Rheinfelden

Multikulti-Festival bietet viel Musik, Kunst und Schmuck – aber auch ganz viel Essen

Manchmal ist es nur ein Duft oder ein kleiner Handgriff in der Küche, und plötzlich fühlt sich Claudia Blauenstein wieder wie ein Kind. Damals besuchte die heute 45-Jährige, Tochter eines Schweizers und einer Indonesierin, regelmässig ihre Grossmutter auf der Insel Java. Sie erinnert sich noch heute daran, wie sie im Kreis einiger Frauen in einem Hinterhof sass, mit dem Steinmörser Gewürze mahlte – um sie herum frei laufende und gackernde Hühner. Blauenstein lacht, als sie davon erzählt. Es sind glückliche Erinnerungen an die Heimat ihrer Mutter Essy, an ihre Heimat auch.

Ein Stück davon hat sie sich bewahrt: Mit ihrem Mann Matthias führt sie in Buus (BL) den indonesischen Catering-Service Bambus, fährt auch an Foodfestivals. Dieses Wochenende sind die beiden in Rheinfelden. Kein Wunder, sind sie doch Mitorganisatoren des dreitägigen «Multikulti – Festival der Kulturen». Dort wird neben viel Musik, Kunst und Kultur auch Kulinarik aus der ganzen Welt geboten.

Dem Schweizer angepasst

«Die indonesische Küche ist sehr vielfältig. Es gibt unter anderem asiatische, indische und arabische Einflüsse», sagt Blauenstein. Auf jeder der tausenden Inseln Indonesiens gäbe es ausserdem eigene Spezialitäten, werde anders gewürzt – mal etwas schärfer, mal eher süss. Blauenstein mag besonders Rendang, ein Rindsschmorgericht, oder Martabak, Teigtaschen. «Einige der Gerichte übernehme ich authentisch, andere passe ich etwas an die Schweizer Gaumen an – gerade mit der Schärfe», sagt Blauenstein mit einem Lachen.

Für viele Schweizer Gaumen (noch) fremd dürfte sein, was Nahed Razouk an ihrem Stand anbietet. Es sind Spezialitäten aus ihrer Heimat Syrien. Zum Beispiel Taboulé, Hummus Falafel und Küppe. «Das ist eine Mischung aus Hackfleisch, Zwiebeln und Haselnüssen in Bulgur-Teig», sagt Razouk. Seit gut zwei Jahren führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Ahmad in Liestal (BL) das Restaurant/Take Away Aleppo, benannt nach der Heimatstadt der Familie. «Die Menschen in Aleppo essen gerne gemeinsam an einem grossen Tisch voller verschiedener Speisen. Da kann sich jeder aussuchen, was er mag», sagt Razouk. In den Wintermonaten würden häufig Fleischgerichte serviert, im Sommer mehr Gemüse. «Die Stadt ist in der Region bekannt für ihre gute Küche.»

Ein Stück Heimat bewahrt

Seit sechs Jahren leben Nahed und Ahmad Razouk mit ihren Söhnen in der Schweiz. Bei der Schweizer Kundschaft ihres Restaurants kämen vor allem die Hummus Falafel gut an, sagt Razouk. Ihr bedeutet es viel, dass sie über die Küche ein Stück Heimat bewahren kann. «Das Kochen macht mir grosse Freude. Und es ist ein schönes Gefühl, den Menschen hier eine andere Seite von Syrien zeigen zu können.»

Eine Seite des südostafrikanischen Staats Mosambik präsentiert hingegen Jonathan Litscher an seinem Stand. Hier ist das Angebot übersichtlich – es gibt getrocknete Mangoschnitze. Dahinter aber steckt eine Geschichte.

Mangos aus Mosambik

Seine Eltern hätten einige Jahre in Mosambik gearbeitet und daneben auch mehrere Hilfsprojekte angestossen, sagt Litscher. Seit sechs Jahren nun hat er sein eigenes Projekt: die Mangos. Sie stammen aus einem kleinen Dorf in der abgelegenen Provinz Niassa am Malawisee. Die Menschen dort leben als Selbstversorger, essen hauptsächlich Mais und Süsskartoffeln, wenig Fisch und Obst – obwohl es in der Gegend unzählige Mangobäume gibt. «Davon hatten die Kleinbauern aber lange nichts, weil sie die Früchte nicht verkaufen konnten und ein Grossteil davon verfaulte, bevor sie sie selber essen konnten», sagt Litscher.

Das änderte sich mit dem Bau einer Mangofabrik, die Litscher mit lokalen Arbeitern errichtete. Um die Früchte haltbar zu machen, werden sie in der Fabrik getrocknet und danach mit dem Schiff nach Europa gebracht. «Die Mangos schlagen eine Brücke zwischen den Menschen hier und dort», sagt Litscher. Im doppelten Sinn: Auf den Packungen sind Fotos der Produzenten aufgedruckt. Käufer können über Litschers Unternehmen Nyanja – benannt nach dem Volk in der Gegend – ein Foto von sich zurückschicken.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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