Bauland

Nach dem knappen Entscheid warnt der Gemeindeammann: «Das ist ein Risiko für Sisseln»

Das Gebiet an der Bahnhofstrasse in Sisseln bleibt Baugebiet – aber es wird (noch) nicht erschlossen.

Die Gmeind lehnt die Erschliessung eines grossen Baugebiets knapp ab. Gemeindeamman Rainer Schaub sieht in dem Entscheid ein gigantisches Risiko.

Am Ende machten gerade mal drei Stimmen den Unterschied. Mit 34 Nein- zu 31 Ja-Stimmen lehnte die Sissler Gemeindeversammlung am Donnerstagabend das Traktandum 6.2 «Verpflichtungskredit von 2,8 Millionen Franken für die Erschliessung Rütistrasse und Bahnhofstrasse» ab. Damit ist klar: Das gut 20'000 Quadratmeter grosse Baugebiet im südlichen Dorfteil in Richtung Eiken wird vorerst nicht mit Strasse, Entwässerung, Wasserversorgung und übrigen Werken erschlossen.

Vorausgegangen war dem Entscheid eine heftige Diskussion. «2,8 Millionen Franken ist richtig, richtig viel Geld», sagte Gemeindeammann Rainer Schaub. «Weshalb also wollen wir so viel Geld für eine Erschliessung ausgeben?» Die Frage beantwortete er gleich selbst: «Weil Bauland im Kanton ein knappes Gut ist und alles, was knapp ist, weckt Begehrlichkeiten.» Der Gemeinderat fürchtet die Ansätze von Kanton und Bund, die heutigen Baulandreserven in den Gemeinden zu prüfen – und gegebenenfalls umzuverteilen. Schaub verwies auf Kaisten und Mumpf, die beide um ihr Bauland kämpfen müssten. Auch er verspüre seitens Kanton einen «massiven Druck». Mit der Erschliessung im Gebiet Rütistrasse und Bahnhofstrasse sollen aber «jegliche Auszonungsbegehren von unterschiedlicher Herkunft verhindert werden», so Schaub.

Landwirt wehrt sich

Der Gemeindeammann zog als Argument die Gemeindefinanzen heran: «Das heutige Vermögen besteht zum grössten Teil aus Baulandreserven.» Eine Auszonung des Baulands würde einen massiven Wertverlust bedeuten. Gleichzeitig betonte Schaub, keine «Zupflasterungspolitik» betreiben zu wollen. Es gäbe keine konkreten Bebauungspläne. Ziel sei es vielmehr, das Baugebiet über die nächsten fünfzehn Jahre etappenweise zu veräussern.
Gegenwind kam von einem Votanten – dem Landwirt, der das betroffene Gebiet heute bewirtschaftet. Er stellte das Argument des Gemeinderats, das Sissler Bauland habe Begehrlichkeiten geweckt, infrage. Die Sissler Bau- und Nutzungsordnung sei vor gerade einmal drei Jahren vom Kanton so genehmigt worden, erinnerte der Votant. «Und keine Gemeinde mit frisch genehmigter Bau- und Nutzungsordnung musste je Bauland abgeben. Das trifft vielmehr jene Gemeinden, die ihre Hausaufgaben diesbezüglich nicht gemacht haben.» Es sei ausserdem eine Utopie, dass Sisseln Land auszonen müsse – gerade angesichts des vom Kanton definierten Entwicklungsschwerpunkts im Sisslerfeld.

Neuen Vorschlag ausarbeiten

Auch andere Votanten äusserten sich dahingehend, regten etwa an, stattdessen die bestehende Bahnhofstrasse zu sanieren. Der Landwirt wiederum schlug vor, das Baugebiet Stück für Stück zu erschliessen. «Wir stehen nicht unter Druck», sagte er. Gemeindeammann Schaub widersprach dem. Und: «Das Sisslerfeld wird unser Bauland nicht retten, denn Sisseln ist in den Planungen nicht als Wohn-, sondern als Arbeitsschwerpunkt vorgesehen.» Was derzeit politisch laufe, sei gefährlich, mahnte Schaub zum Schluss. Allerdings ohne Erfolg, wie die Abstimmung zeigte.

«Der Entscheid kam nicht ganz unerwartet», sagte der Gemeindeammann kurz nach der Versammlung gegenüber der AZ. Er konnte dabei seine Enttäuschung nicht ganz verbergen: «Der Entscheid erschwert unsere Situation. Er setzt die Gemeinde in den nächsten Jahren einem gigantischen Risiko aus.» Der Gemeinderat werde deshalb nun einen neuen Vorschlag ausarbeiten. Ziel sei es, an der nächsten Gemeindeversammlung am 21. November ein «reduziertes Projekt» vorlegen zu können, sagte Schaub.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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