Mumpf

Mumpfer auf der Suche nach einem Bett: So verlief der Beginn des Sozialexperiments

Andreas Klein setzt erstaunliche Prioritäten: Er kauft sich als Erstes eine Packung Zigaretten und sucht dann – mit mässigem Erfolg – einen Schlafplatz.

Andreas Klein setzt erstaunliche Prioritäten: Er kauft sich als Erstes eine Packung Zigaretten und sucht dann – mit mässigem Erfolg – einen Schlafplatz.

Mit 100 Franken soll Andreas Klein sich fünf Tage lang in einer fremden Stadt durchschlagen und dabei möglichst viel Geld verdienen. Der Mumpfer nimmt an einem Sozialexperiment von SRF teil – so lief der erste Tag ab.

Andreas Klein zündet sich eine Zigarette an und bläst den Rauch in die kalte St. Galler Luft. «Meine letzte Zigarette», sagt er mit einem Lachen in die Kamera.

Es ist seine erste Szene im neuen TV-Sozialexperiment «Stutz um Stutz» des Schweizer Fernsehens (SRF), das gestern Abend erstmals ausgestrahlt wurde. «Geniesst du sie noch?», fragt der Kameramann. «Ja klar, nachher gilt es ernst», antwortet Klein.

Kurz darauf muss der 62-Jährige aus Mumpf die «Zigis» tatsächlich abgeben und kriegt im Gegenzug ein schwarzes Notizbuch, einen Kugelschreiber und eine 100-Franken-Note in die Hand gedrückt – das ist alles, was ihm neben seiner Kleidung und der Identitätskarte für eine Woche bleibt.

So sind die Regeln des Experiments. Auch eine Packung Nastücher, die Schlüssel zu seinem Zuhause auf dem Campingplatz in Mumpf und sein Mobiltelefon muss er abgeben. Bei einigen Gebetszetteln und einem Fläschchen Weihwasser hingegen zeigt sich der Kameramann kulant. «Aber nicht verkaufen», mahnt er. Klein zieht von dannen.

Erste Ausgabe: Zigaretten

Er ist einer von vier Kandidaten, die am Experiment teilnehmen. Sie haben die Aufgabe, sich eine Woche lang allein durchzuschlagen, in einer Stadt, die sie nicht kennen.

Während die anderen Kandidaten sich als Erstes um ein warmes Bett und einen Gelegenheitsjob bemühen, setzt der Fricktaler eher erstaunliche Prioritäten. Er gibt nämlich gleich mal mehrere «Stutz» aus – für eine neue Packung Zigaretten. Die Freude ist gross: «Meine Marke ist sogar Aktion!» 7.50 statt 8.30 Franken.

Die Wahl der Prioritäten scheint bei Kleins Begleiter, dem Kameramann, auf Verwunderung zu stossen. «Das war jetzt wirklich nötig, he? In den ersten zehn Minuten?», fragt er und stellt dann trocken fest: «Du hast ja gar kein Feuerzeug.» Klein, sonst nicht auf den Mund gefallen, fehlen einen Moment lang die Worte.

Die anderen Kandidaten sind da schon einen Schritt weiter. Luca Huber (26) aus Aarau hat Gutscheine für die Gassenküche erhalten und einen Schlafplatz in Aussicht. Barb Streuli (71) aus Bergdietikon hat dank eines Vorrats an Diät-Shakes immerhin nahrungstechnisch für die Woche ausgesorgt – Kommentar dazu: «Gesund muss es ja nicht sein.»

Und Manuela Orlik (49) aus Sumvitg hilft in einem Restaurant und darf dafür dort übernachten und essen. Der Zufall meint es gut mit ihr: Ein Gast organisiert ihr einen Job.

Erste Nacht: Im Freien?

Kurz vor Mittag beginnt dann auch Andreas Klein, sich um seine Existenz zu kümmern. Bei der Polizei gibt man ihm die Adresse einer Unterkunft für Obdachlose und schenkt ihm ein Feuerzeug. Die Kioskfrau zahlt ihm ein Thonsandwich.

Dann aber ist die Glückssträhne vorbei. Bei der Unterkunft wird er abgewiesen. Aber nicht nur er: Auch Barb Streuli hat keinen Erfolg. Die beiden Kandidaten treffen sich zufällig, suchen dann alleine weiter.

Streuli bleibt zuversichtlich: «Wir finden schon ein Bett.» Ob sie recht hat? Die letzten Szenen zeigen die beiden noch immer auf der Suche – im mittlerweile dunklen St. Gallen. Am Donnerstag (21 Uhr, SRF 1) geht es weiter.

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