Laufenburg
Nach Abbruch von Kraftwerkprojekt: Energiedienst verliert elf Millionen Euro

Der Abbruch eines Projekts für ein Pumpspeicherkraftwerk kommt die Energiedienst Holding AG teuer zu stehen. Sie bleibt auf elf Millionen Euro Vorlaufkosten sitzen.

Marc Fischer
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Das Kraftwerk Laufenburg hatte dieses Jahr mit niedrigen Pegelständen zu kämpfen. Elf Millionen verliert Energiedienst aber mit einem Projekt im Schwarzwald. Archiv

Das Kraftwerk Laufenburg hatte dieses Jahr mit niedrigen Pegelständen zu kämpfen. Elf Millionen verliert Energiedienst aber mit einem Projekt im Schwarzwald. Archiv

Michelle Güntert

Seit 2008 planen die EnBW Energie Baden-Württemberg AG und die Energiedienst Holding AG, die unter anderem die Rheinkraftwerke Laufenburg, Rheinfelden und Wyhlen betreibt, den Neubau eines Pumpspeicherkraftwerks in Atdorf im Schwarzwald unweit der Schweizer Grenze. Doch nun haben die Unternehmen die Notbremse gezogen und das Projekt abgebrochen.

«Das ohnehin schwierige Marktumfeld und damit die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren nicht positiv entwickelt», blickt Alexander Lennemann, Leiter Kommunikation bei Energiedienst, auf die Planungsphase zurück. 2008 seien etwa die Strompreise noch deutlich höher gewesen als heute. Zudem habe sich der Standort nach dem Erörterungstermin letztlich als ungeeignet herausgestellt.

Weiterhin schwarze Zahlen

In den fast zehn Jahren haben die Unternehmen viel Arbeit, Zeit und Geld in das Neubau-Projekt gesteckt, so Lennemann weiter. Die Vorlaufkosten, die von Energiedienst zu tragen sind, belaufen sich auf rund elf Millionen Euro. Diese Summe ist nun verloren und deshalb hat Energiedienst gestern auch eine Gewinnwarnung veröffentlicht. «Die Energiedienst Holding AG wird das zum Halbjahr 2017 prognostizierte betriebliche Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 40 bis 50 Millionen Euro für das Gesamtgeschäftsjahr 2017 voraussichtlich nicht erreichen», heisst es darin. Die elf verlorenen Millionen drücken also das Ergebnis um bis zu einen Viertel.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen bei einem Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern von 45,3 Millionen Euro einen Gewinn von 31,2 Millionen Euro. Dies bedeutete im Vergleich zu 2015 bereits einen Gewinnrückgang von rund 8 Millionen Euro. Wie gross die Auswirkungen auf den Jahresgewinn nun dieses Jahr sind, bleibt abzuwarten. Aber: «Wir sind sicherlich weit von roten Zahlen entfernt», so Alexander Lennemann. Deshalb – und weil es sich bei den 11 Millionen um eine «einmalige Ergebnisbelastung» handle – seien auch keine Massnahmen geplant.

Niedrige Rhein-Pegelstände

Abseits des Abschreibers in Millionenhöhe verlaufe das Geschäftsjahr ebenfalls schwierig. Der Rhein führte in den vergangenen Monaten meist eher wenig Wasser. Die Wasserführung lag im ersten Halbjahr 2017 rund 17 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Und auch die Sommermonate waren laut Lennemann in Sachen Pegelstand «wenig prickelnd». Immerhin: «Im September waren die Abflussmengen in Ordnung.»

Daneben bereiten Energiedienst weiterhin die niedrigen Grosshandelspreise Sorge. «Dies war aber so zu erwarten», sagt Lennemann. Entsprechend sei man vorbereitet und habe die Strategie bereits vor über einem Jahr angepasst. «Wir wollen uns vom klassischen Stromproduzenten und -verkäufer hin zum Energiedienstleister entwickeln», so Lennemann. So spielten auch die Elektromobilität oder die Photovoltaik eine immer grössere Rolle im Unternehmen.

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