Frick
Nach-Sinn-Krise: Feinfühliger Musiker sucht Glücksmomente

Der einheimische Musiker Dionys Müller tritt im Fricks Monti auf – ein kurzer Zwischenhalt auf seinem Weg.

Janine Müller
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Dionys Müller tritt im Fricks Monti mit seiner Band nicht als Schlagzeuger, sondern als Sänger und Gitarrist auf.

Dionys Müller tritt im Fricks Monti mit seiner Band nicht als Schlagzeuger, sondern als Sänger und Gitarrist auf.

ZVG/Ralph Messmer

Er mag die Musik, wenn er spürt, dass sie echt ist, wenn sie von innen kommt; direkt aus dem Herz. Nach diesem Moment ist er stets auf der Suche, findet ihn urplötzlich während eines Konzerts oder einer Probe. Der Moment, wenn er spürt, dass sich die Musiker einander aufmerksam und respektvoll zuhören, sich die Töne der Instrumente verweben, ergänzen. Der Moment, in dem die Musik einfach fliesst; wenn sie groovt, wie er sagt. Es ist der Moment, in dem die Suche nach dem Moment des Glücks endet; jedenfalls für eine kurze Zeit.

Dionys Müller ist ein feinfühliger Musiker. Das zeigt sich auch in seiner Art, Musik zu machen. Egal ob als Schlagzeuger und Perkussionist oder als Sänger begleitet von seinem eigenen Gitarrenspiel. Die Musik von Dionys Müller ist oft sanft und eher leise. Er ist keiner dieser Schlagzeuger, die wie verrückt auf ihre Drums hauen; kein «heavy drummer», wie er sagt. Er mag Soul, Blues, Reggae, Gospel, Jazz und brasilianische Musik. Aber auch Funk, (Irish-)Folk, und Pop («nicht den Hochglanz-Pop»). Aber auch (Irish-)Folk und Pop («nicht der Hochglanz-Pop mit programmierten Beats») gehören zu seinen bevorzugten Stilrichtungen. Entsprechend vielfältig sind auch seine Engagements in verschiedenen Bands – aktuell beispielsweise Karin Portmann & Band aus Basel.

Zeiten der Krise

Doch die reichen längst nicht aus, um auch den Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine 50-Prozent-Stelle in einem Musikgeschäft in Basel, wo er auch wohnt, und der Unterricht an der Freaktal Drumschool an einem Nachmittag pro Woche bilden die einzige stetige Einnahmequelle des 38-Jährigen. Auch darum hat er sich vor zwei Jahren dazu entschlossen, an der Agostini Drum School in Olten eine vierjährige Ausbildung zum professionellen Schlagzeuglehrer in Angriff zu nehmen. Zu jener Zeit befand er sich in einer Art Sinn-Krise. Er fragte sich, ob sein Job schon alles gewesen ist in seinem Leben, ob er noch andere Möglichkeiten hat, sich zu verwirklichen. Hinzu kam, dass er den Tod eines zehn Jahre jüngeren Bandkollegen verkraften musste, der an einer seltenen Lungenkrankheit starb. Ein einschneidendes Ereignis, das ihn noch heute sichtlich bewegt.

Sich in einer solchen Phase zu einer Ausbildung zu entscheiden, das hat ihn einiges an Überwindung gekostet. Denn selber finanzieren kann er die Ausbildung nicht. Seine Eltern springen ein. «Es ist mir schon schwergefallen, sie um Unterstützung zu fragen. Erst recht in meinem Alter», gibt Dionys Müller zu, hält eine kurze Zeit inne und ergänzt dann: «Aber anders wäre es nicht gegangen.»

Auch einen Übungsraum stellen ihm die Eltern in ihrem Zuhause zur Verfügung. Denn Dionys Müller muss viel üben, um die Schule bestehen zu können. Doch die Schule gibt ihm auch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich ihm danach als professioneller Schlagzeuglehrer mehr Türen öffnen. Doch eines ist ihm noch wichtiger: «Ich will mich als Musiker weiterentwickeln, kompletter werden.»

Zeiten der Stille

So sehr sich auch sein Leben um die Musik dreht – er sucht sich auch Zeiten der Stille. Ganz bewusst. Das gehöre dazu wie die Ebbe zur Flut, erklärt er in seiner philosophischen Art. «Manchmal brauche ich den Abstand zum Instrument. Dann kann es vorkommen, dass ich es zwei, drei Tage nicht anfasse», erklärt Dionys Müller. Umso grösser sei dann die Freude, wieder zu spielen. Und so findet er auch im Alltag als Musiker stets diese kleinen Momente des Glücks.

Das Konzert in Fricks Monti ist am Mittwoch, 29. Oktober um 20.15 Uhr. Bands: «Monicka And The Wolf» und «Dionys & his funky sidekicks».