Möhlin

Möhliner seien «Ungehorsam und trutzig» gewesen

Die Gemeinde feiert ihren 1225. Geburtstag im grossen Stil und schaut zurück auf stürmische Zeiten.

Ein Dorffest für ein Jubiläum zu organisieren, ist immer eine Herausforderung. Kreativität und Einfallsreichtum waren gefragt. Der Gemeinderat und die Musikgesellschaft Möhlin schlugen bei dem Vorhaben gewissermassen zwei Fliegen mit einer Klappe. «Die MG Möhlin ist an uns mit der Idee herangetreten, den kantonalen Musiktag zu organisieren und die Jubiläumsfeierlichkeiten zusammen mit Musikantinnen und Musikanten aus dem ganzen Kanton zusammenzulegen. Für uns als Gemeinde passte das. Wir fanden, das ist eine gute Kombination. Ist mal etwas anderes», so Gemeindeammann Fredy Böni im Gespräch.

794 erstmals erwähnt

«Actu in atrio Scti Germani ad villa Melina» oder auch «Verfasst im Vorraum St. Germanus im Dorf Melina» heisst es in einem Auszug aus dem ältesten Dokument, in dem Möhlin im Jahre 794 – vor genau 1225 Jahren also – erstmals urkundlich erwähnt wurde. «Sicher haben Sie schon mehrfach von einheimischen Dorfbewohnern gehört, wie sie unser Dorf auch liebevoll ‹Meli› nennen. Damit ist uns ein keltisches Wort erhalten geblieben. Denn Meli kommt vom Wort ‹melen›. Das bedeutete ‹blond oder bräunlich› und beschrieb das Bachwasser, das schon damals bei Regen und Schneeschmelze braun floss. So hiess wohl zuerst der Bach ‹Meli›, bis dieser Name an den letzten Weilern vor der Einmündung in den Rhein hängen blieb», so Böni in seiner Jubiläumsansprache. «Nicht zuletzt aufgrund von Kriegswirren sowie wiederkehrenden Brandschatzungen, Plünderungen und Verheerungen erfolgte im 15. Jahrhundert der Zusammenschluss der Weiler zu einem kompakten Dorf.»

Möhliner verursachten Aufstand

Die Möhliner zeigten sich in der Vergangenheit oft sehr aufsässig und wehrhaft gegenüber dem Staat. In seiner Ansprache spricht der Aargauer Landammann Urs Hofmann sogar von Aufständen, Revolten und Widerstand gegen die Obrigkeit. «Möhlin, ein Dorf von Aufständischen? Von Rebellen? Tatsächlich stand das Dorf 1612 im Mittelpunkt eines Aufstandes, der als Rappenmasskrieg in die Geschichte der Region eingegangen ist. Bauern aus Möhlin und der Umgebung protestierten gegen eine von den Habsburgern eingeführte Getränkeumsatzsteuer auf Wein, den ‹Rappenmasspfennig›. Dieser war zwar befristet und diente den Habsburgern unter anderem zur Finanzierung ihrer Kriege. Allerdings gab es Gerüchte, wonach ein Teil des Geldes in den Taschen der Hofleute und der Beamten versickern würde», erinnerte Landammann Hofmann.

«Zur Wehr gesetzt haben sich die Bauern gleichzeitig gegen die zunehmenden Eingriffe in ihr Selbstbestimmungsrecht und generell für die Freiheiten der Landbevölkerung. Schliesslich hat die Obrigkeit Möhlin als eigentlichen Unruheherd ausgemacht. In den Akten werden die Möhliner als ‹die grossen Verursacher› des Aufstandes bezeichnet. Gegenüber der Obrigkeit seien sie ‹ungehorsam und trutzig› aufgetreten. Der Konflikt ist nach zweieinhalb Jahren dank Vermittlung der Eidgenossen beigelegt worden, wobei diese auf der Seite der Obrigkeit standen. Nicht nur mit den Habsburgern, auch mit den staatlichen Behörden des neuen Kantons Aargau hatten die Möhliner ihre liebe Mühe. Mit der Umsetzung der kantonalen Vorgaben hat man es über lange Zeit nie so ernst genommen. Die Gemeinderechnung hat man nachlässig geführt. ‹Bei den Einnahmen herrscht Dunkelheit›, kritisierte einst der Bezirksamtmann Fischinger. Nachdem 1831 die Möhliner an einer militärischen Inspektion in Rheinfelden Radau gemacht hatten, besetze der Kanton Möhlin sogar mit 450 Soldaten.» Die Zeiten haben sich mittlerweile geändert. «Die Möhliner sind zwar immer noch wehrhaft, aber wesentlich friedvoller geworden», schmunzelt Urs Hofmann zum Schluss.

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