«Es lag eine seit Jahren gewachsene mehrdimensionale Krisensituation vor. Die Eskalationsstufe der Krise erreichte eine Intensität, dass eine Win-win-Situation für alle Beteiligten nicht mehr möglich war», sagte Hanspeter Draeyer an der Informationsveranstaltung zur Schulorganisation in Möhlin vom Dienstagabend.

Draeyer war 2016 nach der externen Schulevaluation als externer Managements- und Organisationsberater vom Gemeinderat engagiert worden. Sein Mandat: Unterstützung bei den Stellenbesetzungen der Gesamtschulleitung, der Stellvertretung und der Leitung der Schulverwaltung. Draeyer gelangte 2016 in der ersten Phase seiner Analyse zur Auffassung, dass die Besetzung der Stelle eines Gesamtschulleiters keinerlei Sinn macht, wenn sich in der Zwischenzeit das System der Schule Möhlin im Rahmen einer Organisationsentwicklung nicht so weit weiterentwickelt, dass eine neue Person überhaupt eine Chance hat. «Keine Fehlerkultur und Nulltoleranz, starke und unsichtbare Machtstrukturen und immer auf der Suche nach dem Negativen. Glücklicherweise konnte eine Ausweitung der Krise auf die Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Aufsichtsorganen sowie eine spürbare Beeinträchtigung der Unterrichtsqualität vermieden werden», so das Resümee von Draeyer.

Durch den Ausfall des Gesamtschulleiters verlor die Schulpflege den Kontakt zu den Schulen. Eine Neuorganisation war bitter nötig. Draeyers Strategie: Verständnis der Organisation Schule als Expertensystem, partizipative Führungsarbeit lernen und erleben lassen, gemeinsame Orientierung geben, Potenziale stärken und mit den Willigen arbeiten.

Schlanke Führungsstrukturen

Die Schulorganisation 2018 von Möhlin kommt nun ganz ohne Gesamtschulleitung aus, dafür aber mit schlanken Führungsstrukturen. Fünf Schulpflegemitglieder, vier Mitglieder der Schulverwaltung, zwei Mitglieder der Schulsozialarbeit und sechs Schulleitungen auf einer Ebene. Priska Artico leitet die Primarschule Fuchsrain, Christian Bittel den Kindergarten, Elli Eberhart die Primarschule Obermatt, Jacqueline Kym die Primarschule Storebode, Astrid Zeiner die Real- und Sekundarschule Steinli und Philipp Iten die Bezirksschule. Iten ist gleichzeitig auch Vorsitzender der Schulleitungskonferenz. Draeyer zeigte sich mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden: «Das neue Schulleitungsmodell hat den Stresstest bestanden, die Schulführung hat sich zusammengerauft. Schulpflege, Schulleitungen und Schulverwaltung arbeiten wieder Hand in Hand», sagte er. Und weiter: «Die Kollegien vertrauen wieder der Schulführung, die Zusammenarbeit wurde auf allen Ebenen verbessert, es ist Ruhe und Zufriedenheit eingekehrt. Die Schulführung entwickelte ein neues Führungsverständnis mit geringerem institutionellem Selbstschutz und Eigeninteressen.»

Änderungen im Lehrplan

Vorgestellt wurden am Infoabend auch die wichtigsten Änderungen und Neuerungen im Lehrplan ab dem Schuljahr 2020/21: «Textiles und Technisches Gestalten» wird bereits ab der 1. Klasse unterrichtet, Französisch wird um ein Jahr vorgezogen, von der 6. Klasse neu auf die 5. Klasse, «Medien und Informatik» steht ab der 5. Klasse auf dem Lehrplan. An der Oberstufe erfolgt der Kompetenzaufbau der Fachbereiche «Natur und Technik» mit Biologie, Physik und Chemie und «Räume, Zeiten, Gesellschaften» mit Geschichte und Geografie. Die Pflichtlektionen an der Realschule werden zudem deutlich ausgebaut.

Neuigkeiten gab es auch vom Aargauer Regierungsrat. Das 2014 sistierte Projekt «Optimierte Führungsstrukturen der Aargauer Volksschule» wurde vom Regierungsrat wieder auf die Agenda gesetzt. Zur Vorlage stehen drei Themenfelder. Zum einen geht es um eine Neuorganisation der kommunalen Führungsstruktur ohne Schulpflegen, die Diskussion um eine Neugestaltung der Aufgaben der kantonalen Räte sowie eine Erhöhung der Schulleitungspensen gesamtkantonal um durchschnittlich zehn Prozent. Die obligatorische Anhörung endete am 1. Dezember. Nach den Beratungen im Grossen Rat 2019 folgt im Mai 2020 die Volksabstimmung.