Kaiseraugst
Nach Ortsbürger-Nein: Schnappt sich jetzt ein privater Investor die «Sonne»?

Die Ortsbürgergemeinde will erneut über den Kauf des Gasthofes abstimmen – womöglich zu spät. Verhandlungen mit privaten Investor gehen heute in die heisse Phase

Dennis Kalt
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Der Gasthof Sonne wurde bereits 1850 in der Dorfgeschichte erwähnt. Dennis Kalt

Der Gasthof Sonne wurde bereits 1850 in der Dorfgeschichte erwähnt. Dennis Kalt

Dennis Kalt

Mit der «Sonne» wollte die Ortsbürgergemeinde nach dem Kauf des «Adlers» den zweiten Gasthof innert weniger Monate erwerben. Doch daraus wurde nichts. Mit 19:28 Stimmen scheiterte der Kauf der «Sonne» und eines benachbarten Mehrfamilienhauses für rund zwei Millionen Franken am Votum der Ortsbürger.

Gegen diesen Entscheid hat Lorenz Schmid erfolgreich das Referendum ergriffen. Er sammelte 30 Stimmen bei den Ortsbürgern, nötig gewesen wären 19. Laut Gemeindeschreiber Roger Rehmann wird voraussichtlich Mitte Oktober über das Referendum abgestimmt.

Verhandlungen über den Preis

Allerdings könnte dann über die Zukunft des Gasthofes bereits schon längstens entschieden worden sein, denn: «Wir stehen in Verhandlungen mit einem privaten Investor und werden uns am Mittwoch mit ihm zu einem Gespräch treffen», sagt «Sonnen»-Wirtin und Besitzerin Vera Müller. Dabei liegen die Preisvorstellungen der beiden Verhandlungsparteien für die «Sonne» und ein benachbartes Mehrfamilienhaus mit drei Wohnungen nicht weit voneinander entfernt. «Falls wir uns über den Preis einig werden, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er den Zuschlag bekommt», sagt Vera Müller. Zudem sei es ja auch fraglich, ob die Ortsbürger an der Referendumsabstimmung tatsächlich für den Kauf der «Sonne» votieren.

Freude über das zustande gekommene Referendum verspürt das Wirtspaar nicht: «Wir sind immer noch über den Ablauf der Ortsbürgerversammlung enttäuscht», sagt Vera Müller. So habe man sich im Vorfeld notariell auf einen Kaufpreis von 2,2 Millionen Franken plus Inventar geeinigt; der Kaufpreis wurde jedoch an der Ortsbürgerversammlung durch einen Änderungsantrag auf zwei Millionen Franken plus Inventar gedrückt. Dies, weil zum einen durchsickerte, dass das nächsthöhere Angebot bei zwei Millionen Franken lag. Zum anderen bezeichneten einige Ortsbürger die Haustechnik und das Inventar der «Sonne» als veraltet. «Diese ungerechtfertigte Kritik hat uns sehr verletzt», sagt Vera Müller. Auch Oskar Müller hielt in einem Interview mit der az dagegen: «Ein neuer Pächter könnte den Gasthof in seinem jetzigen Zustand problemlos weiterbetreiben.»

Seit rund vier Jahren befinden sich Oskar und Vera Müller schon in Kontakt mit einem privaten Investor, der plant, das Mehrfamilienhaus der benachbarten Parzelle abzureisen und dort sowie auf dem «Sonnen»-Parkplatz eine Überbauung mit sieben Wohnungen samt Tiefgarage zu errichten. Weitere drei Wohneinheiten sollen in der «Sonne» entstehen.

Vorverkaufsrecht für Ortsbürger

Als die Ortsbürgergemeinde jedoch überraschend und kurzfristig Interesse an der «Sonne» bekundete und diese als Gasthof weiterführen will, sistierte das Wirtspaar die Verhandlungen mit dem privaten Investor und räumte der Ortsbürgergemeinde ein Vorverkaufsrecht ein. «Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt riesig gefreut, weil die ‹Sonne› ein Markenzeichen von Kaiseraugst ist und auch wir gerne hätten, dass dort weiterhin bewirtet wird. Zudem wären die Arbeitsplätze unserer fünf Angestellten gesichert gewesen», erklärt Vera Müller.

Die «Sonne» selbst zu verpachten, stellt für das Wirtspaar mit jahrzehntelanger gastronomischer Erfahrung keine Alternative dar: «In der heutigen Zeit ist es schwierig, den Pachtzins zu erwirtschaften. Ich denke, die Ortsbürgergemeinde würde sich diesbezüglich mit dem neuen Wirt arrangieren», sagt Vera Müller, die zusammen mit ihrem Mann noch bis zum 31. Dezember 2017 den Gasthof Sonne bewirten wird.