mit Hilfsgütern, Einkaufsgutscheinen oder Reka-Checks für Gratis-Ferien.

Beliebtes Bio-Birnel

Die Gemeinden sind – neben Privaten oder Drittweltläden – eine wichtige Vertriebsstelle. Ab Anfang Oktober sind Bestellungen während vier Wochen möglich. Im Rahmen der diesjährigen Aktion kann Bio-Birnel für Fr. 4.60 im 250-g-Dispenser, Fr. 12.50 im Kiloglas, Fr. 56.50 im 5-Kilo-Kessel oder 131 Franken im 12,5-Kilo-Kessel bezogen werden. Auch Birnel ohne Bio-Knospe ist zu leicht günstigeren Preisen erhältlich.

Birnel: Konzentrat aus Mostbirnen

Birnel ist ein Birnendicksaft, hergestellt aus Schweizer Mostbirnen. Diese kleinen und eher harten Früchte sind nicht als Tafelobst geeignet. Sie werden gepresst, der entstandene Saft geklärt, filtriert, entsäuert und konzentriert. Zehn Kilogramm Früchte geben rund ein Kilogramm Birnel.Die beiden Schweizer Produktionsbetriebe von Birnel sind in Eschenz TG und Steinmaur ZH. Die Feldobstbäume, auf denen die kleinen Mostbirnen wachsen, sind für die moderne Landwirtschaft nicht rentabel und drohen, zu verschwinden. Mit der Herstellung von Birnel wird zum Erhalt dieser Bäume beigetragen und damit zum Schutz des Lebensraums bedrohter Vögel und anderer Tierarten. (nbo)

Vor allem Bio-Birnel aber habe den Verkauf auf den Gemeinden angekurbelt, sagt Anja Studer. Sie ist bei der Gemeinde Gipf-Oberfrick für den Birnel-Verkauf verantwortlich und koordiniert somit auch die Bestellungen von Sisseln, Obermumpf, Zuzgen, Wittnau und Wegenstetten. Die Gemeinden haben sich zusammengeschlossen, weil die Mindest-Bestellmenge bei 80 Kilogramm liegt.

Grosse Sammelbestellung

Im Herbst können die Einwohner ihre Mengen deponieren, gemäss denen nachher bestellt wird. «So haben wir keinen Überschuss», sagt Studer. Wie viel Birnel sie pro Jahr bestellt, ist unterschiedlich. Vergangenes Jahr waren es 180 Kilogramm. 2011 sogar 267 Kilogramm. «Das kommt ganz darauf an, welchen Bedarf die Einwohner haben», so Studer.

Insgesamt scheint der Bedarf eher zu sinken. Diesen Eindruck hat Thomas Tschanz, Geschäftsführer der Landi Eiken, welche ebenfalls Birnel verkauft. «Die Entwicklung ist eher rückläufig», sagt er. Noch immer macht der Birnel-Verkauf aber rund 10 Prozent der Verkäufe im Bereich Honig und Konfitüre aus.

Mehr als Brotaufstrich

Einzelne scheinen denn auch nach wie vor einen grossen Bedarf an Birnel zu haben. Während viele in kleinen Mengen bestellen, gibt es auch Kunden, welche 12,5-Kilo-Kessel bestellen. Drei waren es im vergangenen Jahr. Sie würden Birnel nicht nur als Brotaufstrich brauchen oder gleich noch die ganze Verwandtschaft versorgen, sagt Anja Studer. In der Tat ist Birnel vielfältig verwendbar. «Zum Beispiel zum Süssen von Birchermüesli», sagt Studer. Aber ebenfalls Rezepte für Guetzli, Kompott, Kuchen, Wähen und Getränken gibt es.