Mittelschule
Der Preis ist heiss – weshalb Rheinfelden das Land für die Mittelschule unter Preis anbietet

In einer Woche fällt ein weiterer Vorentscheid zur Mittelschule im Fricktal: Die Gemeindeversammlung in Rheinfelden entscheidet, ob sie – erhält die Stadt den Zuschlag – das Areal für 5,16 Millionen Franken an den Kanton verkauft. Sagt der Souverän Nein, ist die Bewerbung vom Tisch. Ins Fäustchen lachen könnten sich dann Frick und Stein, die beiden anderen Bewerber.

Thomas Wehrli
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Die Gemeinde entscheidet am 17. Juni, ob sie – erhält Rheinfelden den Zuschlag für die Mittelschule – das Areal im Engerfeld für 5,16 Millionen Franken an den Kanton verkauft.

Die Gemeinde entscheidet am 17. Juni, ob sie – erhält Rheinfelden den Zuschlag für die Mittelschule – das Areal im Engerfeld für 5,16 Millionen Franken an den Kanton verkauft.

Gerry Thönen/
Aargauer Zeitung

Drei Gemeinden, eine Hoffnung: eine Mittelschule im eigenen Dorf. Bis im Sommer 2029 erhält das Fricktal seine eigene Kantonsschule, noch bis am 26. Juni läuft die Anhörung zu den drei Standorten.

Wird es Frick, Stein oder Rheinfelden? Die Chancen sind bei allen drei Bewerbern intakt, auch wenn Rheinfelden im Anhörungsbericht die Nase ganz leicht vorne hat. Beim Vergleich der drei Standorte bekommt Rheinfelden 47 Punkten. Knapp dahinter folgt Stein mit 46 Punkten.

Frick liegt mit 40 Punkten recht deutlich zurück – dies vor allem auch, weil die Landerwerbskosten hier deutlich höher sind als bei den beiden anderen Standorten. Denn das Areal im Ebnet wird aktuell von einer Firma genutzt, die Areale in Stein und Rheinfelden dagegen sind unbebaut.

Bekommt Frick den Zuschlag, muss für das Unternehmen auf dem Areal ein Ersatzstandort gesucht werden.

Bekommt Frick den Zuschlag, muss für das Unternehmen auf dem Areal ein Ersatzstandort gesucht werden.

Paul Gürtler/
Aargauer Zeitung

Dieses Faktum kann man – und das machen die Standortgemeinden natürlich geflissentlich – positiv für den eigenen als auch negativ für die anderen Bewerbungen sehen. Positiv tönt das dann so: Es wird in Frick kein unbebautes Land verschwendet, denn als neuer Standort für das Unternehmen kommt der ehemalige A3-Werkhof in Frage. Negativ kann man es so formulieren: Bei einer Umsiedlung kann es schnell zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Sagt der Souverän Nein, ist die Bewerbung vom Tisch

Wie auch immer: Vorerst muss Rheinfelden dafür sorgen, dass es überhaupt im Rennen bleibt. An der Gemeindeversammlung in einer Woche stimmt der Souverän darüber ab, ob er das gemeindeeigene Land im Engerfeld verkaufen will oder nicht. Will er nicht, ist bereits das Ende der Fahnenstange erreicht – oder, mit Blick auf die Fussball-Europameisterschaft, die am Freitag beginnt: Dann ist Abpfiff.

Denn der Kanton besteht darauf, dass er zum Zeitpunkt des Standortentscheids einen Kaufrechtsvertrag in den Händen hält. Verständlich, denn sonst könnte das Geschäft immer noch platzen – und dann wäre, wie beim Fussball, die Luft zu einem ungünstigen Zeitpunkt raus. Stein hat bereits Ja zum Landverkauf gesagt, in Frick ist ein Ja nicht nötig, weil das Areal in Privatbesitz ist.

Der Stadtrat von Rheinfelden will sich deshalb in einer Woche das Plebiszit holen, die 12'000 Quadratmeter Land für 430 Franken pro Quadratmeter zu verkaufen. Das macht dann 5,16 Millionen Franken in die Stadtkasse.

