Mittelschule
In Frick ist der Umgang mit dem Boden am haushalterischsten – gibt das den Ausschlag bei der Standortwahl?

Der Kampf um den Standort der Mittelschule Fricktal ist lanciert. Frick steigt mit dem Areal Ebnet ins Rennen – und punktet damit, dass das Gelände bereits überbaut ist und damit kein unüberbautes, aktuell landwirtschaftlich genutztes Land geopfert werden muss.

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
In Frick käme die Mittelschule auf dem Areal der K. Studer AG (oben) zu liegen, unmittelbar neben dem Oberstufenzentrum.

In Frick käme die Mittelschule auf dem Areal der K. Studer AG (oben) zu liegen, unmittelbar neben dem Oberstufenzentrum.

Bild: Paul Gürtler

Die Mittelschule kommt ins Fricktal – die Frage ist nur: wohin? Der Regierungsrat hat letzte Woche die Anhörung gestartet (AZ vom Samstag). Drei Standorte stehen zur Wahl: Frick, Stein und Rheinfelden. Die AZ zeigt in einer dreiteiligen Serie Vor- und Nachteile der drei Standorte. Heute: Frick.

Die Gemeinde steigt mit einem Areal im Ebnet ins Rennen. Dieses hat gegenüber den anderen Standorten einen grossen Vorteil: Es ist bereits überbaut. Damit muss kein unüberbautes, aktuell landwirtschaftlich genutztes Land für den Bau der Mittelschule geopfert werden.

Ein Ersatzstandort für die K. Studer AG muss gefunden werden

Allerdings, und das ist die Kehrseite, hat dies auch zwei Nachteile. Der eine ist zeitlicher Natur: Für die K. Studer AG, die heute dort wirtschaftet, muss ein Ersatzstandort gefunden werden. Dieser könnte der ehemalige A3-Werkhof sein, der dem Kanton gehört und in dem aktuell die Isolierstation für Asylsuchende einquartiert ist. Eine Machbarkeitsstudie ist im Gang. Sie wird bis im Sommer vorliegen – rechtzeitig also vor dem Standortentscheid.

Nur eben: Die Umsiedlung einer Firma birgt per se ein gewisses Risiko, dass es zu Verzögerungen kommt und der Kanton das Areal erst verspätet übernehmen kann. In diesem Fall müssten die Fricktaler Schüler an den bestehenden Mittelschulen oder in provisorischem Schulraum über das Schuljahr 2028/29 hinaus unterrichtet werden. Der Kanton schätzt dieses Risiko aber selber gering ein.

Kaufpreis liegt bei rund 26 Millionen Franken

Der zweite Nachteil: Da es einen Ersatzstandort für das Unternehmen braucht, kommt der Kauf des Areals den Kanton deutlich teurer zu stehen als bei den beiden anderen, unbebauten Grundstücken. Rechnet der Kanton für Stein und Rheinfelden mit einem Kaufpreis von neun respektive zehn Millionen Franken, muss er in Frick nach einer Grobschätzung rund 26 Millionen in die Hand nehmen.

Allerdings hält die Regierung mit Blick auf die Gesamtkosten – für den Bau wird mit rund 135 Millionen Franken gerechnet – fest: «Die Gesamtbetrachtung der Kosten zeigt nur geringe Unterschiede zwischen den drei Arealen. Entsprechend rücken die unmittelbaren Grundstückskosten für die Beurteilung der Areale gegenüber einer langfristigen Sicht stark in den Hintergrund.»

Auch die Lage des Areals hat Vor- und Nachteile zugleich. Der Vorteil: Es liegt so nahe beim Bahnhof wie kein anderes Areal. Die Schüler sind zu Fuss vom Bahnhof in sieben Minuten bei der Schule; bei den anderen beiden Standorten sind sie rund doppelt so lange unterwegs. Allerdings sorgt diese Bahnnähe gleichzeitig für Immissionen.

Synergien mit dem Oberstufenzentrum

Dass die Beschulung trotzdem kein Problem darstellt, beweist das unmittelbar nebenan liegende Oberstufenzentrum. Mit ihm – insbesondere mit seinen Sportanlagen – sind zudem Synergien möglich, ebenso mit dem in Fussdistanz erreichbaren Hallen- und Freibad.

Für eine Zusammenarbeit in schulischer Hinsicht würde sich in Frick vor allem das international renommierte Forschungsinstitut für biologischen Landbau anbieten; allerdings können auch die anderen Standorte gewichtige Kooperationspartner in die Waagschale werfen, Stein etwa den ganzen Pharmacluster.

Was die Schüler besonders interessiert, ist der «wo bekomme ich was»-Spassfaktor. Das Verpflegungs- und Einkaufsangebot ist in Frick gut, kann allerdings nicht ganz mit jenem in Rheinfelden mithalten.

Das Zweite, was die Schüler wissen wollen: Wie spät kann ich aufstehen, damit es noch in die Schule reicht? Will heissen: Wie lang ist der Schulweg? Der Kanton hat berechnet, dass ein Schüler nach Stein und Rheinfelden im Schnitt 16 Minuten benötigt, nach Frick dagegen 19 Minuten.

20 Prozent aller Mittelschüler leben in und um Frick

In und um Frick leben rund 20 Prozent der Fricktaler Mittelschüler, etwa gleich viele wie im Raum Stein. In diesem Punkt hat Rheinfelden die Nase vorne, leben doch im und um das Zähringerstädtchen 40 Prozent der Schüler. Anders formuliert: In Rheinfelden könnten rund doppelt so viele Schüler zu Fuss, mit dem Velo oder dem örtlichen Bus zur Schule und würden so die in Spitzenzeiten ohnehin schon stark ausgelastete Bahnlinie Zürich-Basel nicht noch zusätzlich belasten.

Allerdings bietet der Standort Frick dafür die Möglichkeit, auch Schüler aus dem Raum Brugg aufzunehmen – zumindest so lange, bis die Mittelschulen auch im Mittelland erweitert sind.

Wie nahe Vor- und Nachteile zusammenliegen – das gilt für alle Standorte –, zeigt die Gesamtbewertung des Kantons. Als Vorteil von Frick führt er das kompakte Areal an, auf dem alles untergebracht werden kann – als Nachteil ebendieses Areal respektive deren Umgebung, die kaum Landreserven für Erweiterung aufweist.

In der Gesamtbewertung bekommt der Standort Frick vom Kanton 40, der Standort Stein 46 und der Standort Rheinfelden 47 Punkte.