Gipf-Oberfrick
Nach jahrelangen Diskussionen: Ein Dorf steht vor dem Schul-Showdown

Am Freitag entscheiden die Stimmberechtigten von Gipf-Oberfrick über die Oberstufe. Die Meinungen sind gemacht.

Thomas Wehrli
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Eine emotionale Gemeindeversammlung ist im Anflug auf Gipf-Oberfrick. Schuld ist die Oberstufe (links).

Eine emotionale Gemeindeversammlung ist im Anflug auf Gipf-Oberfrick. Schuld ist die Oberstufe (links).

Gerry Thoenen

Die Wetterprognose für Gipf-Oberfrick am Freitagabend: Sehr heiss, schwül, hohe Gewitterwahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit dieser Prognose? 100 Prozent – zumindest in der Mehrzweckhalle, denn hier tagt die Gemeindeversammlung und entscheidet über die weitere Ausrichtung der Oberstufe. Der Gemeinderat möchte mit Frick kooperieren und die bislang eigenständige Real- und Sekundarschule mit derjenigen von Frick zusammenlegen. Der Standort bliebe erhalten, das Sagen hat danach aber Frick.

Seit diese Pläne vor gut zwei Jahren publik wurden, hält sich eine Gewitterwolke hartnäckig über dem Dorf – und entlud sich so manches Mal unter lautem Donnergrollen. Das letzte Mal an einer Infoveranstaltung Mitte Juni, an der gegen 180 Personen teilnahmen. Der unüberhörbare Tenor: Wir wollen, dass die Oberstufe eigenständig bleibt.

Gemeindeammann Regine Leutwyler macht sich denn auch keine Illusionen: «Die Meinungen sind gemacht», sagt sie. Anhand der Reaktionen geht sie nicht davon aus, dass der gemeinderätliche Antrag durchkommt. Weshalb setzt der Gemeinderat das Geschäft dann nicht ab? «Es ist gut, wenn ein klarer Entscheid für oder gegen die Zusammenarbeit vorliegt.» Gebe es ein Nein, «können wir das Thema ruhen lassen».

3 Gründe für ein Ja

Regine Leutwyler hält die Zusammenarbeit mit Frick «für eine zukunftsorientierte Lösung». Dafür spricht für sie:

- Der Erhalt. «Das Zusammengehen mit Frick sichert den Schulstandort auf lange Sicht.» Die Leitung einer gemeinsamen Oberstufe liege zwar bei Frick. «Beim Aushandeln der Modalitäten können wir aber unsere Bedingungen stellen.»

- Die Pensen. Leutwyler sieht auch Vorteile für die Lehrer in einer gemeinsamen Lösung. «Die Lehrer haben so eine grössere Pensensicherheit.»

- Die Sicherheit. In den nächsten «zwei bis drei Jahren» hat die Oberstufe wohl genügend Schüler, um eigenständig zu bleiben. Das räumt Leutwyler ein. Niemand könne aber garantieren, dass dies so bleibe. Es müssten nur einige wegziehen oder mehr als erwartet eine höhere Schulstufe besuchen. «Dann kann es eng werden.» Erreicht eine Klasse die Mindestzahl nicht, muss die Gemeinde für deren Kosten aufkommen.

Hoffen auf ein Nein

Auf ein Nein hofft Ignaz Heim von der IG «Pro Oberstufe Gipf-Oberfrick». Seit Juni 2015 bekämpft er den Zusammenschluss an vorderster Front. Aus dem anfänglichen Frust, dass der Gemeinderat die Frage seiner Ansicht nach gar nicht genügend geprüft «und sich einfach Frick an den Hals geworfen» hat, wuchs bald die Überzeugung: Der Gang nach Frick ist unnötig, ja: kontraproduktiv und schädlich.

Die Stimmung im Dorf spricht für ihn. Dennoch wollen er und die anderen IG-Vertreter am Freitag rhetorisch nochmals Vollgas geben. «Es wäre fatal, wenn wir uns bereits jetzt in Sicherheit wiegen würden», sagt er. «Sicher kann man sich erst sein, wenn das Geschäft erledigt ist.» Das heisst: Wenn der gemeinderätliche Antrag begraben ist.

Den Grund für die massive Ablehnung ortet Leutwyler im «Gefühl vieler Leute, dass es sich beim Projekt nicht um eine Zusammenarbeit handelt, sondern dass wir die Schule aufgeben». Dies sei nicht der Fall und auch bei der Ausgestaltung der Umsetzung könne Gipf-Oberfrick mitreden. Danach, das verhehlt Leutwyler nicht, sei Frick im Lead. «Das klappt seit 150 Jahren bei der Bezirksschule einwandfrei.»

3 Gründe für ein Nein

Ignaz Heim hält einen Zusammenschluss der beiden Oberstufen «für den völlig falschen Weg». Dagegen spricht für ihn:

- Der Zeitpunkt. «Es besteht absolut keine Dringlichkeit, der Standort ist nicht gefährdet.» In den nächsten Jahren habe man für alle Abteilungen genügend Schüler. «Jetzt die Eigenständigkeit aufzugeben, wäre deshalb nicht nur unnötig, sondern auch widersinnig.»

- Die Pädagogik. «Gipf-Oberfrick ist eine kleine Schule und funktioniert sehr gut.» Die Kleinheit hält Heim für wertvoll und sieht sie auch als Verkaufsargument, um eine weitere Gemeinde zu gewinnen. «Wenn eine Gemeinde mehr ihre Schüler schickt, ist die Schule auf lange Sicht gesichert.»

- Die Sicherheit. Werde die Schule von Frick aus geführt, «ist der Standort trotz anderslautenden Aussagen hochgradig gefährdet», ist Heim überzeugt. Gipf-Oberfrick als Aussenstandort beizubehalten, sei organisatorisch ein Unding.

Aktiv auf Gemeinden zugehen

Der Gemeinde gehe es darum, eine langfristig gute Lösung zu finden, sagt Leutwyler. In den nächsten Jahren erfüllt Gipf-Oberfrick die Mindestschülerzahlen für alle Abteilungen. «Ob das aber mittelfristig immer der Fall sein wird, weiss niemand.» Ein Restrisiko besteht zudem darin, dass eine der drei Talgemeinden, die ihre Real- und Sekundarschüler nach Gipf-Oberfrick schicken, den Vertrag kündigt. «Dann haben wir definitiv ein Problem.»

Das hält Ignaz Heim für wenig realistisch. Um auf Nummer sicher zu gehen, fordert er vom Gemeinderat, dass dieser bei einem Nein «umgehend auf andere Gemeinden zugeht». Mit Eiken, Münchwilen, Herznach oder auch Küttigen gebe es derzeit mehrere mögliche Gemeinden, die eine Lösung für ihre Oberstufe suchen. «Wenn wir nur eine zusätzliche Gemeinde gewinnen können, dann sind die Schülerzahlen kein Thema mehr, dann ist die Schule auf lange Sicht gerettet», ist er überzeugt.

Beide, Heim wie Leutwyler, erwarten eine emotionale Debatte. «Das hat sich der Gemeinderat selber zuzuschreiben», sagt Heim. «Er hat zu lange im Hinterzimmer agiert und dann eine fast faktenfreie ‹Lösung› präsentiert.»