Fahrplanwechsel
Möhlin verliert Schnellzug-Halt – Gemeinde kämpft um Anschluss

Der Gemeinderat Möhlin ärgert sich über den Verlust eines Schnellzug-Haltes mit BEginn des Fahrplanwechsels im Dezember. Doch auf einen Beschwerdebrief haben die SBB bereits mit einer Absage geantwortet. Und vertrösten auf 2021.

Nadine Böni
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Die SBB streichen einen morgendlichen Schnellzug mit Halt in Möhlin auf den Fahrplanwechsel 2015 – zum Ärger des Gemeinderats. Nadine Böni

Die SBB streichen einen morgendlichen Schnellzug mit Halt in Möhlin auf den Fahrplanwechsel 2015 – zum Ärger des Gemeinderats. Nadine Böni

Nadine Böni

Der Ärger ist zwischen den Zeilen deutlich zu spüren. «Diese Entscheide kann der Gemeinderat nicht nachvollziehen und kann diese auch nicht akzeptieren», heisst es in einem Schreiben der Möhliner Behörde an die SBB vom Juni. Der Grund? Die SBB streichen auf den Fahrplanwechsel im Dezember einen Schnellzug mit Halt in Möhlin. Der Zug mit der Nummer 1999, Abfahrt in Basel um 6.30 Uhr, Zwischenhalt in Möhlin um 6.46 Uhr, Ankunft am Hauptbahnhof Zürich um 7.40 Uhr ist nicht mehr im neuen Fahrplan.

«Dieser Zug dient vielen Pendlern als wichtige Morgenverbindung nach Zürich», sagt Möhlins Gemeindeammann Fredy Böni. «Der Wegfall bedeutet eine grosse Einschränkung dieser Anbindung.» Diese Ansicht teilte die Gemeinde im besagten Schreiben auch den SBB mit. Sie forderte den Erhalt des Schnellzuges. Und sie schlug auch eine Alternative vor: Als Ersatz müsse «zwingend» der Flugzug mit der Nummer 2059 – Basel ab 6.37 Uhr, Zürich an 7.49 Uhr – in Möhlin halten. Die von der Gemeinde errechnete Abfahrtszeit wäre 6.53 Uhr.

Gemeinde fordert mehr Halte

Nun folgt die Antwort der SBB: Nein. Sie begründen den Wegfall des Schnellzugs mit dem Ausbau der S-Bahn in Zürich. Dort verkehrt neu stündlich eine S19 zwischen Koblenz–Pfäffikon via Baden– Dietikon–Effretikon. «Leider steht diese Verbindung in Konflikt mit der Fahrlage des Interregio 1999 Basel–Zürich», heisst es im Schreiben. Trotz «umfangreichen Analysen» sei keine Lösung gefunden worden, den Zug beizubehalten. Und auch dem Lösungsvorschlag der Gemeinde erteilen die SBB eine Absage: «Ihrem Wunsch nach einem Halt des Flugzugs IR 2059 können wir nicht entsprechen, da dieser Halt aus fahrplantechnischen Gründen nicht realisiert werden kann.»

Böni kann «diese Argumentation durchaus verstehen», wie er sagt. Glücklich sei er trotzdem nicht. «Das Bahnhofareal in Möhlin ist im Richtplan des Kantons als Wohn- und Entwicklungsschwerpunkt festgesetzt», so Böni. In den kommenden Jahren werde es unweigerlich einen weiteren Bevölkerungszuwachs geben. Die Gemeinde fordert deshalb sogar eine Erweiterung des Fahrangebots mit Halten durch Flug- und Schnellzüge. «Nur so kann den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung getragen werden», sagt Böni.

Bei den SBB stösst er damit zumindest auf nicht ganz taube Ohren. Einen systematischen Halt der Interregio-Züge schon ab dem Fahrplan 2017 wird zwar ausgeschlossen. Aber: «Längerfristig, das heisst im Angebotsschritt 2025, sind in Möhlin IR-Halte geplant.» Derzeit überdenken die SBB ausserdem die Haltepolitik im Fricktal. Schon 2021 könnte diese verändert werden – auch zugunsten von Möhlin.

Nahziel 15-Minuten-Takt

Gemeindeammann Fredy Böni ist darüber erfreut. Als Vorstandsmitglied des Planungsverbands Fricktal Regio will er sich dafür einsetzen, dass Möhlin mehr Anschlüsse erhält. Und er werde auch weiterhin die Entscheide direkt bei den SBB hinterfragen, sagt Böni, denn: «Es ist wichtig, dass der Druck aufrecht bleibt.»

Als Nahziel – realisierbar in frühestens fünf Jahren – erwähnt er den 15-Minuten-Takt auf der S1-Linie zwischen Basel und Stein. Darauf würden der Planungsverband, der Kanton und die Gemeinden intensiv hinarbeiten, so Böni. «Das würde dann auch die Verbindungen von Möhlin über Rheinfelden nach Zürich verbessern.»