Rheinfelden gewährt Preisnachlass von 30 Prozent

Ist das viel oder wenig? Beides. Denn der Verkehrswert des Areals liegt bei 650 Franken pro Quadratmeter oder 7,8 Millionen Franken. Der Stadtrat rabattiert also das Areal um einen Drittel. Dazu schreibt er in der Botschaft an die Stimmberechtigten: «Angesichts des öffentlichen Interesses an der Ansiedlung der Mittelschule und der mit der neuen Anlage entstehenden zusätzlichen Angeboten für Freizeitnutzungen am Abend und Wochenende ist eine Reduktion dieses Wertes um einen Drittel vertretbar.» Das findet auch die Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission, die den Preis als «fair und gerechtfertigt» ansieht.

Viel ist es, wenn man das Sümmchen mit dem Buchwert des Areals abgleicht. In den Büchern ist der Quadratmeter mit 225 Franken bewertet, was einen Verkaufspreis von 2,7 Millionen Franken ergäbe.

Um viel – nämlich um den Verbleib als Mittelschulstandort – geht es deshalb an der Gemeindeversammlung. Und wer die Rheinfelder kennt, der weiss: An den Versammlungen geht es schon mal hitzig zu und her.

FDP Rheinfelden arbeitet Argumentarium aus – mit Nachteilen der anderen

Da lässt sich die FDP der Stadt nicht lumpen und hat eigens zum Traktandum «Mittelschule» ein Argumentarium ausgearbeitet. Das Novum dabei: Die Partei zählt nicht nur die Vorteile auf, sondern liefert auch gleich die Nachteile der anderen Standorte mit – natürlich aus Rheinfelder Optik.

Für den Standort Rheinfelden spricht aus liberaler Optik, dass 40 Prozent der Schüler aus Rheinfelden oder der umliegenden Gemeinden stammen und damit viele zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule kommen können.

Als Vorteil wertet die FDP ebenfalls, dass am gleichen Standort die Kreisschule Unteres Fricktal zu Hause ist, dass das Areal verkehrstechnisch bereits gut erschlossen ist, dass keine Umzonung erforderlich ist und dass eine rasche Realisierung möglich ist. Zudem verfüge Rheinfelden über gute ergänzende Infrastrukturen.

In Stein käme die Mittelschule auf ein Areal zu liegen, das noch unbebaut ist.

In Stein käme die Mittelschule auf ein Areal zu liegen, das noch unbebaut ist.

Zvg / Aargauer Zeitung

Gegen Stein spricht für die FDP der Standort weit weg vom Bahnhof, die Opferung von Fruchtfolgeflächen und die aktuell kleine Infrastruktur. Frick hat aus Rheinfelder Optik den Nachteil, dass nur 20 Prozent der Schüler aus Frick und den umliegenden Gemeinden kommen und dass die Umsiedlung der Firma Zeitverzögerungen nach sich ziehen könnten.

Ehemaliger Rektor spricht sich für Stein aus

Die beiden Gemeinden sehen dies natürlich ganz anders. Aber nicht nur sie finden ihren Standort besser, auch einige Rheinfelder tun dies. Öffentlich mag sich nicht mancher gegen das Projekt stellen. Einer, der es tut, weil er seine Meinung immer ungeschönt kundtut, ist Jürg Keller. Der Querdenker, der mit Gleichgesinnten vor fünf Jahren die Deponie im Wäberhölzli gebodigt hat, findet die Idee, die Fricktaler Mittelschule in Rheinfelden anzusiedeln, wenig erbaulich.

Jürg Keller hält Stein für den besten Standort.

Jürg Keller hält Stein für den besten Standort.

Thomas Wehrli

Für Jürg Keller, der selber zehn Jahre Konrektor und zehn Jahre Rektor am Gymnasium Muttenz war, sprechen insbesondere vier Gründe für Stein. Erstens sei dies die geografische Mitte des Fricktals, schreibt er in einem Leserbrief. Zweitens werde sich durch die Bevölkerungsentwicklung das demografische Zentrum in Zukunft ostwärts verschieben.

Drittens hält er den Standort in Stein für besserklassig als jenen in Rheinfelden – und viertens mache der Preisrabatt von 2,5 Millionen Franken Rheinfelden verdächtig. Er ist überzeugt: «Er ist einzig dazu gedacht, um den Preisvorteil von Stein – dort ohne Rabatt – zu egalisieren.»