Möhlin

Nach dem Heimatschutzpreis: Der Bata-Park ist ein Kraftort mit Gütesiegel

In den beiden alten Gewerbehallen (Bildmitte) wird heute gewohnt.

In den beiden alten Gewerbehallen (Bildmitte) wird heute gewohnt.

Der Bata-Park in Möhlin vereint Wohnen und Arbeiten. So wie es der Gründer wollte. Dafür gab es den Heimatschutzpreis. Was hat er gebracht?

Die frohe Botschaft erfuhr er aus der Zeitung. «Ich war überrascht, als ich las, dass wir für unser Engagement im Bata-Park den Aargauer Heimatschutzpreis erhalten», erzählt Reto Kuoni, Verwaltungsratspräsident der Jakob Müller Immobilien AG. Denn das Unternehmen wusste nicht, dass es für den Preis nominiert war – und der preisträchtige Brief aus Rheinfelden, wo der Heimatschutz seine Geschäftsstelle hat, hatte postalische Verspätung.

Den mit 10'000 Franken dotierten Preis erhielt das Fricker Unternehmen für ihren «vorbildlichen, sorgsamen und verantwortungsvollen Umgangs mit dem architektonischen Erbe aus den 1930er-Jahren», wie die Jury im Oktober 2019 schrieb.

Der Bata-Park ist ein einzigartiger Industriezeuge, mit dem der tschechische Schuhkönig Tomáš Bat’a 1932 seine Vision von Wohnen und Arbeiten an einem Ort in die Schweiz brachte. Er selber erlebte die Eröffnung nicht mehr; auf dem Weg dazu stürzte sein Flugzeug ab.

Bis 1990 lief die Schuhproduktion in Möhlin, bis zu 700 Arbeiter beschäftigte die Schuhfirma. Dann war Ende Feuer. Das Areal erlebte danach eine bewegte Geschichte, bis es 2005 von der Jakob Müller AG übernommen wurde. Sie will die Vision von Bat’a weiterleben. Der Bata-Park soll Arbeit und Wohnen verbinden, soll den früheren Charakter zurückerhalten. Dafür erhielt die Jakob Müller Immobilien AG den Preis.

Liebe auf den ersten Blick

Ein halbes Jahr danach. «Es war ein schönes Zeichen», sagt Kuoni. «Der Preis zeigte uns, dass geschätzt wird, was wir in Möhlin machen.» Das ist nicht wenig – und bisweilen auch recht schwierig, denn ein Teil der Gebäude steht unter Schutz.

Das wusste das Unternehmen, als es das Areal kaufte. Weshalb tat es sich dann den Bata-Park an? Kuoni lacht. «Es war wie bei einem Oldtimer», sagt er. «Liebe auf den ersten Blick.» Und wie bei einem Oldtimer kamen mit der Zeit auch Dinge zum Vorschein, mit denen man nicht gerechnet hat. Man habe bei der Modernisierung des Areals viel gelernt, sagt Kuoni. Er möchte den Bata-Park nicht mehr missen. «Er gehört zu uns.» Das Engagement sieht er denn auch langfristig. Die Auslastung sei inzwischen so, dass dies auch finanziell Sinn mache.

Beeindruckt ist Kuoni immer wieder aufs Neue von den Geschichten der Menschen, die im Bata-Park leben. Etliche haben noch in der Schuhfabrik gearbeitet. «Am meisten freut mich, dass die Menschen dort gerne leben», sagt Marc Friedrich, Geschäftsführer der Jakob Müller Immobilien AG. Dies spüre man immer dann, wenn es einen Mieterwechsel gebe. «Da ist oft viel Wehmut dabei.» Und dies trotz den Einschränkungen, welche die Bewohner aus Schutzgründen eingehen müssen. So haben die Wohnungen in den ehemaligen Werkhallen 1 und 2 keinen Balkon.

Der Heimatschutzpreis habe kurzzeitig für Aufmerksamkeit gesorgt, sagt Friedrich. In der Vermarktung sei er allerdings kein Argument gewesen. Doch die Vermarktung läuft ohnehin gut.

Bata-Park hat noch viel Ausbaupotenzial

Der Bata-Park, in dem neben rund 100 Wohneinheiten auch Gewerbebetriebe, ein Restaurant sowie ein kleines Hotel untergebracht sind, hat noch viel Potenzial. Aktuell bestünden jedoch keine Ausbaupläne, sagt Friedrich. «Die Coronakrise hat dem Immobilienbereich sicher nicht geholfen.» Vor allem Firmen sind vorsichtig geworden.

Zudem sei auch der Wohnungsmarkt derzeit eher gesättigt, so Friedrich. Das spürt das Unternehmen auch in Frick, wo es viele Mietwohnungen besitzt. «Erstvermietungen sind in der Regel kein Problem», so Kuoni und Friedrich ergänzt: «Schwieriger sind Objekte, die 10 bis 15 Jahre alt sind.» Denn diese seien zu jung, um sie schon zu sanieren – und doch in Sachen Komfort nicht mehr das, wie man heute baut. Als Beispiel nennt Friedrich elektrisch bedienbare Storen, die heute erwartet werden.

Die gibt es bei den Loftwohnungen in den umgebauten denkmalgeschützten Gewerbehallen. «Mein Lieblingsort im Bata-Park», wiederholt Kuoni die Frage. Der Garten der Villa gefalle ihm besonders, sagt er, die Sonnenuhr auf der Rückseite des Clubhauses ebenso. Friedrich nickt. «Speziell ist zudem der Blick durch die Baumallee.» Für ihn sei der Bata-Park ein Kraftort, so Friedrich. Ein preisgekrönter.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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