Wallbach

Nach Verkauf der Obrist AG: 30 Mitarbeiter verlieren ihren Job – Gewerkschaft kritisiert Vorgehen

Per 1.Januar 2019 übernimmt die Birchmeier Bau AG die Obrist-Gruppe in Wallbach.

Per 1.Januar 2019 übernimmt die Birchmeier Bau AG die Obrist-Gruppe in Wallbach.

Die Birchmeier Bau AG übernimmt 70 der 100 Mitarbeiter der Obrist AG. Die Gewerkschaft Syna kritisiert das. Auswirkungen hat der Verkauf auch für die Standortgemeinde Wallbach.

Der Druck auf dem Markt hat die Obrist-Gruppe mit ihren rund 100 Mitarbeitern in die Knie gezwungen. «Als Unternehmen, das auf den Wohnungsbau spezialisiert ist, nur Hochbau betreibt und keine Immobilien besitzt, können wir mit den tiefen Offerten der Generalunternehmungen nicht mithalten», begründet Robin Richiger, Inhaber und Delegierter des Verwaltungsrates, die Übernahme der Wallbacher Bauunternehmung durch die Birchmeier Bau AG mit Hauptsitz in Döttingen.

Konkret bedeutet dies nun , dass per 1. Januar des nächsten Jahres der Werkhof und das Betonwerk in Wallbach, das Inventar sowie die laufenden Bauvorhaben in die neue Niederlassung der Birchmeier Bau AG in Wallbach überführt werden.

Dabei übernimmt die Birchmeier Bau AG jedoch nur rund zwei Drittel der Belegschaft – das sind knapp 70 Mitarbeiter – des Wallbacher Unternehmens. «Wir hätten gerne allen eine Chance gegeben, aber unsere Möglichkeiten sind in diesem hart umkämpften Markt begrenzt», sagt Markus Birchmeier, Inhaber der Birchmeier Bau AG.

Auswahl als Glücksspiel?

Eine Weiterbeschäftigung der kompletten Belegschaft habe auch Richiger in den Verhandlungen angestrebt. Die Birchmeier Bau AG würde jedoch nur diejenigen weiterbeschäftigten, die für die Obrist-Gruppe derzeit an längerfristigen Bauprojekten mitarbeiten. Dies bestätigt Markus Birchmeier «Die Auswahl der übernommenen Mitarbeitenden basiert vor allem auf den von uns übernommenen Baustellen, auf welchen die Mitarbeitenden arbeiten.» Funktion, Alter und Nationalität seien bei der Übernahme von Mitarbeitern kein Kriterium gewesen.

Guido Schluep, Branchenleiter Bau der Gewerkschaft Syna, empfindet dieses Vorgehen der Birchmeier Bau AG als grosse Ungerechtigkeit. «Die Frage, wer übernommen wird und wer nicht, verkommt in diesem Fall zu einem Glücksspiel», kritisiert er. So etwas zu machen, «ist beschämend – vor allem so kurz vor Weihnachten», schiebt er nach.

Die Mitarbeitenden, die nicht übernommen werden, würden bis zum Ablauf ihrer regulären Kündigungsfristen für die beiden Gesellschaften weiterarbeiten, sagt Richiger. Für die Restdauer ihrer Anstellungsverhältnisse erhielten sie auch ihre regulären Vergütungen. «Die nicht übernommenen Mitarbeiter befinden sich bereits in Gesprächen mit potenziellen neuen Arbeitgebern für neue Stellen im Anschluss an ihre Tätigkeit bei den Obrist Unternehmen», schiebt Richiger nach. Man habe versucht, sich frühzeitig für die Betroffenen einzusetzen, und habe die Kontakte zu anderen Bauunternehmen genutzt.

«Es tut weh», sagt Gemeindeammann Paul Herzog zum Aus des Wallbacher Traditionsunternehmens. «Aber als Gemeinde sind wir da machtlos.» Herzog kennt selbst einige Mitarbeiter der Obrist-Gruppe, die in Wallbach wohnen, persönlich. «Mit zwei Betroffenen konnte ich bisher reden. Sie haben bereits neue Jobs in Aussicht», erzählt Herzog, der hofft, dass möglichst alle rasch eine neue Stelle im Anschluss finden.

Neben dem Schicksal der Betroffenen falle für ihn ins Gewicht, dass das Aus der Obrist AG auch mit einem Verlust von Unternehmenssteuern einhergeht. «Wir müssen sehen, wie schwer uns das trifft», sagt er.

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