Fricktal

Nach Grenzöffnung: Sind die Aargauer Restaurants jetzt die grossen Verlierer?

Andy Neaves vom Rheinfelder Restaurant Rhein-Mühle.

Andy Neaves vom Rheinfelder Restaurant Rhein-Mühle.

Nach der Grenzöffnung müssen sich Wirte und Händler auf beiden Seiten des Rheins neu aufstellen. Das sagen deutsche und Fricktaler.

Jubel über die am Montag wieder geöffnete Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Wer sind die Nutzniesser, wer die Verlierer?

Über drei Monate, Mitte März bis Mitte Juni, hatte die Coronakrise für geschlossene Grenzen gesorgt. Während der Lebensmittelhandel offenblieb, musste die Gastronomie auf beiden Seiten des Rheins run­terfahren. Erst seit 11. Mai (Schweiz) und 18. Mai (Baden-­Württemberg) dürfen Wirte wieder Gäste empfangen.

Dimitrios Georgas vom Restaurant Athen in Laufenburg (D) hat die Coronazeit als «ganz schlimm» in Erinnerung. Aber jetzt ziehe das Geschäft wieder an – dank der Schweizer, die seit Montag wieder ganz offiziell kommen dürfen. Sogar auf den sonst üblichen Ruhetag hat Georgas verzichtet, um für die Schweizer gleich am ­ersten Tag der Grenzöffnung wieder da zu sein. «Jetzt müssen wir wieder zur Normalität zurück.» Und das heisst für den Griechen 70 Prozent Schweizer Kundschaft.

Am Montag noch kein grosser Run auf Gasthäuser

Die fehlte in den vier Wochen zwischen Mitte Mai und jetzt auch dem Bad Säckinger Restaurant Zum Viertele. Wobei bei Wirtin Veronika Bartl am ersten Tag der Grenzöffnung der grosse Run noch ausblieb: «Die Schweizer wollten sich vermutlich erst einmal mit Lebensmitteln eindecken», schätzt sie. Aber davon, dass sie bald wieder in grösserer Zahl kommen, ist sie überzeugt.

Wenn das Essengehen jetzt wieder im billigeren deutschen Ausland möglich ist, sind so die grenznahen Fricktaler Gastro­nomen die Verlierer? Am ersten Tag der Grenzöffnung hatte Andy Neaves vom Restaurant Rhein-Mühle in Rheinfelden noch Ruhetag. Doch am gestrigen Dienstag, sagt er, sei es so wie immer gewesen und niemand wegen der Grenzöffnung ausgeblieben. «Ich denke, dass das auch so bleiben wird», gibt er sich optimistisch. Keine Angst vor der grenznahen Gastronomie in Bad Säckingen habe auch Irène Hofmann-Weber vom «Steinbock» in Stein, wie sie betont. «Ich habe mich jetzt in direkter Grenzlage zweieinhalb Jahre halten können», sagt sie. Wenn das Gesamtpaket stimme, habe man gute Chancen.

Rheinfelder Bioladen als Coronagewinner

Hoffnungsvoll sieht Raphaël Carmeli vom Bioladen L’Ultimo Bacio in Rheinfelden in die Zukunft. Auch während des Lockdowns geöffnet, ist er der Coronagewinner schlechthin: «In den drei Monaten habe ich so viel Umsatz wie noch nie in meinen jetzt 37 Berufsjahren machen können.» Dass das mit der Grenzöffnung nicht so bleibt, ist ihm klar. Dennoch geht er davon aus, dass sein Kundenstamm nicht auf den Vor-Corona-Stand zurückfallen wird.

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