Gansingen
Mülitheater: Ein Stück aus der «Klapsmühle»

Die aktuelle Komödie des Mülitheaters ist an Skurrilität kaum zu übertreffen. Denn nicht nur das Stück ist Skurril, sondern auch der Ort, an dem es gespielt wird.

Dennis Kalt
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Auf der Bühne kommt es mitunter zu kommunikativen Missverständnissen.

Auf der Bühne kommt es mitunter zu kommunikativen Missverständnissen.

Dennis Kalt

Gesellschaftskritik, Satire, Klischees – der Gansinger Drehbuchautor des Mülitheaters, Meinhard Bärtschi, hat bereits zum neunten Mal die kreative Feder geschwungen, um ein Kabarett, das vor Skurrilitäten und zwischenmenschlichen Verwirrungen nur so strotzt, auf 60 Seiten Papier zu bannen. «Klappstühle» oder auch «Klapsmühle» heisst der neuste Streich des elfköpfigen Theaterensembles.

Charakterliche Vielfalt

Die zweistündige Komödie ist schneller erzählt, als gespielt: Eine Spanierin, die in der Mühle einen Klappstuhlverleih betreibt, muss Konkurs anmelden. Verschiedene Charaktere erfahren von der Pleite und wollen die Räumlichkeiten nutzen, um darin ihren Tätigkeiten nachzugehen. So treffen in der Mühle bald die heissblütige Tochter der Spanierin, ein Künstler, ein Muskelprotz, ein humanoider Roboter und die Gemeinde, die in der Mühle eine Asylunterkunft errichten will, aufeinander – Zwist ist vorprogrammiert. Als die Protagonisten erfahren, dass die spanische Inhaberin die Mühle für ein modernes Mehrfamilienhaus abreisen lassen will, verbünden sich die Streithähne schliesslich und schmieden einen Plan, um die Mühle vor dem Abriss zu bewahren.

«Theaterstücke zu schreiben, ist für mich pure Passion», sagt Bärtschi, der im Oktober 2015 zusammen mit den Schauspielern die ersten Ideen entwickelte und fünf Monate später das komödiantische Werk vollendete. «Es gibt vier Elemente, die ich beim Schreiben beachten muss», sagt Bärtschi.

Erstens müsse die Geschichte immer einen Bezug zur Mühle haben. Dies sei sowohl mit dem Titel «Klapsmühle», als auch mit dem Handlungskern – die Rettung der Mühle – umgesetzt worden. Zweitens müsse er die charakterliche Ausrichtung der gespielten Rollen auf die einzelnen Darsteller zuschreiben. «Mir ist es dabei wichtig, dass der Darsteller auf der Bühne möglichst eine Rolle einnimmt, die eine grosse Distanz zu seinem Charakter im wahren Leben aufweist.» So müsse ein Darsteller, der eigentlich ein sehr ernstes Gemüt habe, idealerweise eine komödiantische Rolle auf der Bühne übernehmen.

Drittens müsse die Geschichte einen Bezug zu kritischen und aktuellen Themen aufweisen: «Ziel ist es auch, das Publikum zum Reflektieren anzuregen», sagt Bärtschi und nennt hierfür exemplarisch Technisierung, Kommunikation, Prahlerei sowie Asyl. Und viertens: «Eine gehörige Portion Humor. Wir wollen ja schliesslich auch unterhalten», sagt der Drehbuchautor mit einem spitzbübischen Grinsen.

Zwischen Mahlwerk und Gebälk

Skurril ist nicht nur der Inhalt des Stückes, sondern auch der Ort, an dem es spielt. In der alten Lochmühle sitzen die Zuschauer auf schmalen Holzplanken zwischen knatschigem Gebälk und dem Rüttelkasten des Mahlwerks nur wenige Zentimeter von der Bühne entfernt, die die Fläche eines kleinen Schrebergartens misst: «Diese Kulisse ist einzigartig und sorgt für eine unglaubliche Intimität», weiss Bärtschi.

22-mal wird das Theaterensemble in der alten Lochmühle, die maximal Platz für 40 Zuschauer bietet, auftreten. Mit jedem Auftritt entwickelt sich das Theaterstück ein wenig weiter: «Durch die Nähe zum Publikum haben wir eine sehr intensive Rückmeldung. Wenn wir merken, etwas kommt besonders gut an, dann versuchen wir, die entsprechende Szene bei nächsten Mal noch mehr zu zelebrieren.

Mülitheater mit «Klapsmühle»:

Vom 4. Juni bis 2. Juli und vom 12. August bis 1. Oktober, immer freitags und samstags, 20.15 Uhr, Lochmühle.

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