Sisseln

Nach Elektra-Nein: Die Strom-Frage geht in die nächste Runde

Die Elektra Sisseln bleibt im Besitz der Gemeinde. Die Stimmberechtigten sagten an der Urne Nein zum Verkauf.

Die Elektra Sisseln bleibt im Besitz der Gemeinde. Die Stimmberechtigten sagten an der Urne Nein zum Verkauf.

Nach dem Nein zum Elektra-Verkauf an die AEW Energie AG soll nun das Modell «Externe Betriebsführung» umgesetzt werden. Definitiv zur Annahme und Umsetzung vorgelegt werden soll das Modell den Stimmbürgern an der Gemeindeversammlung vom 22. Juni.

Die Sissler Stimmberechtigten wollen ihre Elektra behalten. Sie bestätigten das knappe Verdikt der Gemeindeversammlung am Wochenende in der Referendumsabstimmung an der Urne. Bei einer Stimmbeteiligung von 44,1 Prozent stimmten 235 Sissler Nein, nur 199 sagten Ja zum Verkauf der Anlagen der Elektrizitätsversorgung.

Gemeindeammann Rainer Schaub zeigte sich «stark enttäuscht» über den Ausgang der Abstimmung, zumal in einer sehr kurzen Sammelaktion des Referendumskomitees um Walter Wicky 353 Unterschriften zusammengekommen seien.

Der Gemeinderat könne das Ergebnis nur schwer verstehen, so Schaub weiter. «Die Stimmbeteiligung war für ein zukunftsorientiertes und wohl für die Gemeinde einzigartiges Geschäft aus unserer Sicht unerwartet tief», so Schaub. Der Gemeinderat habe auf einen Wert von über 60 Prozent gehofft.

Entscheid im Juni

Gegen den Verkauf hatten sich an der Gemeindeversammlung und im Vorfeld der Abstimmung vor allem drei Mitglieder der Elektrakommission – Florian Lüthy, Ulrich Bögle und Peter Kneubühl – gewehrt. Lüthy sieht zwei Hauptgründe für das Nein der Bevölkerung.

Erstens hätten die Stimmberechtigten erkannt, dass es sich um einen langfristigen Entscheid handle und somit ein kurzfristiger Geldfluss keinesfalls das entscheidende Argument sein dürfe.

Zum Zweiten habe man die Vorteile einer externen Betriebsführung aufzeigen können. «Mit der Betriebsführung bleibt die Möglichkeit erhalten, dass die Strombezüger vom günstigen Marktstrom profitieren können», ist Lüthy überzeugt. Zudem könne die Gemeinde die Entwicklung so steuern, dass sie auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet ist, und die Stromkosten beeinflussen.

Tatsächlich soll das Modell nun rasch umgesetzt werden. Zwar sei aus Sicht des Gemeinderates lediglich der Punkt des Eigentums der Infrastruktur positiv zu bewerten, sagt Gemeindeammann Rainer Schaub. Dennoch: «Das Modell wird definitiv an der Gemeindeversammlung vom 22. Juni den Stimmbürgern zur Annahme und Umsetzung vorgelegt.»

Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Elektra-Kommission, des Gemeinderates und einer externen Beratung, habe die Verträge dazu bereits analysiert und verhandelt. Es seien deshalb nur noch wenige Arbeiten nötig. Als wichtige Elemente bei der Umsetzung nennt Schaub die Wahl eines kompetenten Partners und die Laufzeit.

Geld fehlt für Zukunftsprojekte

Florian Lüthy betont noch einen weiteren Punkt: Bei der Planung der Übergabe an den künftigen Betriebsführer müsse sichergestellt werden, «dass das Wissen über das Netz und unsere Kunden nicht verloren geht, dass Schnittstellen geklärt werden und dass das Jahr 2018 bereits vorgeplant wird».

Weiter gehe er davon aus, «dass der Gemeinderat die Kommission in die Finalisierung der notwendigen Verträge und den Übergang einbinden wird». Die Kommission werde sich wie in all den Jahren dafür einsetzen, dass eine für Sisseln gute Lösung entstehe. Unter dieser Prämisse werde er das Geschäft unterstützen, so Lüthy.

Bleibt die Frage nach den Finanzen. Auf Einnahmen von 7,1 Millionen Franken haben die Stimmberechtigten mit ihrem Nein zum Verkauf verzichtet. «Im Sissler Haushalt werden durch die nicht realisierten Verkaufserlöse keine Gelder fehlen, der Finanzplan hat nie auf diesen Einnahmen basiert», betont Schaub. Jedoch könnten Zukunftsprojekte wie etwa strategische Landkäufe oder Innovationsprojekte wie «fibre to the home» nicht oder nur sehr begrenzt realisiert werden.

Meistgesehen

Artboard 1