Öffentlicher Verkehr

Nach Streichung des Flugzuges: Nächster Petitions-Halt beim SBB-Chef höchstpersönlich

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Der IR 36 zwischen Basel und Zürich-Flughafen fällt bis Mitte Dezember aus.

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Der IR 36 zwischen Basel und Zürich-Flughafen fällt bis Mitte Dezember aus.

Die Petition zum Ausfall des Flugzuges ist zu Stande gekommen. Mitinitiant Rolf Schmid erhielt viele positive Rückmeldungen. Jetzt erwartet er eine direkte Antwort vom SBB-Chef.

SBB-CEO Vincent Ducrot bekommt Post aus dem Fricktal. Auf petitio.ch, der Plattform der «Aargauer Zeitung», haben die beiden Fricktaler Bezirksparteien der SP in den letzten Wochen online Unterschriften gegen die temporäre Streichung des Flugzuges von Basel nach Zürich-­Flughafen sowie generell gegen den Abbau beim Service public gesammelt.

Die Petition war ein Erfolg: 665 Unterschriften kamen innert Monatsfrist zusammen, die Bittschrift ging damit Ende letzter Woche per Post an den SBB-Chef nach Bern. «Fast 700 Unterschriften sind ein starkes Zeichen», sagt Rolf Schmid, Präsident der SP Bezirk Laufenburg. Es zeige, «dass viele Betroffene die Abbaupolitik beim Service public, namentlich den SBB, nicht goutieren».

Hintergrund der Petition ist der Lokführermangel bei den SBB. Die Bahn musste deshalb in verschiedenen Regionen Verbindungen temporär einstellen – darunter der Flugzug, der stündlich von Basel nach Zürich-Flughafen und retour verkehrt. Der Flugzug soll erst wieder nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember fahren.

Die kurzfristige Aufhebung des Halbstundentakts bedeute für Tausende Pendler eine massive Einschränkung, heisst es im Petitionstext. «Damit werden ausgerechnet in der aktuellen Pandemie Ansammlungen von Reisenden gefördert, da diese sich auf eine reduzierte Anzahl Züge verteilen müssen», heisst es in der Petition.

Nicht die Regionen für die ­Fehlplanung bezahlen lassen

Für die «jahrelange Fehlplanung der SBB» lasse sie nun einzelne Regionen bezahlen, monieren die Petitionäre und fordern: «Für die personellen Engpässe bei den Lokführern ist eine gerechte und zeitlich begrenzte Lösung ohne den Wegfall ganzer Zugverbindungen zu finden.»

Spätestens aber mit dem Fahrplanwechsel sei der Halbstundentakt im Fricktal wieder ohne Einschränkungen zu betreiben. Weiter fordern die beiden Bezirksparteien, dass die SBB den Lokführerberuf für Männer und Frauen wieder attraktiver machen.

Direkte Rückmeldungen aus dem Umfeld der SBB

Auf die Petition bekam Schmid – bis auf eine Ausnahme – ausschliesslich positive Rückmeldungen. «Viele Menschen stört es, dass die SBB einzelne Regionen die Fehlplanung ausbaden lässt.»

Spannend fand Schmid, dass es auch direkte Rückmeldungen aus dem Umfeld der SBB gab. «Mehrfach wurde uns bestätigt, dass die Probleme schon längst erkannt und thematisiert worden sind.» Bis es zu Veränderungen komme, dauere es jedoch viel zu lange. «Viele Immobilienprojekte und der digitale Wandel hatten lange Zeit grössere Priorität», weiss Schmid aus Rückmeldungen und folgert daraus: «Diesen Projekten wurde offensichtlich zu viel untergeordnet.»

Schmid erwartet eine Antwort vom SBB-Chef

Für Schmid ist klar: Die SBB müssen die Petition ernst nehmen und darauf reagieren. Er erwartet denn auch eine schnelle Antwort auf die Bittschrift – und zwar von SBB-Chef Ducrot höchstpersönlich.

«Vor allem wünschen wir uns auch eine Haltung in Bezug auf die Frage, wie sich die SBB wieder vermehrt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können und wann beziehungsweise wie sie der Bundespolitik verständlich machen wollen, dass die Aufgaben des Service public schlicht mehr Geld benötigen», sagt Schmid im Brustton der linken Überzeugung.

Aktuell zeige sich sehr schön, so Schmid, was geschehe, wenn die SBB aus ökonomischen Zwängen hinaus versuchten, das Kerngeschäft «irgendwie quer zu subventionieren».

Flugzug soll noch vor dem Fahrplanwechsel fahren

Eine der Hauptforderungen betrifft den Flugzug; er soll wieder fahren – und zwar schon vor dem Fahrplanwechsel. Ist das realistisch? Schmid bleibt optimistisch. «Es bleiben knapp zwei Monate», sagt er.

Er weiss aber auch: «Viele Menschen haben sich arrangiert, die Situation rund um die Eindämmung von Covid-19 dauert an oder muss wieder verschärft werden.» Deshalb würden aktuell wieder mehr Menschen mit dem Auto zur Arbeit fahren oder zu Hause bleiben. «Wir erwarten (und hoffen), dass eine Rückkehr auf das alte Angebot trotzdem schnellstmöglich passiert, also auch vor dem Fahrplanwechsel, wenn es denn möglich ist.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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