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Mobility fährt in Wittnau ein – aber nur mit Defizitgarantie

Reservieren und einsteigen: Mobility-Autos stehen rund um die Uhr zur Verfügung.zvg

Reservieren und einsteigen: Mobility-Autos stehen rund um die Uhr zur Verfügung.zvg

Mit Wittnau setzt eine weitere Gemeinde auf Carsharing und erhofft sich Vorteile daraus.

Von Mitfahrgelegenheiten über Fahrgemeinschaften bis hin zu einem Gemeinschafts-Auto für ein Dorf. Die Gesellschaft wandelt sich und mit ihr ihre Bedürfnisse. Nicht mehr jede Familie möchte zwei Autos kaufen, Parkplatz-Mangel ist ein Problem, das heute viele kennen und auch an die Umwelt muss gedacht werden. Die Lösung in diesem Fall: Mobility. So sieht das zumindest der Wittnauer Gemeinderat. «Teilen ist ein Zukunftsthema», sagt Vizeammann Andreas von Mentlen. Ein Mobility-Auto, das auf dem Gemeindehaus-Parkplatz steht und rund um die Uhr per Telefon, Internet oder App gemietet werden kann, soll künftig die Bedürfnisse der Dorfbewohner decken.

Dabei gilt das Motto: Angebot fördert die Nachfrage. Dennoch weiss der Gemeinderat, dass aller Anfang schwer ist. «Bei Realisierung des Projekts muss die Gemeinde eine jährliche Defizitgarantie von 14 000 Franken tragen. Die Defizitgarantie würde kleiner, sobald das Fahrzeug jährlich 10 000 Kilometer oder mehr zurücklegt», so von Mentlen. Im ersten Jahr rechnet der Gemeinderat mit Kosten von rund 12 000 Franken, da die Wittnauer das Angebot erst kennen lernen müssten. Mittel- bis längerfristig hoffe man aber darauf, sich den 10 000 Kilometern pro Jahr immer mehr zu nähern.

Futuristische Vorteile

«Der Gemeinderat wird keine Gelder mehr für Spesen verbrauchen, weil das Mobility-Auto für die Fahrt zu Terminen genutzt werden kann und das Parkplatz-Problem wird sich hoffentlich etwas legen», sagt von Mentlen. In Wittnau werde das Umweltthema grossgeschrieben; dennoch hat die Gemeinde entschieden, den Kredit für Förderbeiträge für Solaranlagen nicht mehr zu erneuern. Diese Förderbeiträge betrugen 15'000 Franken und der Kredit läuft Ende 2016 ab. Im Gegenzug hat die Gemeinde nun das Mobility-Projekt ins Auge gefasst, welches fast kostengleich ist.

Der Vizeammann bezweifelt nicht, dass das Projekt angenommen wird. «Ein Auto für alle bedeutet ein erweitertes Mobilitätsangebot und somit eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Verkehr. Das ist auch ein Standortargument für künftige und bestehende Einwohner.» Auch Rückmeldungen aus anderen Fricktaler Gemeinden hätten zum Entscheid für das Mobility-Projekt beigetragen. In Rheinfelden stehen sechs Autos zur Verfügung, Frick und Kaiseraugst bieten je zwei, Möhlin, Magden und Gipf-Oberfrick je eines. Schweizweit bietet Mobility 2900 Fahrzeuge an knapp 1500 Standorten. «Ein Mobility-Auto ersetzt etwa zehn Privatautos. Wir eröffnen unsere Standorte dort, wo wir Potenzial sehen. Dabei ist die Siedlungsstruktur einer Gemeinde, die Einstellung von Einwohnern zu Carsharing und vor allem wie gut der öV ausgebaut ist, von Bedeutung», sagt Mobility-Mediensprecher Patrick Eigenmann. «Erfahrungsgemäss fehlt in Gemeinden unter 5000 Einwohnern die Nachfrage. Wittnau mit gut 1100 Einwohnern trägt mit der Defizitgarantie einen Teil des Risikos mit. Wir sehen in der Gemeinde durchaus eine Perspektive für einen Mobility-Standort, sonst hätten wir dem Projekt nicht zugestimmt.»

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