Gartenbauer René Leuenberger bringt auf den Punkt, was in Laufenburg derzeit wohl alle denken: «Mega-Schwein gehabt!» Er spricht den Unfall vom letzten Freitag an.

Kurz nach 18.30 Uhr fährt ein 36-jähriger Lohnunternehmer mit seinem Sattelschlepper durch Laufenburg. Seine Ladung – eine Arbeitsmaschine – ist zu hoch, bleibt an der Fussgängerbrücke hängen und reisst sie ein.

Eine entgegenkommende Automobilistin wird leicht verletzt, ihr Fahrzeug erleidet Totalschaden. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Hunderttausend Franken, die Brücke ist nur noch Schrott.

Leuenberger atmet tief durch. «Wäre der Unfall tagsüber passiert, hätte er leicht in einer Katastrophe enden können.» Denn tagsüber wird die Passerelle von den Kindergärtlern und Primarschülern benutzt, um die stark befahrene Winterthurerstrasse sicher zu überqueren.

«Wir hatten grosses Glück», ist sich Stadtammann Herbert Weiss bewusst. Sein Amtsvorgänger, Rudolf Lüscher, spricht von «enorm viel Glück im Unglück». Er ist überzeugt: «Das hätte ganz schlimm enden können.»

Es braucht eine neue Passerelle

Für alle drei ist klar: Die Passerelle muss wieder aufgebaut werden. Denn: «Die Fussgängerüberführung sichert den Schulweg ab und ist deshalb eminent wichtig», sagt Lüscher. Auch Weiss hält es aus Sicherheitsgründen für keine Option, dass die Schüler künftig die Strasse per Fussgängerstreifen überqueren.

Leuenberger, selber Vater von schulpflichtigen Kindern, sieht neben der Sicherheit der Schulkinder einen zweiten Grund, weshalb die Passerelle «so schnell wie möglich» ersetzt werden muss: «Sie ist wichtig, um den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten.»

In den Hauptverkehrszeiten bilden sich bereits jetzt wegen der Fussgängerstreifen bei der Bäckerei Maier und der Neuen Aargauer Bank längere Rückstaus. «Wenn nun auch noch die Schulkinder die Strasse überqueren müssen, gibt es vor Schulbeginn und nach Schulschluss noch zusätzliche und lange Rückstaus.»

Stadtammann Weiss weiss um die Dringlichkeit, hält aber einen Wiederaufbau innert weniger Tage für wenig realistisch. Er rechnet mit «Wochen bis Monaten», bis eine neue Passerelle steht. Zuerst müsse die Schuldfrage geklärt werden, dann müssten Offerten eingeholt und die Brücke gebaut werden.

In der Zwischenzeit kann sich Weiss ein Provisorium vorstellen. Das könne eine «Notübergang» sein oder auch ein verstärkter Lotsendienst. «Die Sicherheit der Kinder muss in jedem Moment gewährleistet sein.» Der Gemeinderat hat sich bereits gestern Abend ein erstes Mal mit dem «Wie weiter?» befasst.

Ein Versicherungsfall – oder?

Klar ist für Weiss, wer den Schaden übernehmen muss: «Die Versicherung des Unfallverursachers.» Alles andere «würde ich nicht verstehen». Denn die Stadt trage keine Mitschuld, wenn jemand mit überhöhter Ladung in die Passerelle fahre; die Fussgängerbrücke sei strassenkonform gebaut gewesen.

Keine Option ist es für Weiss, jetzt das alte Projekt einer Unterführung aus der Schublade zu nehmen. Das sei zu teuer. In den 1960er-Jahren geisterte ein solches Projekt ein erstes Mal durch Laufenburg. Eine Unterführung, so der Plan, sollte die Fussgänger vom Hotel Bahnhof bis hinter den Bahnhof führen, wobei ein Auf- und Abgang bei der Bäckerei Maier angedacht war.

Passerelle statt Unterführung

Das Projekt kam nicht, wurde jedoch noch mehrfach zur Diskussion gestellt – auch Anfang der 1980er-Jahre, als die Passerelle geplant wurde. Ein Kämpfer für die Unterführung war René Leuenberger senior. Für ihn war die Passerelle der falsche Weg. Die Mehrheit war anderer Ansicht und so wurde die Passerelle 1983 errichtet. Zuerst nur als Provisorium, für fünf Jahre.

Aus dem Provisorium wurde ein Dauerprovisorium, das bis letzte Woche hielt. 2006 wurde die Passerelle letztmals saniert; eine neuerliche Sanierung wäre in den nächsten Jahren bevorgestanden. Diese erübrigt sich nun, was der Stadt einige Tausend Franken erspart.