Wölflinswil

Nach Schutt am Wegrand: Gemeinderat identifiziert Umweltsünder und lässt Gnade walten

Bei seinem Sonntagsspaziergang stiess Gemeinderat Benjamin Herzog auf einen Schutthaufen. (Bild: zvg)

Bei seinem Sonntagsspaziergang stiess Gemeinderat Benjamin Herzog auf einen Schutthaufen. (Bild: zvg)

Trotzdem die Täter-Eruierung oftmals schwierig ist, konnte dieser Missetäter dank Mithilfe der Bevölkerung ermittelt werden. Ohne wäre es schwierig geworden.

Benjamin Herzog, Gemeinderat in Wölflinswil, staunte nicht schlecht, als er auf seinem Sonntagsspaziergang im Gewerbegebiet Hinterrain am Dorfrand Kies und Backsteine liegen sah. «Rund ein Kubikmeter an Bauschutt lag dort am Wegrand», sagt Herzog, der sich über den Anblick enervierte. «So geht es natürlich nicht, dass man auf Kosten der Natur seinen Abfall beseitigt.»

Auf eine Anzeige gegen unbekannt hat der Gemeinderat jedoch verzichtet. Denn der Umweltsünder konnte unmittelbar ausfindig gemacht werden. «In einem Dorf mit rund 1000 Einwohnern kennt man die Bewohner. Der Verdächtige hat es auch gleich gegenüber einem Mitarbeiter der Gemeinde zugegeben und den Bauschutt dann korrekt entsorgt», so Herzog.

Über das Motiv des Mannes kann Herzog nur spekulieren: «Im Allgemeinen ist es oftmals die Absicht, auf diese Art die Kosten für die legale Entsorgung zu umgehen», sagt Herzog. Bei der Waser AG im nur wenige Kilometer entfernten Hornussen hätte den Übeltäter die legale Entsorgung rund 100 Franken gekostet. Dies ist kein Vergleich mit dem, was auf den Übeltäter im Fall einer Anzeige zugekommen wäre. Gemäss Bundesgesetz über Umweltschutz droht dem Täter neben einer Busse eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Auch die Regionalpolizei Oberes Fricktal kennt das Problem mit den illegalen Entsorgungen. «Wir bekommen im Jahr mehrere Meldungen von Privatpersonen und Gemeinden», sagt Polizeichef Werner Bertschi. Hotspots im oberen Fricktal für illegale Entsorgungen gebe es keine, im Allgemeinen seien es Stellen im Wald nahe an Durchfahrtsstrassen, die bei illegalen Entsorgungen aufgesucht würden, so Bertschi.

Während man bei illegal entsorgten Abfällen zuweilen noch Hinweise auf den Verursacher finde, sei die Eruierung des Täters bei Bauschutt oder etwa Autoreifen bedeutend schwieriger. «Wenn wir wissen, dass der Vorgang des Entladens lange gedauert haben muss, starten wir einen Zeugenaufruf», sagt Bertschi. Eine zweite Möglichkeit sei, den Täter über spezielle Materialien im Schutt zu identifizieren. Beispielsweise über die spezielle Verzierung von Fliesen, wie es einmal bei einer illegalen Entsorgung in Schwaderloch der Fall war. «Die Täterschaft konnte nicht eruiert werden, weil es keine Hinweise aus der Bevölkerung gab», so Bertschi.

Mithilfe aus Bevölkerung ist entscheidend

Wie entscheidend solche Tipps sind, zeigten in der Vergangenheit zwei Fälle. Im Sommer 2017 verteilte ein damals 26-Jähriger über mehrere Wochen seinen Schutt – unter anderem landeten Teile eines alten Kamins und ein WC-Becken mit Spülkasten im Kaister Hardwald. Schlussendlich führten Hinweise aus der Bevölkerung – er transportierte gerade wieder Bauschutt mit einem Traktor – zu seiner Ergreifung.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Herbst 2017 als ein Transportunternehmer aus Zürich in Unterbözberg, Untersiggenthal sowie im Staffeleggtal mehrmals illegal Bauschutt entsorgte. Nach tagelangen Ermittlungen konnte der Täter gefasst werden – nachdem bei der Polizei ein entscheidender Hinweis zu einem abgebrochenen Gebäude eingegangen war.

Autor

Dennis Kalt

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