Laufenburg
Musikalischer Blumenstrauss für Christian Haller zum 75. Geburtstag

Acht Komponisten haben zum 75. Geburtstag Gedichte von Schriftsteller Christian Haller vertont.

Peter Schütz
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Christian Haller feierte im Februar seinen 75. Geburtstag.

Christian Haller feierte im Februar seinen 75. Geburtstag.

Sandra Ardizzone

Es hat alles gepasst: Ein milder Sommerabend, viel interessiertes Publikum, das spezielle Ambiente im Gewächshaus der Gärtnerei Leuenberger und natürlich die Besetzung auf der improvisierten Bühne mit dem Steinway-Konzertflügel. Der Laufenburger Tenor Tino Brütsch und der an der Hochschule für Musik in Basel tätige Pianist Benjamin Engeli gaben Eindrücke der im Label «Vokalmusik» erschienenen CD «Haller-Lieder» wieder. Das Liedduo tritt schon länger regelmässig auf, hat zusammen auch schon ausgewählte Lieder von Oskar Ulmer eingespielt, man kennt sich also. Was beide verbindet: ihr Interesse an der emotionalen Gestaltung von Textinhalten und derer musikalischen Umsetzung.

Sechs Gedichtsammlungen

Den musikalischen Blumenstrauss für Christian Haller, der im Februar dieses Jahres 75 Jahre alt geworden ist, haben sie aber nicht alleine zusammengestellt. Tino Brütsch und Benjamin Engeli haben acht Komponisten beauftragt, Gedichte aus Lyrikbänden von Christian Haller zu vertonen. Hallers erster Lyrikband «Der Fernseher ist kein schlechter Priester» ist 1998 erschienen, vier weitere Bände und 20 Jahre später hat er mit «Reise im Korbstuhl» die sechste Gedichtsammlung veröffentlicht.

Die Komponisten Daniel Fueter, Edward Rushton, Ruedi Debrunner, Balz Trümpy, Cyrill Schürch, Yvonne Troxler, Silvan Loher und Thomas Fortmann konnten aus dem Vollen schöpfen. Aber auch hier galt: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Thomas Fortmann zum Beispiel gesteht in dem umfangreichen Büchlein, das der sorgfältig produzierten CD beiliegt, dass es bei der Fülle von Gedichten, «die meines Erachtens erst in ihrer Gesamtheit das einzelne Gedicht von Christian Haller zum Juwel werden lässt», gar nicht einfach war, sich lediglich auf eines zu konzentrieren.

Christian Haller mit der soeben erschienenen CD «Haller-Lieder».

Christian Haller mit der soeben erschienenen CD «Haller-Lieder».

Peter Schütz

Interpretationen verschieden

Entschieden hat er sich für «Am Ende des Flurs, 4. Stock» wegen «der eindrücklichen Bilder und der darin enthaltenen Zärtlichkeit» mit Dominik Ostertag an der Viola. Dasselbe Gedicht hat es auch Edward Rushton aus Norwich/England – er lebt seit 1998 in Zürich – angetan. «Ich mochte das sehr Geheimnisvolle und Unausgesprochene an diesem Gedicht», erklärt er. Oder der gebürtige Schaffhauser Sylvan Lohner, der den Gedichtzyklus «Pappelallee» ausgewählt hat: Darin würden die Beziehung von Vergangenheit und Gegenwart, die Veränderung und Zerstörung der Natur durch den Menschen im Fokus stehen. Interessant zu hören ist, wie unterschiedlich zwei Komponisten (Cyrill Schürch, Ruedi Debrunner) sich des Gedichts «Morgenfrühe» angenommen haben.

Das Duo Brütsch und Engeli setzte den geschriebenen Vertonungen für Tenor und Klavier am Samstagabend das Sahnehäubchen auf. Ihre Interpretationen an dem speziellen Liederabend waren mehr als nur professionell, sondern mutig, vital, sinnlich und leidenschaftlich vorgetragen. Wie gut das Team eingespielt war, zeigte sich insbesondere bei den Liedern, in denen das Klavier und die Stimme wechselnde Rollen einnahm. Oder wenn Engeli wie ein Impressionist die Töne anschlug, bis Brütsch sich unvermittelt «einmischte».

Für einmal nahm Christian Haller, obwohl dessen Werk im Mittelpunkt stand, eine Nebenrolle ein, indem er die den Liedern zugrunde liegenden Gedichte rezitierte. Das wirkte in dem musikalischen Umfeld trocken, was aber seinen Reiz hatte, weil Haller es als Sprecher versteht, die Substanz seiner Gedichte nach aussen zu kehren.