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Na dann: Prost! Diese Fricktaler Kleinbrauereien sorgen für den WM-Biernachschub

«Man muss dem Bier die nötige Zeit lassen»: Mirko Dapoto hat die Tiersteiner Bräu Anfang 2017 übernommen.

«Man muss dem Bier die nötige Zeit lassen»: Mirko Dapoto hat die Tiersteiner Bräu Anfang 2017 übernommen.

13 Kleinbrauereien sind im Fricktal aktiv. Wir haben mit sechs von ihnen gesprochen. Für die Fussball-WM sind sie alle bestens gerüstet – und sehen die Schweizer Nationalmannschaft weit vorne.

Morgen Freitag gilt es für die Schweizer Fussball-Nati zum zweiten Mal an der WM ernst. Nach dem fulminanten Start mit einem 1:1 gegen Mit-Favorit Brasilien liegen die Erwartungen entsprechend hoch. Was braucht es, damit das Spiel zum rot-weissen Fussballfest wird?

Eine starke Mannschaft. Haben wir. Gutes Wetter. Ist bestellt. Fussballbegeisterte Zeitgenossen. Gibt es derzeit um jede Ecke. Würste vom Grill. Man riecht sie bereits. Und ein kühles Bier. Für Nachschub haben die Brauereien gesorgt – auch im Fricktal.

13 aktive Klein- und Kleinstbrauereien listet der Bund im «Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien» für das Fricktal auf. Mit sechs davon hat die AZ gesprochen. Über Biere – und die WM. Heissester Anwärter für den WM-Titel ist bei den Brauern Brasilien; auf die Südamerikaner als Weltmeister tippen drei Brauer.

Zwei glauben, dass sich Deutschland den Pokal holen wird – und einer, ja, einer glaubt (oder hofft zumindest) auf die Schweiz. «Wenn schon, denn schon», sagt Richie Waldis von der Brauerei NordSud in Rheinfelden zu seiner eidgenössischen Steilvorlage.

Biermässig bis ins Finale gerüstet

Optimistisch sind alle sechs, dass die Schweiz die Gruppenrunde übersteht. Drei sehen die Mannen um Trainer Vladimir Petkovic im Halbfinal, einer im Viertelfinal – und Waldis, der Optimist, eben als Weltmeister. «Prost!», kann man dazu nur sagen.

Die vorsichtigste Prognose gibt Mirko Dapoto von der Tiersteiner Bräu in Gipf-Oberfrick ab. «Die Schweizer schaffen es bis ins Achtelfinale», tippt er, um gleich nachzuschieben: «Aber natürlich hoffe ich, dass sie weiter kommen.» Die Bierreserven jedenfalls hätte er, wie seine Braukollegen, um die Schweizer bis ins Finale zu begleiten. «Ich hoffe natürlich, dass die WM den Bierabsatz ankurbelt.» Pro Jahr produziert er rund 120 Hektoliter Bier. Dapoto ist damit einer der Grösseren unter den Kleinen.

Derzeit sind es 120 Hektoliter, denn Dapoto hat grosse Pläne. Im September zügelt er seine Brauerei, die er vor eineinhalb Jahren von der Familie Stäuble übernommen hat, von Gipf-Oberfrick in ein grösseres Gebäude an die Industriestrasse in Frick.

Es ist, wenn man so will, seine zweite Transformation. Denn als Brauer betätigt sich Dapoto schon lange. Bis zur Übernahme der Tiersteiner Bräu tat er es zu Hause mit einer 50-Liter-Anlage. «Ich bin passionierter Biertrinker und das Brauen ist meine grosse Leidenschaft», erzählt er. Eines Tages war er in der Tiersteiner Bräu und hörte, dass sich die Inhaber, welche die Brauerei 2007 gegründet haben, zur Ruhe setzen wollen. «Da sah ich meine Chance.» Und die Stäubles sahen diese in ihm. Er bekam den Zuschlag. «Es war ein Glückstreffer», blickt er zurück.

Grössere Brauanlage

Und nun folgt im Herbst eben der zweite Ausbauschritt. Noch sei das Brauen ein «zeitintensives Hobby», das er betreibe, sagt Dapoto. Er hofft allerdings, dass es mit dem neuen Standort, der neuen Brauanlage und den Einwegflaschen, die er einführt, bald mehr sein wird. Der 38-Jährige lacht. «Ich freue mich auf den Tag, an dem ich mir den ersten Lohn auszahlen kann.» Derzeit arbeitet Dapoto neben der Brauerei, in der er täglich für einige Stunden anzutreffen ist, als Produktmanager in der Versicherungsbranche.

Bislang gibt es die fünf Standardbiere sowie die Spezialsorten nur ab Zapfhahn oder in Bügelflaschen. Letztere seien zwar «eine tolle Sache», aber mit einem erheblichen Aufwand verbunden. «Die Flaschen müssen gereinigt und desinfiziert werden und auch das Handling mit dem Depot ist kompliziert.» Die Depotflaschen haben laut Dapoto bisher auch einige Detaillisten und Restaurants davon abgehalten, seine Biere ins Sortiment aufzunehmen. «Gefragt sind heute Einwegflaschen.» Er erhoffe sich von der Umstellung, noch vermehrt im Gastrobereich Fuss fassen zu können.

Aktuell sind seine Biere im «Piazza» in Frick, in der Pizzeria La Palma in Oeschgen, in der Landi in Gipf-Oberfrick sowie ab Brauerei erhältlich. Dabei zeigen sich, je nach Kanal, auch unterschiedliche Präferenzen: Im Detailhandel laufen das Ale und das Amber besonders gut, in den Lokalen das Rote und das Schwarze.

Eigentlich habe er gehofft, früher am neuen Standort zu sein, sagt der Braumeister. «Dann hätte ich auf die WM hin ein kleines Public Viewing lanciert.» Wieder schmunzelt er. Es sei ja aber nicht die letzte WM.

Geduld ist gefragt

Geduld zu haben, ist für Dapoto auch die Kunst beim Brauen. «Man muss dem Bier die nötige Zeit lassen.» Während der eigentliche Brauprozess nur rund vier Stunden dauert, brauchen die Biere im Tank zwischen drei und fünf Monaten, bis sie trinkreif sind. Ihn selber fasziniert, wie aus wenigen Zutaten «herrliche mundende» Getränke werden. Und ihn fasziniert das Experimentieren. «Es ist für mich immer aufs Neue ein Spiel mit Hopfen, Malz und Hefe. Jede Veränderung ergibt ein neues Geschmacksbild.»

Für Dapoto ist das Bier dann perfekt, wenn es nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut ist, also nichts anders enthält als Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. «Ich braue alle Biere ohne Zusatzstoffe», sagt er, der «überhaupt kein Fan» von Lagerbieren ist. Sein persönliches Lieblingsbier ist ein Schwarzbier. Natürlich selbst gebraut. Denn: «Die Selbstgebrauten schmecken am besten.»

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