Frick

Mobbing im Internetzeitalter: Diese Schulsozialarbeiter sind zu 120 Prozent für Schüler da

Hans Fanderl und Rebecca Schaffner von der Schulsozialarbeit Frick.

Hans Fanderl und Rebecca Schaffner von der Schulsozialarbeit Frick.

Zwei Schulsozialarbeiter reden über Mobbing, wie sich der psychische Terror in die digitalen Medien verlagert haben und was sie dagegen unternehmen.

Einige Probleme bleiben bestehen. Auch innert 15 Jahren, in denen sich der Schulsozialdienst Frick um das Wohlergehen der Jugendlichen sorgt. Jedoch haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen verändert, in denen die Probleme eingebettet sind, weiss Rebecca Schaffner von der Schulsozialarbeit in Frick und hält fest: «Während früher Beleidigungen und psychischer Terror innerhalb einer Gruppe oder Schulklasse ausgeübt wurden, hat sich das Mobbing im Zeitalter von Facebook und Whatsapp in die digitalen Medien verlagert.»

Kommen durch soziale Medien drangsalierte Schüler auf den Schulsozialdienst zu, dann greift der «No Blame Approach» – Ansatz ohne Schuldzuweisung –, wie Hans Fanderl vom Schulsozialdienst erklärt: «Wir installieren dabei eine Unterstützergruppe aus ein paar Schülern in der Klasse, die ihr Verhalten gegenüber dem Opfer positiv verändert. Dies hat den Effekt, dass die Verantwortlichen ihre Mobbingaktivitäten oft beenden oder das mediale Forum, über das gemobbt wurde, gelöscht wird.»

Oftmals sind es jedoch die Eltern, die auf den Schulsozialdienst zukommen und meinen, dass ihre Kinder gemobbt werden, berichtet Schaffner: «Sie erzählen uns dann von Chatverläufen oder Begriffen, die in ihren Augen stark beleidigend oder verunglimpfend sind.» Manchmal müsse dann, so Schaffner, Aufklärungsarbeit gegenüber den Eltern betrieben werden: «Es war zu allen Zeiten so, dass die Jugendsprache rauer war als diejenige der Erwachsenen.» So werden Begriffe von den Eltern oftmals anders gedeutet, als sie von den Jugendlichen gemeint sind. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, den Jugendlichen klarzumachen, dass ihre Sprache auf sie zurückfällt. «Um die Schüler zum Reflektieren zu bringen, lassen wir sie die verwendeten Schimpfwörter aufschreiben und definieren sie anschliessend», erzählt Schaffner, die hinzufügt, dass sich dabei oft ein Gefühl der Scham bei den Schülern einstellt.

Kollektivität vor Individualität

Ein weiteres Phänomen ist die gesunkene Frustrationstoleranz. «Durch das Grosswerden im Internetzeitalter wollen die Schüler ständig unterhalten werden und definieren sich über ihr Ansehen auf Facebook. Sie müssen ständig verfügbar sein», erklärt Schaffner. Dies könne stellenweise soweit gehen, dass Wut und Trauer nur noch kollektiv in den sozialen Medien erfahrbar sind. Die Folge: Stress, der stellenweise soweit gehen kann, dass einzelne Schüler Anzeichen eines Burnouts zeigen.

Eine Methode, sich abseits des virtuellen Raumes zu definieren, ist das Leichtkontaktboxen der Schulsozialarbeit, denn: «Dadurch, dass die Teilnehmer Entwicklungsschritte durchmachen und sich verbessern, steigern sie ihr Selbstwertgefühl», sagt Fanderl und schiebt nach, dass sich die Schüler dabei aktiv mit Wut, Angst und Stress auseinandersetzen können.

Auf die Frage, ob sie glauben, mit ihrer Arbeit erfolgreich zu sein, antworten Fanderl und Schaffner bescheiden unisono: «Dass wissen wir nicht genau, denn es gibt keine klaren Kriterien, um den Erfolg zu messen.» Schulgemeinderätin Susanne Gmünder Bamert ist sich jedoch sicher: «Wir hatten in den letzen Jahren keine Extremsituationen an der Schule. Dies spricht Bände.»

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