Orientierungslauf
Nach EM-Medaille: Das nächste Ziel dieses Fricktalers heisst Lettland

Die EM-Medaille über die Langdistanz ist für Matthias Kyburz Erleichterung und Motivation zugleich.

Marc Fischer
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Bei der Heim-EM holte Matthias Kyburz vier Medaillen, darunter erstmals eine in der Langdistanz (im Bild). Am Wochenende krönte er seine Saison mit dem dritten Gesamtweltcup-Sieg in Serie. Davide Agosta/KEy

Bei der Heim-EM holte Matthias Kyburz vier Medaillen, darunter erstmals eine in der Langdistanz (im Bild). Am Wochenende krönte er seine Saison mit dem dritten Gesamtweltcup-Sieg in Serie. Davide Agosta/KEy

KEYSTONE

Gold im Sprint, Gold über die Mitteldistanz, Silber mit der Männerstaffel, Silber über die Langdistanz. Bei vier Starts an der Orientierungslauf-Europameisterschaft im Tessin holte der Möhliner Matthias Kyburz viermal Edelmetall. «Genial», sei diese Bilanz, freut sich Kyburz, «es ist mir super aufgegangen.» Mit der Silbermedaille über die Langdistanz zum Abschluss der Heim-EM hat der vierfache Welt- und fünffache Europameister eine Lücke in seinem Palmarès geschlossen und die erste Medaille an einem internationalen Grossanlass in der Königsdisziplin geholt.

«Die Erleichterung darüber ist gross», sagt Kyburz. «Ich hatte es ja schon oft versucht und nun hat es endlich geklappt.» Zur Krönung, zur Goldmedaille über die Langdistanz fehlten dem Fricktaler am Ende 52 Sekunden. Bei Posten 25 unterlief Kyburz ein Fehler, der viel Zeit kostete. «Ich lief knapp an einem Posten vorbei und musste schliesslich fast zwei Minuten investieren», blickt er auf die entscheidende Rennsituation zurück. «Wenn man sieht, dass ich nur gut 50 Sekunden auf Sieger Olav Lundanes verloren habe, weiss ich, wo ich das Rennen verloren habe.» Der Ärger hält sich jedoch in Grenzen. «Es ist Klagen auf hohem Niveau», sagt der vierfache Medaillengewinner. Die Freude über die erste Langdistanz-Medaille überwiege.

Live-Bilder im Fernsehen

Gefreut hat sich Kyburz auch über das Publikumsinteresse im Tessin. «Es hatte viele Zuschauer und vor allem der Applaus und die Anfeuerungen, wenn wir die Arena passiert haben, waren eine Extramotivation.» Auch das Schweizer Fernsehen übertrug live und holte so die Sportler, die sonst eher selten im Mittelpunkt stehen, ins Rampenlicht. «Es ist schön, dass die Läufe übertragen wurden und wir so unseren Sport repräsentieren konnten.»

Natürlich bestehe auch die Hoffnung, dass durch die Medienpräsenz rund um die Europameisterschaften der eine oder andere Sponsor den Verband oder einen Einzelsportler unterstütze. Allerdings ist sich Kyburz auch bewusst: «Orientierungslauf war nun eine Woche lang in den Medien präsent, nun schwindet das Interesse aber wohl wieder.»

In einem Sport zur Weltelite zu gehören, der von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wird, mache ihm nichts aus, so Kyburz. «Ich habe den Sport ja gewählt, weil er mir Spass macht.» Eines allerdings nervt den Möhliner, der nach Abschluss seines Studiums Ende des letzten Jahres als Vollprofi unterwegs ist. «Ich wehre mich dagegen, dass es heisst, unsere Sportart sei weniger professionell, nur weil die Medienpräsenz nicht so hoch ist. Wir Orientierungsläufer investieren viel in unseren Sport und sind sehr professionell.»

Weltmeisterschaften im August

Mit vollem Einsatz dabei sein will Kyburz auch künftig. Dass mit der Langdistanz-Medaille eine Lücke im Palmarès geschlossen ist, ändere nichts an seiner Motivation, sagt er. «An Weltmeisterschaften fehlt mir die Langdistanz-Medaille noch», sagt er «und Gold habe ich in dieser Disziplin auch noch nicht gewonnen.» Und so hat er sein nächstes grosses Ziel auch bereits vor Augen: die Weltmeisterschaften, die vom 3. bis zum 12. August in Lettland stattfinden. «Nach den Resultaten an der EM werden die Erwartungen sicher nicht kleiner», so Kyburz.

In Lettland werden zum letzten Mal komplette OL-Weltmeisterschaften ausgetragen. Ab 2019 finden abwechselnd städtische und Wald-Weltmeisterschaften statt. Allenfalls werden dann auch neue Disziplinen ausgetragen. «Ich fand das bisherige System gut», sagt Kyburz. Er sei aber auch dem neuen Modus gegenüber offen. Gerade die urbanen Titelkämpfe böten die Möglichkeit, die Wettkämpfe in neuen Ländern oder Regionen auszutragen.