Beim Zusammenstoss eines Piper-Kleinflugzeugs der Flugschule Basel mit einem Rettungshelikopter in Oberhausen in Baden-Württemberg gab es am Dienstag vier Tote. Nun ist klar: Die beiden Schweizer Opfer gehörten der Motorfluggruppe Fricktal an.

Es handelt sich bei ihnen um den 61-jährigen A.M*, der als Instruktor an Bord der Piper war. A.M. war Flugplatzleiter des Flugplatzes Schupfart und dort gleichzeitig Cheffluglehrer. Sein Flugschüler war am Dienstag der 48-jährige W.P.*, der in Laufenburg wohnhaft war und im Fricktal auch schon als Schulleiter gearbeitet hat.

Präsident informierte Angehörige

Der Schock bei der Motorfluggruppe Fricktal sitzt entsprechend tief. «Der Absturz macht uns fassungslos und zutiefst traurig», heisst es in einer Traueranzeige auf der Website des Vereins. «Es ist eine grosse Tragödie», versucht Präsident Cornelius Bürgin, die Geschehnisse in Worte zu fassen. «Wir sind ein sehr familiärer Verein. Nicht nur die Piloten kennen sich gegenseitig, sondern man kennt auch die Familien.»

Die Motorfluggruppe Fricktal und die Flugschule Basel haben auf ihrer Website eine Traueranzeige aufgeschaltet.

Die Motorfluggruppe Fricktal und die Flugschule Basel haben auf ihrer Website eine Traueranzeige aufgeschaltet.

Und so hat Bürgin diese Woche auch die Aufgabe übernommen, die Angehörigen der beiden Opfer über den tragischen Unfall zu informieren. «Das war mir ein Anliegen», sagt er. «Wir haben den Angehörigen auch Hilfe und Unterstützung angeboten.»

In dieser schweren Zeit rückten die Vereinsmitglieder noch enger zusammen, sagt Bürgin. «Wenn zwei Piloten miteinander fliegen, achten sie jeweils aufeinander und unterstützen sich», erklärt er. «Was in der Luft funktioniert, soll nun auch auf dem Boden funktionieren.»

Bürgin betont, dass es sich bei beiden Unfallopfern um Piloten mit viel Flugerfahrung handle. Der Instruktor war lange Jahre bei der Swissair als Flugkapitän und Instruktor tätig und hat nach seiner Pensionierung den Posten als Flugplatzchef und Cheffluglehrer in Schupfart übernommen.

Der Flugschüler befand sich in der Ausbildung zum Berufspiloten und war angehender Fluglehrer. Der Unfall sei für ihn unerklärlich, so Bürgin weiter. Zumal die Wahrscheinlichkeit einer Kollision in der Luft äusserst gering sei.

Langjähriger Berufspilot zum Absturz: «Absolut unverständlich»

Auch für den langjährigen Berufspiloten Ernst Metzger aus Sisseln, der vor zwei Jahren mit rund 12'000 Flugstunden im Gepäck pensioniert wurde, ist der Unfall «absolut unverständlich» und mache ihn tief betroffen, wie er sagt. Er hat A.M. gekannt und ist auch mehrfach mit ihm geflogen – das erste Mal vor rund 40 Jahren nach England. «Er war ein Super-Typ, stets freundlich und hatte wahnsinnig viel Erfahrung», so Metzger.

Und: «Er war überhaupt kein Haudegen.» Er habe 13 Kollegen bei Abstürzen mit Kleinflugzeugen verloren, sagt Metzger, «einige von ihnen waren Haudegen, die sich gerne beweisen wollten» A.M. sei jedoch «das genaue Gegenteil» gewesen.

Auch W.P. sei äusserst umsichtig gewesen, sagt Markus Obrist. Die beiden Männer haben als Schulpflegepräsident und Schulleiter zusammengearbeitet und daraus ist eine Freundschaft entstanden. «Ich hatte höchstes Vertrauen in ihn», sagt Obrist.

«So habe ich sogar meine Flugangst überwunden und bin gerne mit ihm mitgeflogen.» Mit einer «tiefen Betroffenheit» habe er vom Absturz erfahren, so Obrist weiter. «Meine Gedanken sind bei seiner Frau und seiner kleinen Tochter.»

Untersuchung zur Absturzursache ist im Gang

Wie es zum Unglück kommen konnte, versucht die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen zu ermitteln. Sie war mit drei Mitarbeitern an der Absturzstelle vor Ort. «Wir unterstützen die Behörden bei ihren Untersuchungen», sagt Cornelius Bürgin.

«Piloten sind immer an der lückenlosen Aufklärung von Zwischenfällen und Unfällen interessiert.» Dabei sei es viel wichtiger, dass die Untersuchung sauber und sorgfältig durchgeführt werde, als dass schnell ein Resultat vorliege.

Diese Aufklärungskultur und das Lernen aus den Erkenntnissen habe die Fliegerei auf das heutige Sicherheitsniveau gebracht, ist Bürgin überzeugt. «Es kann aber auch sein, dass sich herausstellt, dass ein tragischer Zufall die Unglücksursache ist», so Bürgin, «dann müssen wir das akzeptieren.»

* Namen der Redaktion bekannt