Bezirksgericht Rheinfelden

Morddrohung und Tätlichkeit – Geissen-Landwirtin bestreitet Vorwürfe: «Ich muss gar nichts sagen»

Die Gemeinde Magden warf der Landwirtin zudem vor, sich mangelhaft um ihre Geissen zu kümmern.

Die Gemeinde Magden warf der Landwirtin zudem vor, sich mangelhaft um ihre Geissen zu kümmern.

Eine Landwirtin musste sich vor Gericht wegen ihrer Geissenhaltung und Morddrohungen verantworten. Sie bestreitet die Vorwürfe. Das Urteil steht noch aus.

Vor Bezirksgericht in Rheinfelden fand gestern der zweite Teil des Prozesses gegen Nora (Name geändert) statt. Sie ist zum einen angeklagt, gegen eine Privatperson Morddrohungen ausgesprochen und Tätlichkeiten begangen zu haben. Die Gemeinde Magden warf ihr zudem vor, sich mangelhaft um ihre Geissen zu kümmern. Diese würden immer wieder aus der Weide ausbüxen, und auf ihr Konto gingen 150 Bäume, die schliesslich gefällt werden mussten.

Die am ersten Prozesstag noch laut und aufbrausend auftretende Nora wollte gestern nicht mehr viel sagen. Nachdem die Richterin ihr klargemacht hatte, dass sie die Nerven des Gerichts stark strapaziere, meinte sie: «Ich muss gar nichts sagen, ich muss mich nicht nerven, ich warte, bis mein Anwalt sprechen kann.» Mit dieser Aussage wurde die Befragung der Angeklagten beendet.

In seinem Plädoyer forderte der Vertreter der Ortsbürgergemeinde Magden eine Geldstrafe. Es gäbe genug Zeugen, welche die Ziegen frei herumlaufen gesehen hätten. Die Ziegen hätten nicht den Drang dazu, das Gehege zu verlassen, wenn genug Nahrung vorhanden wäre und der Zaun keine Mängel aufweisen würde. Auch den Grillplatz der Pfadi im anliegenden Wald hätten die freilaufenden Ziegen verschmutzt. Da Noras Ziegen die einzigen in dieser Gegend seien, könnten es nur ihre sein.

Der Privatkläger appellierte vor allem an das Gericht, endlich etwas zu unternehmen. «Muss zuerst etwas wirklich Schlimmes passieren, bis eine Änderung sichtbar wird?» Seit 20 Jahren solle dieser Kampf mit Noras Tieren nun schon dauern, und es sei noch immer nichts dagegen unternommen worden. Er habe langsam so seine Zweifel an diesem Rechtssystem, sagte er.

Die Verteidigung wollte einen Freispruch in allen Anklagepunkten, eine Abweisung der Zivilklage der Gemeinde Magden und eine Parteientschädigung für die Beschuldigte. Zur Anklage wegen Tätlichkeit sagte der Verteidiger von Nora, dass sie seit Jahren Blutverdünnungsmedikamente zu sich nehmen müsse. Bei der kleinsten Verletzung drohe sie zu verbluten und müsse sofort ins Spital. Aus diesem Grund würde sie niemals handgreiflich, da ihr Gegenüber sich wehren könnte und es schlimme Folgen für sie hätte.

Dass die Ziegen ausbüxen, liege bestimmt nicht an den Zäunen, denn um diese in Takt zu halten, gäbe Nora jährlich sehr viel Geld aus. Die vier Tore des Geheges seien alle in Richtung Strasse gerichtet und könnten jederzeit von Passanten geöffnet werden. Nora selbst meinte: «Katzen, Hunde oder Pferde dürfen auf den öffentlichen Strassen laufen. Warum dürfen meine Ziegen das nicht?»

Gestern wurde noch kein Urteil gefällt. Dieses wird schriftlich zugestellt.

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