«Wo wir landen werden, werden wir sehen, aber das bestimme nicht ich, sondern Sie und das Stimmvolk», sagt Jean-Claude Kleiner in der Turnhalle zu den etwa 100 Anwesenden, die alle während diesem Jahr Teil einer Arbeitsgruppe sein werden. Der Gemeinde- und Unternehmensberater Kleiner, der schon an vielen Gemeindefusionen beteiligt war, etwa in Glarus oder in Lupfig und Scherz, begleitet das Projekt, das im Zentrum der Veranstaltung steht: Die Gemeinden Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen (BEEH) klären zusammen ab, ob sie fusionieren wollen.

Der Unternehmensberater, der durch eine Ausschreibung der Gemeinden bestimmt wurde, setzt die Zusammenschlussabklärung in einen nationalen Kontext: «Die meisten Schweizer Gemeinden sind heute rund 170 Jahre alt. Sie haben sich lange gehalten und das heisst, sie sind wichtig. Aber seit 20 Jahren läuft ein dynamischer Prozess: Aus etwa 3200 Gemeinden in der Schweiz sind bis heute etwa 2200 geworden.»

Erster Entscheid im Jahr 2019

Gemäss Kleiner wird diese Dynamik auch weiter anhalten, weil die kleineren Gemeinden vor immer anspruchsvollere Aufgaben gestellt werden. Vielen falle es beispielsweise schwer, neue Gemeinderäte zu finden. Kleiner fügt an: «Es geht nicht um Fusionen als Selbstzweck, sondern Fusionen als einen möglichen Weg in die Zukunft zu verstehen.»

Wie dieser Weg für die vier Gemeinden aussehen könnte, klären nun acht Arbeitsgruppen ab, die aus acht bis zwölf Personen bestehen, die aus den vier Gemeinden kommen. Jede dieser Arbeitsgruppen wird von einem Gemeindeammann geleitet. Bis im September 2018 werden die Arbeitsgruppen ihre Aufgaben abgeschlossen haben – so sieht es der Zeitplan von Kleiner vor. Im Januar 2019 wird die Bevölkerung über die Ergebnisse informiert und im März desselben Jahres entscheiden die Gemeinderäte, wie es weitergeht: Zusammenarbeit oder Fusion.

«In jeder Fusion gibt es drei wichtige Themen: Kopf, Herz und Portemonnaie», erklärt Kleiner. Kopf, das seien die Argumente, Portemonnaie die Finanzen, die auch langfristig stimmen müssten und Herz stehe für die Emotionen, erklärt Kleiner. «Während wir mit guter Arbeit gute Argumente liefern können, können wir das Herz nicht beeinflussen. Jeder Stimmbürger muss für sich selbst entscheiden», führt er weiter aus. Während dem ganzen Projekt will sich Kleiner nicht in den politischen Alltag einmischen, sondern fachlich beraten und unterstützen.

In den kommenden Monaten müssen die Arbeitsgruppen viele Fragen klären: Wie gross soll der neue Gemeinderat werden, wie sieht die Schule in einer neuen Gemeinde aus oder wie soll das Wappen der neuen Gemeinde aussehen? Rolf Kälin, ein Berufsheraldiker, bereitet die Anwesenden mit seinem Vortrag schon einmal auf die letzte Frage vor: «Der Kanton Aargau bestimmt per Gesetz, dass bei einer Fusion die neue Gemeinde einen Namen, ein Siegel und ein Wappen haben muss.»

Alte Wappen existieren weiter

Zwar bestehe die Möglichkeit, eines der schon existierenden Wappen auszuwählen, aber das mache meist nur dann Sinn, wenn eine der Gemeinden viel grösser sei als die anderen, führt der Heraldiker weiter aus. Er erklärt den Anwesenden die heraldischen Regeln, etwa dass auf einem Wappen nie zwei Metalle oder zwei Farben nebeneinanderliegen dürfen. Kälin erinnert sein Publikum auch daran, dass die bestehenden Wappen bei einer Fusion nicht verschwinden würden, sondern als Ortsteilwappen weiterhin zu sehen sein werden.

Nachdem Robert Schmid, der Gemeindeammann von Bözen, die Anwesenden für den nächsten Anlass in seine Gemeinde eingeladen und damit den offiziellen Teil des Abends beendet hat, wird beim Apéro weiter diskutiert.