Wölflinswil
Müssen für den Windpark Burg «halbe Wälder» gerodet werden?

Der Verein Pro Burg will den Bau und Betrieb der Windkraftanlage bei Kienberg SO und Oberhof AG verhindern. Das machten die Vereinsmitglieder bei ihrem ersten Treffen deutlich. Es müssten dafür ganze Wälder gerodet werden, warnten sie.

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Geplanter Windpark Burg bei Oberhof und Kienberg von Wölflinswil aus gesehen.

Geplanter Windpark Burg bei Oberhof und Kienberg von Wölflinswil aus gesehen.

Marc Böller

Der Verein Pro Burg in Wölflinswil hält an seinem Hauptziel fest: Verhinderung des Baus und des Betriebs einer Windkraftanlage oder eines Windparks auf dem Hügelzug Burg. Dies bekräftigte Vereinspräsident Werner Habermacher an einer Vereinsversammlung.

Sowohl in den Statuten als auch in einem weiteren Papier untermauert der Verein Pro Burg ausdrücklich seine Stellung gegen den geplanten Windpark Burg: «Das Projekt ist rücksichtslos, in seinen Dimensionen masslos und ohne jeglichen Respekt vor der Jura-Landschaft.»

An der Vereinsversammlung im «Ochsen»-Saal in Wölflinswil vernahmen die rund 60 Vereinsmitglieder und Sympathisanten von Präsident Werner Habermacher: «Es braucht uns immer mehr. Wir werden zwar als Querulanten hingestellt, wehren uns aber vehement gegen den Windpark bei uns auf den Jurahöhen. Wir wollen uns so positionieren, dass wir uns Gehör verschaffen können. Es braucht einige Standfestigkeit, um den Pöbeleien der Befürworter von solchen Windrädern standzuhalten.»

«Die Basis muss sich erheben»

Er sei Basisdemokrat und verlasse sich auf die geltenden politischen Spielregeln. Deshalb sei es nun wichtig, vom Verein aus klar Position zu beziehen zum gegenwärtig aufliegenden Richtplan, so Präsident Habermacher, der betonte: «Die Basis in Oberhof muss sich erheben. Das ist unsere Chance, dass wir den Windpark nicht bekommen. Wir müssen Druck machen und werden deshalb im November an einem Informationsabend erklären, wie Eingaben zum Richtplan gemacht werden können.» Zudem hielt er fest: «Das Wohl unserer Ortschaft liegt mir am Herzen. Ich erwarte deshalb von der Gemeindebehörde, dass sie für unser Dorf und die Bewohner einsteht.»

Peter Bircher, ehemaliger Wölflinswiler Gemeindeschreiber und langjähriger Nationalrat, hat sich dem Verein Pro Burg als Mitglied angeschlossen und den Posten des Aktuars übernommen. Er führte aus: «Eine Verlautbarung des Aargauischen Elektrizitätswerks hat mich erstaunt, wo es geheissen hat, dass sich die Propeller auf Burg im Jahr 2014 drehen werden. Ich denke, so schnell geht das sicher nicht an allen Instanzen und am Volk vorbei.»

«Wir stecken in einem Dilemma»

Hans Büttiker, bis Mitte Jahr CEO der Elektra Birseck in Münchenstein, sprach über Energie-Effizienz in Produktion und Verbrauch in der Schweiz und stellte fest: «Gegenwärtig hat der Bau von Atomkraftwerken hierzulande politisch keine Chance. Wir müssen die Wasserkraft nutzen, die aber an ihre Grenzen stösst. Wir stecken echt in einem Dilemma, denn mit der Windkraft können wir nicht als Ersatz rechnen für die Atomkraft.» Zudem warnte er: «Für die Anlieferung von Mast, Kabine und Rotorblättern müssen feste Zufahrtswege gebaut werden. Das bedeutet die Rodung halber Wälder. Das ist eigentlich das Schlimme an der ganzen Sache.»

Nach den eindrücklichen Fotoimpressionen von Marc Böller äusserte sich Stefan Hofmeier aus Balsthal, Mitglied der Interessengemeinschaft Naturschutz Thal, zum Widerstand gegen Windkraftanlagen in der solothurnischen Region Thal. Christoph Merkli, Präsident der «Freien Landschaft Schweiz», kommentierte unter anderem den Kurzfilm über die Situation im kleinen Dorf St. Brais, wo die Bevölkerung die Auswirkungen der dort montierten Windräder deutlich zu spüren bekommt.