Frick
Mutmasslicher Millionen-Betrüger agierte mit Segen der Finma

Mit einem weit gespannten Vermittlernetz soll die ASE Investment AG aus Frick ahnungslose Anleger um Millionen geprellt haben. Von einem der grössten Betrugsfälle der letzten Jahre ist die Rede. Die Banken-Aufsichtsbehörde Finma schaute tatenlos zu.

Marc Fischer
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Ans Licht gekommen ist der Fall, nachdem die Basler Kantonalbank gegen ASE bei der Aargauer Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet hat und nun wegen Urkundenfälschung und Betrug ermittelt wird.

Auch die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat in der Zwischenzeit ihre Untersuchungen aufgenommen. «Wir prüfen, ob ASE gegen eine Bewilligungspflicht verstossen hat», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Pikantes Detail: Die Finma selber hat der ASE Investment AG zwei Bewilligungen erteilt. Eine Bewilligung als Finanzintermediär und eine Vertriebsbewilligung für kollektive Kapitalanlage.

Nicht laufend Untersucht

Wann genau die beiden Bewilligungen erteilt worden sind, wollte die Finma-Sprecherin nicht sagen. Sie unterstreicht im Gespräch mit der az aber, dass es sich bei den beiden Bewilligungen nicht um eine prudentielle Aufsicht handelt. Das heisst, ASE wurde nicht laufend von der Finma untersucht, sondern es wurden nur einmal die beiden Bewilligungsanträge beurteilt. Und zwar positiv.

Das heisst, der mittlerweile verhaftete Geschäftsführer M. S. der ASE Investment (es gilt die Unschuldsvermutung) erhielt eine Bewilligung von der Finma, obwohl er bei der Berner Behörde wegen undurchsichtiger Finanzgeschäfte bereits aktenkundig war. M. S. soll 2007 in Scheingeschäfte der Firma Max Entertainment involviert gewesen sein, wie der «Tages-Anzeiger» gestern schrieb.

Der damalige Fall versandete. Dagegen zieht der Fall um ASE immer grössere Kreise. «Der ASE-Fall scheint sowohl im Umfang als auch in der Bedeutung an die Dimensionen des Lehman-Falls heranzukommen», sagt der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer, der rund 60 geschädigte ASE-Kunden vertritt. Nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers haben schätzungsweise 5000 bis 10000 Schweizer Anleger im Schnitt 50000 bis 60000 Franken verloren, die sie in notleidende Lehman-Produkte investiert hatten. Im aktuellen Fall sind schätzungsweise bis zu 1000 Anleger betroffen, die im Schnitt 200000 bis 300000 Franken in den von ASE Investment vertriebenen Quanto Strategic Currency Fund investiert hatten.

Mehrere Banken betroffen

Der Fonds soll über ein Netzwerk von mehreren Finanzintermediären im Raum Basel und Zürich Anlegern mit lukrativen Versprechen (9 bis 10 Prozent Rendite pro Jahr) per Telefon angepriesen worden sein, sagt ein involvierten Anwalt, der anonym bleiben will, gegenüber der az. Eine zentrale Rolle in diesem Netzwerk soll gemäss einem involvierten Vermittler die Liestaler Ficon Consulting AG gespielt hat.

Einzelne Anleger sollen dabei mehr als eine Million Franken in den ASE-Fonds investiert haben. Als Depotbank für die Fondsverwahrung amteten diverse Banken. Bestätigt sind bisher die Namen der Basler Kantonalbank und von Swissquote. Gemäss involvierten Kreisen sollen aber auch die Zürcher und Luzerner Kantonalbank betroffen sein. Beide Banken gaben sich gestern auf Anfrage bedeckt und sagten, man wolle zu möglichen Kundenbeziehungen nichts sagen.

Ficon-Chef Michael Herrmann widerspricht dieser Darstellung dezidiert. «Wir haben den ASE-Fonds im Rahmen unserer Vermögensverwaltungsmandate in Kundendepots gelegt.» Man sei selber ein Geschädigter. «Wir prüfen, ob wir gegen ASE oder die Basler und Luzerner Kantonalbank Strafanzeige wegen Betrugs einreichen sollen», sagt Herrmann.

Wo befinden sich die Gelder?

Welches Institut wie in den Fall involviert war, müssen nun die Ermittlungen der Aargauer Staatsanwaltschaft zeigen. Die Anwälte wollen in erster Linie die investierten Gelder sicherstellen. Im Visier sind dabei ASE, die Finanzintermediäre, deren Versicherer und die Depotbanken. Wo die Gelder sich befinden, ist unklar. «In solchen Fällen verschwinden Gelder oft auch plötzlich», sagt ein involvierter Anwalt.

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