Herznach
Nach 25 Jahren die letzten Kerzen vom Lehrerpaar

In der Wachsküche des Schulhauses in Herznach organisieren Bernhard und Edith Hehlen mit ihrer Klasse bis zum 23. November das Kerzenziehen.

Walter Christen
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Bernhard und Edith Hehlen an ihrem 25. Kerzenziehen in Herznach. chr

Bernhard und Edith Hehlen an ihrem 25. Kerzenziehen in Herznach. chr

Bernhard und Edith Hehlen haben das Kerzenziehen vor 25 Jahren nach Herznach gebracht. Der Anlass wird seit 1989 jedes Jahr von der Schulklasse des im Jobsharing tätigen Lehrerpaars organisiert und erfreut sich im Dorf und darüber hinaus grosser Beliebtheit. Jetzt hat für die beiden das letzte Kerzenziehen begonnen, denn sie werden Ende des Schuljahres pensioniert.

In der Wachsküche des Schulhauses 1993 in Herznach, einem Werkraum, herrschte bereits am ersten Tag des diesjährigen Kerzenziehens Hochbetrieb. Viele Kinder, Erwachsene und sogar eine Schulklasse aus der deutschen Nachbarschaft, aus Bad Säckingen, sind mit Kerzenziehen beschäftigt. Bernhard und Edith Hehlen stehen mitten im Raum und erteilen Ratschläge auf alle Seiten.

Auf die Frage nach dem Ursprung des Kerzenziehens im Dorf hielt Lehrer Hehlen fest: «Ich wollte gerne ein Klassenlager durchführen, aber nicht die gesamten Kosten dafür telquel den Eltern aufbürden. Zu jener Zeit hat Fritz Nadler in der Nachbargemeinde Ueken jeweils ein Kerzenziehen organisiert. Das fand ich interessant, und als er aufgehört hat, haben wir bei uns mit dem Kerzenziehen angefangen – für einen Zustupf in die Klassen(lager)kasse.»

Viel Betrieb in der Herznacher Wachsstube
9 Bilder
Kerzenkunst aus der Herznacher Wachsküche
Kerze in Regenbogenfarben (links)
Hier entsteht eine Kerze
Helferinnen schneiden und dekorieren die Kerzen
Die Kunstwerke aus Wachs sind zum Trocknen aufgehängt
Die Kerzenzieherinnen und Kerzenzieher sind voller Konzentration bei der Sache
Das Werkzeug der Kerzenschneiderinnen
Bernhard Hehlen, Initiant des Herznacher Kerzenziehens

Viel Betrieb in der Herznacher Wachsstube

Walter Christen

Bernhard Hehlen erinnert sich: «Wir haben einen unglaublichen Start hingelegt, wurden wir doch schon beim allerersten Herznacher Kerzenziehen völlig überrannt. Und so hat sich das Kerzenziehen an unserer Schule zu einem Renner entwickelt. Die Mädchen und Knaben der 6. Klasse Primarschule sind mit vollem Elan dabei und wir leiten das sehr gerne – es ist ein Hobby geworden.»

80 verschiedene Kerzenmodelle gibt es inzwischen, die von den Kerzenziehern aus nah und fern nachgebildet werden, was mit kleinen Abweichungen meistens auch gelingt. In einem riesigen Topf wird Kerzenwachs vorgeschmolzen. Es handelt sich um eine Mischung aus 80 Prozent Paraffin (ein Nebenprodukt aus der Erdölraffinierung) und 20 Prozent Stearin (ein pflanzliches Produkt). «Dazu kommt noch ein kleiner Anteil Bienenwachs. Wir haben nämlich herausgefunden, dass die Zugabe von Bienenwachs die Kerzen geschmeidig macht und so deren Schneiden und Formen erleichtert», so Bernhard Hehlen.

In die acht Töpfe, von denen jeder flüssiges Wachs in einer anderen Farbe enthält, tauchen die Kerzenzieher den Docht. Dieser legt bei jedem Arbeitsgang eine weitere Schicht an Umfang zu. Acht bis zehn Helferinnen formen, schneiden, verzieren und dekorieren am Schluss die Kerzen nach Kundenwunsch. Bezahlt wird nach Gewicht.

Bis 100 Kilo Wachs an einem Tag werden benötigt, wie von Bernhard Hehlen zu erfahren war. Voriges Jahr entstanden aus insgesamt über 700 Kilo Wachs wunderschöne Kerzen. Das wird auch dieses Mal nicht anders sein. Denn noch heute Sonntag, bis und mit nächsten Sonntag, 23. November, ist die Wachsküche in Herznach jeden Nachmittag geöffnet.

Und zum Schluss noch eine erfreuliche Nachricht: Lehrpersonen der Herznacher Mittelstufe haben beschlossen, das Kerzenziehen von Bernhard und Edith Hehlen zu übernehmen und ab nächstem Jahr weiterzuführen.

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