Möhlin
«Ich war nicht besonders sportlich früher» – Beachvolleyballer Leo Dillier über den Alltag im Spitzensport

Ruhige Zeiten sind selten als Profisportler. Der aus Möhlin stammende Leo Dillier erzählt wie sich das Leben gestaltet, wenn man Sport leidenschaftlich betreibt und auch die Freizeit lieber aktiv verbringt.

Andrea Worthmann
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Leo Dillier trumpft in Phuket/Thailand an der U21 WM auf.

Leo Dillier trumpft in Phuket/Thailand an der U21 WM auf.

Bild: zvg

Es war ein erfolgreiches Jahr 2021 für den talentierten Beachvolleyballer Leo Dillier aus Aarau. Er bekam die Auszeichnung «Youngster of the year» (bester Newcomer), bei dem nationalen Turnier in Genf holte er den zweiten Platz und als Sahnehäubchen belegte er mit Teamkollege Thibaud Colomb bei der U21-Weltmeisterschaft in Phuket/Thailand den neunten Platz.

Für dieses Jahr steht ein Teamwechsel bevor. «Ich habe die Chance bekommen mit Adrian Heidrich zusammenzuspielen». Heidrich nahm 2021 an den Olympischen Spielen teil und trainiert bereits seit zwei Monaten mit Dillier. Neben dem grossen Ziel «Olympia 2028 in Los Angeles» möchte Dillier einen guten Saisonstart Anfang März in Mexico zum Auftakt der Worldtour hinlegen.

In Möhlin aufgewachsen, kam er durch seine Eltern zum Volleyball. Die Mutter spielte im Aargau und der Vater zum «Plausch». Auch der ältere Bruder Jann fand Gefallen an dem Ballsport. Leo Dillier wollte anfangs gar nicht so recht. Er sagt:

«Ich war nicht besonders sportlich früher.»

Das war mit zehn Jahren. Dann habe sich aber langsam eine grosse Freude an dem Sport entwickelt und wurde zur Passion. Im Winter spielte er in der Halle, im Sommer im Sand. Seit 2019 zog Dillier dann endgültig den Sand vor und konzentriert sich nur noch auf Beachvolleyball. Nicht nur der Lifestyle hat es ihm angetan, sondern auch die Komplexität der Spieleraufgabe, die sich vom Hallenvolleyball unterscheidet.

Die Routine bestimmt den Alltag

Im vergangenen Sommer schloss der 20-Jährige seine Lehre als Automatiker EFZ ab und kann ein bisschen freier agieren. Er sagt:

«Es war schon schwierig in den letzten vier Jahren alles unter einen Hut zu bringen.»

Dillier wohnt zurzeit in Aarau und pendelt täglich nach Bern. Dort hat er Vor- und Nachmittags Trainingseinheiten. Diese setzten sich zusammen aus drei Athletik- und Krafttrainings pro Woche und sieben sogenannten «Balleinheiten» in der Beachhalle.

Am Abend geht es dann wieder heim und das Wochenende ist meist frei, es sei denn, es stehen Turniere an. Und wenn nicht, wird sich auch nicht nur ausgeruht. Unter dem regenerativen Aspekt, steht lockeres Streching oder Yoga an.

«Beachvolleyball ist mein Leben und nimmt einen grossen Teil ein», sagt der Nationalspieler, aber eines gäbe es dann doch noch: «Ich lese gerne». Möglich ist dies vor allem an Turnierreisen, im Zug und im Flieger. Ansonsten bleibt nicht viel Zeit übrig.

Nach der jetzigen Saison hat Dillier vor, nach Bern zu ziehen. Die ganze Trainingsinfrastruktur sei dort. Momentan befindet er sich ausserdem in der Rekrutenschule der Schweizer Armee, wenn auch mit dem Sonderstatus des Spitzensportlers. Dieses Programm erlaubt eine besondere, trainingsbezogene Ausbildung in Magglingen und rund 90 Schweizer Athleten können dies jährlich in Anspruch nehmen.

Der Sand hat es ihm angetan. Leo Dillier in Aktion.

Der Sand hat es ihm angetan. Leo Dillier in Aktion.

Bild Adrian Knecht/zvg

Freuen kann sich Dillier aktuell aber auf das Trainingslager im Februar auf Teneriffa. Mit weiteren Top 30 Trainingsteams aus ganz Europa fühlt er sich ganz in seinem Element.

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